Der Ostermontag steht in dem Dorf ganz im Zeichen des Brauchtums. Dort hötscheln die Großen, während sich die Kleinen im Eierschbbeln probieren.
OsterspieleDas Hötscheln ist zurückgekehrt in die Waldbröler Ortschaft Bladersbach

Das Hötscheln, das Werfen mit Bleimünzen, ist ein Osterspiel, das es wohl nur in der Waldbröler Ortschaft Bladersbach gibt.
Copyright: Kerstin Hupperich
Viele Jahre gilt sie als nahezu ausgestorben, eine uralte Tradition in der Waldbröler Ortschaft Bladersbach droht für immer zu verschwinden. Aber nicht mit dem CVJM! Die Männer im Dorf hötscheln wieder – und heute dürfen auch Frauen mitwerfen. Ab Samstagabend steht das Dorfleben in Bladersbach nicht nur im Zeichen des Osterfestes, sondern auch ganz im Zeichen uralter Bräuche.
Denn es wird nicht nur gehötschelt, die Kinder treten zudem an zum Eierschibbeln. Das Hötscheln aber ist ein Osterspiel, das nur hier existiert und nirgendwo sonst im Oberbergischen. „Ich bin sehr glücklich, dass es beide Spiele immer noch gibt“, bekennt Kerstin Hupperich, stellvertretende Vorsitzende des CVJM. Sie ist in Bladersbach aufgewachsen. „Und da habe ich so lange gelebt, bis ich nach Birrenbachshöhe weggeheiratet worden bin“, verrät die heute 56-Jährige. Sie lebt nun in jener Ortschaft der Gemeinde Much.

Das Eierschibbeln gehört in der Waldbröler Ortschaft Bladersbach allein den Kindern aus diesem Dorf.
Copyright: Kerstin Hupperich
Kinderscharen werden sich also um den kleinen Hügel am Bladersbacher CVJM-Haus tummeln, bunte Eier ins Rollen bringen und versuchen, Kontrahenten-Eier anzutitschen. Fürs Verlierer-Ei wird eine Kupfermünze fällig. Dafür hat Bauunternehmer Marco Schmidt im vergangenen Jahr einen kleinen Hügel als Kullerpiste aufgeschüttet und begrünt. Und eine Plane soll die Eierfarben bei feuchtem Boden vor dem Vermatschen bewahren. „Vorher wurde an der Straße geschibbelt, aber das war zu gefährlich“, blickt Hupperich zurück. 1980 hatte der Landschaftsverband Rheinland eine Dokumentation gedreht, die erhalten ist. 311 Menschen leben nach Angaben des Waldbröler Rathauses heute in Bladersbach.
In Waldbröl-Bladersbach wird gern um geringe Cent-Beträge gespielt
Das Hötscheln indes verlangt weniger Aufwand: „Dafür wird ein Zielfeld mit drei Linien in den Boden gekratzt“, schildert CVJM-Vorsitzender Johannes Windgassen. Aus einer Entfernung von etwa zehn Metern versuchen die Spieler, die Mittellinie zu treffen. Geworfen werden aus einer Entfernung von etwa zehn Metern Bleischeiben mit einem Durchmesser von sechs bis sieben Zentimetern. Liegt eine auf der anderen, muss die untere weg. Gezockt wird übrigens um Beträge zwischen zehn und 20 Cent.
„Wenn man gut gezielt hat, ärgert das einen natürlich – und die Schadenfreude der anderem ist groß“, schildert der 65-jährige Windgassen, dem es am Herzen liegt, dass es in Bladersbach nicht nur ein christlich-kirchliches Leben gibt, sondern eben auch solches Kulturgut. Und das freut auch Kurt Romünder: Der heute 87-Jährige hat einst die Bleischeiben gegossen, die nun wieder das Fliegen lernen. Das mache ihn stolz. „Und ich bin sehr gespannt, wie viele Menschen diesmal in den Ort kommen“, verrät der Ur-Bladersbacher.
Hüter der Regeln ist derweil Harald Ohlig. Von seinen 57 Lebensjahren habe er 50 Jahre lang Ostern meist hötschelnd verbracht, erzählt er. „Das war hier früher richtig groß und gesellig, fast ein Volksauflauf.“
Das Eierschibbeln für Kleine und Hötscheln für Große ist am Ostermontag, 6. April 2026, ab 14 zu erleben (Ende gegen 16 Uhr) am Vereinshaus, Bladersbacher Straße 96a in Waldbröl-Bladersbach.
Hier zu sehen ist der Film, den der Landschaftsverband Rheinland in Waldbröl-Bladersbach aufgenommen hat. Auch Kerstin Hupperich ist darin zu entdecken. Ihre eigene Beschreibung: „Das Mädchen blond, kräftig, in der Strickjacke mit der grünen Tasche um den Hals“.

