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Insolvenz der IB WestVerdi fürchtet Verlust von Arbeitsplätzen – Standorte auch in Oberberg

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Die Jugendbegegnungsstätte („Jubs“) am Hahner Weg in Waldbröl ist eine der oberbergischen Einrichtungen der IB West.

Die Jugendbegegnungsstätte („Jubs“) am Hahner Weg in Waldbröl ist eine der oberbergischen Einrichtungen der IB West.

Gegen die IB West mit Standorten in Oberberg läuft ein Insolvenzverfahren, Verdi befürchtet massiven Arbeitsplatzabbau.

Den Verlust von mehr als 500 Arbeitsplätzen und den massiven Abbau sozialer Angebote und Dienstleitungen im gesamten Geschäftsbereich fürchtet die Gewerkschaft Verdi, nachdem nun vor dem Kölner Amtsgericht das Insolvenzverfahren gegen die gemeinnützige Gesellschaft IB West (gGmbH) eröffnet worden ist.

Große Standorte im regionalen Geschäftsbereich sind die Städte Gummersbach und Waldbröl: In Gummersbach haben nach Angaben von Thomas Schulz, Sprecher der IB West, 92 Menschen ihren Arbeitsplatz, in Waldbröl sind es 211. Beschäftigt sind sie etwa in Jugendzentren, in der Integrationsförderung, in der Offenen Ganztagsbetreuung oder in Bildungszentren.

Träger der IB West ist der Internationale Bund, im vergangenen November hatte sich die Gesellschaft aufgrund ihrer wirtschaftlichen Schieflage in ein Schutzschirm-Verfahren begeben. Dieses lässt eine Eigenverwaltung des Unternehmens zu, die das Gericht nun auch angeordnet hat. Bei dem Sozialdienstleister stößt die von Verdi verbreitete Mitteilung zum Insolvenzverfahren auf Unverständnis. Ob Stellen überhaupt abgebaut und dann in welchem Umfang reduziert werden, lässt Sprecher Schulz offen.

Neues Familienbüro in Waldbröl

Er verweist darauf, dass ein Gläubigerausschuss bestellt worden ist, der in dem Verfahren fortan eine zentrale Rolle einnehmen wird und wie ein Aufsichtsrat arbeite. „In diesem Ausschuss hat auch ein Vertreter der Arbeitnehmerseite seinen Platz.“ Das erste Mal tage dieses Gremium Ende April, zu den drei Mitgliedern gehört neben den Vertretern von Arbeitnehmern und Arbeitgeber auch eine Vertreterin der Kölner Agentur für Arbeit.

Zudem würden Arbeitnehmervertreter von der Geschäftsführung in sämtliche Gespräche eingebunden. „Insofern werden wir weitere Spekulationen nicht kommentieren“, setzt Schulz hinzu. Auch die von der Gewerkschaft genannten Zahlen bewertet er nicht. Bei einem Gespräch mit dieser Zeitung im vergangenen Dezember hatte der Kölner die Zahl der Beschäftigten in der IB-Region Südost, für die das Büro in Waldbröl zuständig ist und zu der die „Betriebsstätte Gummersbach“ ebenfalls gehört, auf rund 490 Beschäftigte insgesamt beziffert.

Verhandlungsmarathon seit November

Diese Region umfasst unter anderem Teile der Kreise Oberberg, Rhein-Sieg und Rhein-Berg. Der Hauptsitz der IB West ist im Kölner Stadtteil Mülheim angesiedelt. Ziel der IB West sei es weiterhin, so Schulz, die Projekte wie gewohnt weiterlaufen zu lassen. „Seit November befindet sich die IB West in einem echten Verhandlungsmarathon.“ Zu den Einrichtungen in Waldbröl zählt unter anderem die Jugendbegegnungsstätte (kurz: „Jubs“) am Hahner Weg, das Nachbarschaftsbüro im Stadtteil Eichen ist dagegen zum Jahreswechsel geschlossen worden.

Denn zu den aktuellen Vorhaben gehört auch ein neues Familienbüro, das nach den Karnevalstagen an der Vennstraße in der Marktstadt eröffnet werden soll. Thomas Schulz: „Ein genauer Termin steht allerdings noch nicht fest.“ Die erste Anlaufstelle dieser Art hatte die IB West im September in Morsbach eingerichtet, vier weitere sollen folgen in Bergneustadt, Engelskirchen, Nümbrecht und Reichshof. Unterdessen befürchtet Verdi die Schließung ganzer Angebote und Einrichtungen, allerdings seien Übernahmen bestimmter Aufgaben, insbesondere im Offenen Ganztag, durch andere Träger im Gespräch.

Existenzielle Bedrohung für die Beschäftigten

„Für die Beschäftigten ist das eine existenzielle Bedrohung“, schildert Nicolas Zipp, zuständiger Gewerkschaftssekretär für den Bezirk Köln – Bonn – Leverkusen. „Viele Kolleginnen und Kollegen wissen zurzeit nicht, wie es weitergeht.“ Daher fordere Verdi „Transparenz im Verfahren, echte Beteiligung und eine umfassende Aufarbeitung der Ursachen, die zu dieser dramatischen Lage geführt haben“. An die Politik appelliert Zipp ebenso: „Land und Kommunen müssen jetzt handeln, um den Zusammenbruch zentraler sozialer Angebote zu verhindern.“

Dem Vernehmen nach gilt die Übergabe von Einrichtungen und die Abgabe sozialer Dienstleistungen an andere Träger als nicht unwahrscheinlich – und das inklusive der Beschäftigten. Grund dafür sind der anhaltende Mangel an Fachkräften und die dünnen Personaldecken. Um etwa Ausfälle durch Krankheit auffangen zu können, benötigt beispielsweise ein Kita-Träger mehrere solcher Einrichtungen, damit Beschäftigte in solchen Fällen einspringen und eben an einem anderen Ort aushelfen können.