An Weiberfastnacht sind auch im Oberbergischen Kreis viele Jecke unterwegs und feiern Karneval. Momentan werden die Rathäuser von den Wievern gestürmt.
WeiberfastnachtJecke Wiever stürmen die oberbergischen Rathäuser – Einige Impressionen

Raoul I. bekam von den jecken Weibern ein Steckenpferd.
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Widerstand ist zwecklos, zu guter Letzt werden allerorts im Oberbergischen die jecken Wiever die Regentschaft mit aller närrischen Macht an sich reißen - so viel ist sicher. Der Artikel wird fortlaufend aktualisiert.
Engelskirchen: Aquaplaning auf der Bühne hält die Möhnen nicht vom Tanzen ab
Als Reinhold Müller, Senatspräsident der KG Närrische Oberberger, am Donnerstagvormittag noch dabei ist, den Countdown bis 11.11 Uhr herunterzuzählen, haben die Möhnen den Engelskirchener Bürgermeister Lukas Miebach bereits überrannt. Und das, obwohl sie auf gleich drei erkrankte Damen in ihren Reihen verzichten müssen, wie Obermöhnin Elisabeth Crombach berichtet.

Das Absperrband hielt die Möhnen um Elisabeth Crombach in Engelskirchen nicht auf. Lukas Miebach gab den Rathausschlüssel schnell frei.
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Da ist es nur gut, dass Lukas Miebach und sein Rathausteam, das passend zum Motto Regenbogen kunterbunt kostümiert ist, ohnehin nicht viel Widerstand leisten. „Nach dreieinhalb Monaten neu im Amt habe ich mir gedacht: Wenn jemand unbedingt für einen Tag die Verantwortung übernehmen möchte, dann soll er das machen“, berichtet der Bürgermeister anschließend schmunzelnd auf der Bühne, fügt jedoch schnell hinzu, dass er den Rathausschlüssel bei den Möhnen gut aufgehoben wisse. Nur einmal sei es vorgekommen, dass der Schlüssel nicht gleich wieder zurückgekommen war. Er sei auf einer Wiese unweit des Rathauses aber schnell wieder aufgetaucht, weiß Reinhold Müller schmunzelnd zu berichtet.
Die Möhnen stimmen die Jecken, die sich trotz hartnäckigem Regen auf dem Festplatz hinter dem Rathaus zusammengefunden haben, mit zwei Tänzchen ein. Auf der Bühne herrscht zu diesem Zeitpunkt trotz Überdachung bereits Aquaplaning. „Jetzt reicht es mit dem Erzählen, wir werden nun unsere alten Gelenke so richtig quälen“, kündigt Elisabeth Crombach an, ehe die Frauen endgültig das Regiment übernehmen. Auf dem Festplatz wird anschließend unter zahlreichen Pavillons weitergefeiert – beim Bühnenprogramm der lokalen Vereine. (lth)
Gummersbach: Raoul I. und das Steckenpferd
Aus den drei Musketieren ist im Gummersbacher Rathaus ein Duo geworden: König Raoul I. und sein treuer und ihn beschützender Ritter Jürgen haben am Morgen keine Chance, das Rathaus lange gegen die Macht der jecken Weiber zu verteidigen, so dass die Schlüsselübergabe reine Formsache ist. Sandra Kaufmann und ihr Team haben, wie schon in der Vergangenheit, auch so manche Geschichte aus dem Rathaus zu erzählen.

Raoul I. bekam von den jecken Weibern ein Steckenpferd.
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Dabei sind der neue Bürgermeister Raoul Halding-Hoppenheit und der Erste und Technische Beigeordnete Jürgen Hefner ja noch gar nicht so lange in ihren neuen Funktionen. Glaubt man dem Flurfunk im Gummersbacher Rathaus, dann bekommt Raoul der I. auch keinen neuen Dienstwagen mehr, sondern eine standesgemäße Kutsche. Als Vorgeschmack gibt es am Donnerstag schon mal ein Steckenpferd, auf dem sich der neue Rathauschef gleich durch das Foyer des Rathauses auf einen ersten Ausritt macht, ehe es danach zum gemütlichen Teil mit Karnevalsprogramm übergeht. (ar)
Wipperfürth: Rathaus erhebt Zölle fürs Bützen
Wer sagt, dass man von Donald Trump nicht etwas lernen kann? Das Wipperfürther Rathaus erhebt Zölle fürs Bützen, für den Bauer, den Prinzen und die Jungfrau. Einheitlich gilt an Weiberfastnacht ein Zoll von 20 Kamelle. Schon bevor der Rathaussturm beginnt, steigt drinnen eine Party für Mitarbeiter und Gäste. Coole Mafiosi und süße Marienkäfer, kühne Piraten und lustige Clowns feiern zusammen ab, der Musikverein Dohrgaul sorgt mit Karnevalshits für Stimmung. MdL Christian Berger hat sich Captain Picard verkleidet und will sich gleich ins Festzelt beamen lassen. Aus der Nachbarstadt Hückeswagen sind Bürgermeister Mario Moritz als „Supermario“ und sein Vorgänger Dietmar Persian angereist.

Bürgermeisterin Anne Loth musste den Schlüssel rausrücken.
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Mittendrin verteilt die Wipperfürher Bürgermeisterin Anne Loth im bunten Bommelkostüm großzügig Orden und Bützchen. Dann wird es ernst. Mit ein paar Minuten Verspätung rückt gegen 10.15 Uhr ein jecker Lindwurm aufs Rathaus vor. Angeführt vom Musikverein Linde, beziehen die KG Baulemann und die Hansehusaren, die Spark Dancers, das Tnazcorps Blau-Weiß Neye und die Narrenzunft Neye mti ihrem Dreigestirn Prinz Lucca I., Bauer Benjamin und Prinzessin Johanna Stellung.
Bevor Rene Löhr, Präsident der Narrenzunft, zum Wortgefecht mit der Bürgermeisterin ansetzen kann, demonstriert Anne Loth, dass sie mittlerweile eine richtige Karnevalsmaus“ geworden ist. Die Narrenzunft will und kann die Zölle nicht zahlen, weil der eigene Nachwuchs die Kamelle schon alle aufgefuttert hat. Egal. Auch ohne Zollabgaben stürmen die Jecken schließlich das Rathaus, der Straßenkarneval ist damit eröffnet. Dreimal Wipperfürth Alaaf! (cor)
