Aus der Dechant-Wolter-Straße ist die Straße „Zum Klösterchen“ geworden. Der Geistliche Emmerich Wolter soll sich an Kindern vergangen haben.
MissbrauchLeuchtendes Klebeband überdeckt in Waldbröl den Namen eines mutmaßlichen Täters

Der neue Straßenname „Zum Klösterchen“ hängt, noch ein Jahr aber soll in der Stadtmitte von Waldbröl auch das alte, inzwischen überklebte Schild sichtbar sein. Dieses erinnert an den Pfarrer und Dechant Emmerich Wolter. Dem Verstorbenen wird der sexuelle Missbrauch an Kindern vorgeworfen.
Copyright: Felix Becher/Stadt Waldbröl
Noch ein gutes Jahr erinnert das blaue Straßenschild an Dechant Emmerich Wolter (1898 – 1976), jetzt aber bedeckt leuchtend rotes Klebeband den Namen des einst in der Waldbröler Pfarre St. Michael tätigen Geistlichen. Auch trägt die Straße in der Mitte der Marktstadt auf einem zweiten Schild den neuen, nun offiziellen Namen „Zum Klösterchen“: Nach einem Bürgerantrag von Christina Simon und Stefan Monreal hatte der Stadtrat im Dezember 2024 dafür gestimmt, die etwa 140 Meter lange Sackgasse umzubenennen, da diese nach einem mutmaßlichen Täter benannt ist, der sich in Waldbröl an Kindern vergangen haben soll.
So hatte das Kölner Erzbistum auf Anfrage dieser Zeitung im Oktober 2024 eingeräumt, dass Wolter, von 1945 bis 1973 Pfarrer und Dechant in Waldbröl, tatsächlich zum Kreis mutmaßlicher Täter gerechnet werde. Der Waldbröler Michael Schenk etwa, heute 57 Jahre alt und Geistlicher der alt-katholischen Kirche, benennt Wolter als einen von drei Männern, die ihn als Drei- bis Sechsjährigen missbraucht haben sollen. Schenk lebt heute in der Ruppichterother Ortschaft Stranzenbach und führt dort, Ain Karem, ein Therapie- und Exerzitien-Zentrum mit Gästehaus und Café.

Christina Simon und Stefan Monreal, beide Ur-Waldbröler, haben gemeinsam den Bürgerantrag formuliert und am Ende erreicht, dass die frühere Dechant-Wolter-Straße nun einen neuen Namen bekommen hat.
Copyright: Jens Höhner
„Den Antrag haben wir damals auch unserem Freund Michael zuliebe an die Politik gerichtet“, blickt Stefan Monreal zurück. „Wir wollten ihm ein Stück seiner Last nehmen.“ Es berühre und freue ihn, sagt der Kraftfahrer Monreal, dass diese Herzenssache Gehör gefunden habe. „Vielen Waldbrölerinnen und Waldbröler war das ganze Ausmaß nicht bewusst“, setzt er hinzu.
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Denn Wolter soll einer von fünf Pfarrern sein, die sich in Waldbröl und später auch in der Nachbargemeinde Morsbach des sexuellen Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen schuldig gemacht haben sollen bis in die späten 1980er Jahre hinein.
Die Podologin Christina Simon hat in Waldbröl ihre Praxis ganz in der Nähe der Straße mit dem umstrittenen Namen
„Es war an der Zeit, es musste endlich etwas passieren“, betont Monreals Mitstreiterin Christina Simon. Sie freut sich: „Wir haben so viel Zuspruch erfahren und sind so oft darauf angesprochen worden.“ Sie sei überglücklich, dass der Name Wolters bald verschwinde. „So oft bin ich an dem Schild vorbeigefahren, immer hatte ich ein komisches Gefühl dabei“, schildert die Podologin, die ihre Praxis in der Nachbarschaft dieser Straße hat.
Deren neue Bezeichnung erinnert an ein Franziskanerkloster, das einst auf dem Grundstück stand, auf dem heute das CBT-Wohnhaus St. Michael zu finden ist. Gefallen ist die Namenswahl nach einer Befragung von 61 Haushalten, Grundstückseigentümern und dort ansässigen Einrichtungen, die Alternative „Sankt-Michael-Weg“ fiel durch.
Die Politik bestätigte diesen Wunsch dann im März vergangenen Jahres und entschied zudem, dass dieser Wechsel erst nach der Kommunalwahl und zu Beginn dieses Jahres vollzogen werden sollte. Nach Auskunft aus dem Rathaus bleiben die alten Schilder indes für ein weiteres Jahr. „Die Menschen sollen sich an den neuen Namen gewöhnen, auch müssen die Datenbanken, etwa für Navigationsgeräte, damit gefüttert werden“, erklärt Christoph Thiel vom Hauptamt.


