Infos über die Welt, in der der kleine Robert groß wurde, bevor er ein glühender Antisemit und Nationalsozialist wurde.
RadtourAuf den Spuren des Hitler-Vertrauten Robert Leys in Oberbergs Süden

Wolfgang Eilmes (l.) hatte zum wiederholten Male zu einer Radtour auf den Spuren Robert Leys – hier vor Gut Rottland in Waldbröl – eingeladen.
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2020 hat Wolfgang Eilmes zum ersten Mal zu einer Fahrradrundtour eingeladen, bei der es von Ruppichteroth aus ins Oberbergische ging, thematisch immer auf den Spuren von Robert Ley – dem hochrangigsten oberbergischen Vertreter des Nazi-Regimes.
Aus aktuellem Anlass, der Veröffentlichung des Buches „Hitlers Gefolgsmann – Robert Ley, mein Großvater, der Kriegsverbrecher“ aus der Feder des Kölner Journalisten und Ley-Enkels Frank Spilcker, bot Eilmes, Gemeindearchivar in Ruppichteroth, die Tour jetzt schon zum fünften Mal an. Das Thema liegt dem ehemaligen Englisch- und Erdkunde-Lehrer vom Waldbröler Hollenberg-Gymnasium am Herzen. Auf die Frage, weshalb er die Rundtour 2020 erstmals organisiert hat, sagt er: „Ich möchte zeigen, was auch in kleinen Orten wie Mildsiefen entstehen kann. Wir sind für diese Dinge in der Schule nicht sensibilisiert worden. Ich habe mir gedacht: Als Pädagoge kann ich das der Öffentlichkeit vermitteln. “
Unheil aus kleinsten Anfängen
Unheil aus kleinsten AnfängenRobert Ley, der aus kleinbäuerlichen, aber nicht ärmlichen Verhältnissen stammte und später als promovierter Lebensmittelchemiker arbeitete, war als Kind mit der Familie von seinem Geburtsort Niederbreidenbach nach Mildsiefen (beides Gemeinde Nümbrecht) gezogen.
Und was möchte Wolfgang Eilmes unterwegs vermitteln? Er verweist auf einen Leserbrief, den er im Zusammenhang mit der Vorstellung des Spilcker-Buches in der Zeitung gelesen hat: „Da schrieb eine Dame aus Köln, dass es wichtig ist, dass man die Erinnerung festhält, um zu zeigen, was für ein Unheil auch aus kleinsten Anfängen erwachsen kann. Das möchte ich zeigen.“
Hitler hat Ley regelmäßig zuhause besucht, nicht auf Gut Rottland, sondern in dessen Berliner Villa.
Robert Ley ist – obwohl er in der Nazi-Hierarchie eine relativ große Nummer war – heute deutlich weniger bekannt als Männer wie Goebbels, Göring oder Himmler. „Den Grund dafür“, so Eilmes, „hat Axel Spilcker schön erklärt, denn Leys große Zeit war vor dem Krieg. Er hatte direkten Zugang zu Adolf Hitler. Hitler hat Ley regelmäßig zuhause besucht, nicht auf Gut Rottland, sondern in dessen Berliner Villa.“ Hitler begleitete Robert Ley und dessen zweite Frau Inga gar auf die Hochzeitsreise. Inga Ley, geborene Spilcker, eine bildschöne Frau, nahm sich 1942 auf Gut Rottland das Leben.
Auch um solche Dinge ging es bei der E-Bike-Tour, an der rund 20 Personen teilnahmen, und es ging stetig auch um die Frage, aus welcher Welt Ley gekommen war, bevor er zum einflussreichen NS-Politiker wurde. Die Radler fuhren zahlreiche Punkte an, zu denen Eilmes viel berichten konnte: Leys Geburtshaus, seine Volksschule in Ruppichteroth, die Gaststätte, in der er später zum Frühschoppen einkehrte – und natürlich Gut Rottland, seit den 1930er Jahren in seinem Privatbesitz.
Bei den Teilnehmern traf die Mischung aus Fahrradtour und historischen Infos auf fruchtbaren Boden: „Ich bin Geschichtslehrerin an der TOB in Wiehl-Bielstein und ich unterrichte gerade in einer neunten Klasse zum Thema Nationalsozialismus“, sagte etwas Doris Josephy. „Von daher bin ich immer dankbar für Informationen, damit ich das mit Orten verknüpfen kann, wo die Schüler auch ein bisschen Bezug zu haben. Wenn die merken, dass Robert Ley ein Junge hier vom Land ist und wie der Nazi geworden ist, das erdet das Thema, das für Jugendliche schwer zugänglich ist, ein bisschen und macht es nahbarer.“
Regina Bergmann aus Nümbrecht sagt: „Ich bin dabei, weil ich das Radeln mit dem Historischen verbinden kann. Ich kenne Herrn Eilmes aus seiner Zeit als Englischlehrer, meine Töchter sind von ihm unterrichtet worden. Deshalb wusste ich, dass er sehr gute Touren macht.“
Und auch Matthias Evers aus Wiehl kam auf seine Kosten. „Ich hatte der Zeitung entnommen, dass es diese Tour gibt. Ich hatte mich gerade beim Stadtradeln angemeldet und wollte noch ein paar Kilometer machen.“ Das Thema an sich, gesteht er, habe ihn „nicht vorrangig gerufen“. Dass er aber Neues über das Bergische erfahren hat, sei trotzdem schön.
Näheres über die Tour und ihren Inhalt hat Wolfgang Eilmes hier zusammengetragen.
Zur Person: Robert Ley
Robert Ley Robert Ley (1890-1945) war unter anderem Reichsleiter der NSDAP, Leiter des Einheitsverbands Deutsche Arbeitsfront und deren Unterorganisation Kraft durch Freude. Er trat schon 1923 der NSDAP bei, gilt als ein führender NS-Politiker und glühender Antisemit.
Mitte der 1930er Jahre erwarb er privat Gut Rottland, ließ es umfassend ausbauen und plante, es zum Musterhof mit Windkraftanlage zu machen. In Waldbröl wollte er ein großes Traktorenwerk bauen. In den Nürnberger Prozessen war Robert Ley als Hauptkriegsverbrecher angeklagt.
