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KatastrophenschutzAuch mit 12.000 Litern Wasser kann der THW-Ortsverband Waldbröl aushelfen

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Cassian Feuerstein, Gruppenleiter beim Ortsverband Waldbröl des Technischen Hilfswerks, führt einen Trennschleifer vor. Dieser ist an Bord des Gerätekraftwagens zu finden.

Cassian Feuerstein, Gruppenleiter beim Ortsverband Waldbröl des Technischen Hilfswerks, führt einen Trennschleifer vor. Dieser ist an Bord des Gerätekraftwagens zu finden.

Die Einsatzkräfte aus der Marktstadt sind vielseitig aufgestellt, wie auch jüngst der schwere Unfall in Nümbrecht-Langenbach gezeigt hat.

Pkw in Gebäude“, das war die Alarmierung, mit der André Bellingen, Baufachberater beim Waldbröler Ortsverband des Technischen Hilfswerks (THW), Mitte Dezember in die Nümbrechter Ortschaft Langenbach gerufen wurde. Dort war ein VW-Transporter in das Wohnzimmer eines Fachwerkhauses gerast. Das Fahrzeug hatte bei der Kollision die tragende Struktur des Gebäudes stark beschädigt.

„So etwas ist ein klassischer Fall, bei dem der Baufachberater hinzugezogen wird“, erklärt Bellingen. Nach Abschätzung durch den Einsatzleiter der Feuerwehr werde er von der Feuer- und Rettungsleitstelle des Oberbergischen Kreises verständigt. Das passiere zwar nicht regelmäßig, aber doch hin und wieder.

Bei dem schweren Unfall in der Nümbrechter Ortschaft Langenbach war der Waldbröler Ortsverband des THW ebenfalls im Einsatz. Dort war ein VW-Transporter in ein Fachwerkhaus gerast.

Bei dem schweren Unfall in der Nümbrechter Ortschaft Langenbach war der Waldbröler Ortsverband des THW ebenfalls im Einsatz. Dort war ein VW-Transporter in ein Fachwerkhaus gerast.

So auch im Januar 2024: Damals war in Gummersbach-Berghausen ein Linienbus auf einer Garage gelandet, zuvor war in Nümbrecht-Bierenbachtal ein Fahrzeug in ein Wohnhaus gerauscht. Nach der Alarmierung sei er als erster THWler vor Ort, sagt Bellingen. Zunächst mache er sich ein Bild von der Lage und begutachte die Tragstruktur des Gebäudes. Danach empfehle er der Einsatzleitung der Feuerwehr das weitere Vorgehen. In Langenbach war dies das Hinzurufen der Fachgruppe Bergen des in Hermesdorf ansässigen Ortsverbandes.

Insgesamt drei Ortsverbände des THW sind im Oberbergischen Kreis angesiedelt

Der Verband dort ist einer von dreien in Oberberg, die beiden anderen sind in Gummersbach und Bergneustadt angesiedelt. Die Waldbröler Kräfte halten etwa Baustützen im Gerätewagen bereit, für speziellere Anforderungen gibt es einen großen Anhänger, der mit einem Gerüstsystem bestückt ist. Beim Eintreffen der THW-Kräfte bespricht der Fachberater dann die Sicherung des betroffenen Gebäudes mit den Gruppenführern.

So war es in Langenbach erforderlich, vor der Bergung des VW-Busses zunächst Stützen zu setzen, da dieser einen Teil der Last des oberen Stockwerks trug. Vor dem endgültigen Abstützen mussten beschädigte Wandteile für die eigene Sicherheit entfernt werden.

Florian Krebs, Ortsbeauftragter des THW in der Marktstadt Waldbröl, zeigt einen Schleifkorb und ein Spineboard. Mit diesen Geräten können Menschn gerettet werden.

Florian Krebs, Ortsbeauftragter des THW in der Marktstadt Waldbröl, zeigt einen Schleifkorb und ein Spineboard. Mit diesen Geräten können Menschn gerettet werden.

Ortsbeauftragter Florian Krebs schildert, dass derartige Einsätze jedoch nur einen kleinen Teil darstellten: „Die Bergungsgruppe hat ein enorm breites Spektrum.“ Gruppenleiter Cassian Feuerstein demonstriert gern die Ausrüstung des neuen Gerätewagens, der, mit Schleifkorbtrage und Spineboard ausgestattet, auch die Rettung von Menschen ermöglicht.

Zudem gibt es eine hydraulische Schere und einen Spreizer wie bei der Feuerwehr, dazu eine Motorsäge, einen motorbetriebenen Trennschleifer und eine komplette Atemschutzausrüstung, um auch auf verrauchten Einsatzstellen arbeitsfähig zu bleiben. Hinzukommt ein mit Acetylen und Sauerstoff betriebener Schneidbrenner. André Bellingen erklärt: „Manchmal ist es sehr wichtig, Teile von Metallkonstruktionen abzutrennen, ohne das System zu erschüttern.“

Auf der Waldbröler Maibuche konnte das THW den Betrieb einer Station für Intensivpflege gewährleisten

Neben der Berge-Gruppe ist die Fachgruppe Notversorgung und Notinstandsetzung ebenfalls in der Marktstadt angesiedelt. Diese stellt etwa sicher, dass die Ortsverbände bei Einsätzen über einen gewissen Zeitraum unabhängig arbeiten können – mit Beleuchtung, Pumpen, einem Vorrat an Kraftstoff sowie der Notunterbringung und einer Notversorgung der eigenen Kräfte. Zuletzt habe diese Gruppe im Waldbröler Stadtviertel Maibuche nach einem Stromausfall den Betrieb einer Intensivpflegestation mit Strom und Wärme gewährleistet. Und schließlich gebe es noch die Fachgruppe Räumen.

Der Waldbröler Cassian Feuerstein demonstriert, wie ein Stromaggregat aus dem Gerätekraftwagen bei einem Einsatz funktionieren würde.

Der Waldbröler Cassian Feuerstein demonstriert, wie ein Stromaggregat aus dem Gerätekraftwagen bei einem Einsatz funktionieren würde.

Gruppenführer Christoph Pfeifer ist stolz auf den Ende 2024 eingetroffenen Teleskopradlader: „Durch viele Anbauteile ist das Gerät für die unterschiedlichsten Aufgaben einsetzbar – von der Trümmerbeseitigung über den Wegebau bis hin zur Personenrettung.“ Durch seine Geländegängigkeit sei das Fahrzeug einer Drehleiter überlegen. Auch mit brennendem Müll oder Silageballen komme der Lader klar.

Darüber hinaus verfügt die Teil-Einheit über einen Drucklufterzeuger mit Werkzeugen wie Presslufthammer und Bohrhammer und Fahrwegplatten, um lastwagentaugliche Trassen etwa über nasse Wiesen zu bahnen.

Der Ortsbeauftragte Krebs schildert unterdessen, dass eine wichtige Aufgabe seines Verbandes auch die Organisation eines Bereitstellungsraums für Großschadenslagen ist. Dieser sei zentrale Anlaufstelle auch für andere Hilfsorganisationen, deren Kräfte in vier großen Zelten untergebracht und verpflegt werden können. In dieser Funktion sei das THW zudem ins Brandschutzkonzept der Marktstadt eingebunden. Florian Krebs verrät: „Und wenn es der Feuerwehr an Wasser mangelt, können wir mit bis zu 12.000 Litern aushelfen.“