Seit Juni lebt unsere neue Redakteurin Janina Rossignol im Rheinland, ab dem Elften im Elften erlebt die Badenerin ihre erste Karnevalssession in Rhein-Berg. Über ihre Erlebnisse schreibt sie in einer Serie. Dieses Mal besucht sie "Loss mer singe op Jöck" in Rösrath.
SerieRedakteurin lernt Karnevalshits kennen und versucht sich in Kölscher Sporch

140 Besucher sind zu "Loss mer singe op Jöck" in Rösrath erschienen.
Copyright: Robert Scheuermeyer
Kuschelig ist es im Café Bistro Picasso in Rösrath, als ich das Lokal betrete. Vorsichtig versuche ich mich zwischen den Gästen vorbeizudrücken, um ins Innere zu gelangen, während mir, in meiner Winterjacke, der Schweiß auf der Stirn steht. Zum Glück befinde ich mich im Rheinland. Trotz Platzmangel gibt es kein Geschubse, Gedrücke oder genervte Blicke, sondern Versuche, die möglichen zwei Zentimeter Platz zu machen.
Der Grund für den Andrang: Die beliebte Kneipentour zum Einsingen in den Karneval „Loss mer singe op Jöck“ findet statt und die Rösrather haben sich nicht zweimal bitten lassen. Vor meinem Termin wurde mir gesagt, dass die Veranstaltung besonders unter „Immis“ gefragt sei oder wie ich sagen würde, „Neigschmeckte“. Perfekt also für mich.
140 Besucher in Rösrath
Als ich es geschafft habe, mich zu einem Platz an der Bar durchzudrängeln, und ganz schnell meine Jacke loszuwerden, beginnt das Team um Frank Kuratle, der die „Loss mer singe“-Veranstaltungen koordiniert und an diesem Abend mit Silke Wünsch moderiert, Flugblätter mit Gewinner-Karnevalsliedern der vergangenen Jahre auszuteilen. Etwa 140 Leute sind zu „Loss mer singe“ in Rösrath gekommen, wie mir Kuratle später erzählt.
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Die Musik läuft schon und so suche ich auf meinem Blatt den Text, werde fündig und stimme mit ein: „Un mer singe all die Leeder, die mer vun Kindheit an schon kennt.“ Singen gilt ja nicht als lügen, oder? Richtig flüssig wollen mir die Worte aber ohnehin nicht über die Lippen kommen und so stammele ich vor mich hin und singe meist nur die letzten Silben laut mit. Kölsche Sproch, schwere Sproch.
Schwierigkeiten trotz Text
Da tippt mir jemand von hinten auf die Schulter. „Den Text findest du dort nicht“, sagt ein Besucher und deutet auf mein Blatt. „Das ist er doch?“, frage ich irritiert und zeige auf den Refrain. „Aber den Text braucht man nicht, das Lied kennt man“, sagt er und lächelt mich an. Ich kann das Lied noch nicht mal mit Text singen, denke ich mir.
Während ich meinen Blick über das bunte und glitzernde Publikum gleiten lasse, entdecke ich jemanden, der ähnlich wie ich einige Minuten zuvor, suchend durch den Raum läuft. Es ist eine junge Kollegin von Radioberg. „Suchst du nach dem Team?“, frage ich. „Ja genau. Ich war hier noch nie“, antwortet sie. Ich deute auf eine der Damen mit den Flugblättern und als sie sie anspricht, höre ich: „Achso, du bist wirklich von Radioberg!“ Ja, an Karneval kann so etwas schon einmal vorkommen.

Redakteurin Janina Rossignol hat sich ins Getümmel gewagt und versucht auf Kölsch zu singen.
Copyright: Janina Rossignol
Dann begrüßt Kuratle die Gäste und erklärt, dass die Besucher per Abstimmung über den Favoriten der neu vorgestellten Karnevalslieder entscheiden. Der erste Song ist „Fastelovend Fiewer“ vom Overather Männerchor Laut aber Schief. Den kenne ich schon und steige, wie das restliche Publikum, direkt mit ein „Ich han schon widder Fastelovend Fiewer!“ Und das Fiewer war ansteckend, denn gefühlt wurde es noch einmal zwei Grad wärmer. Die Karnevalisten sind in Hochstimmung.
„Der Hintergrund ist: Karneval ist ein Mitmachfest“, erklärt mir Kuratle. „Jedes Jahr zu Karneval werden 300 bis 400 neue Lieder veröffentlicht. Um die Leute fit zum Mitsingen zu machen, ist Loss mer singe entstanden.“ Gerade für Zugezogene sei das die Gelegenheit, sich einzustimmen und mit den Songs vertraut zu machen. „Dann kann man sich auch richtig fallen lassen und nur so macht Karneval richtig Spaß.“ Für ihn und sein Team ist „Loss mer singe“ eine Herzensangelegenheit, denn die Arbeit, die sie in die Veranstaltungen stecken, verrichten sie ehrenamtlich. Und dass sie Spaß daran haben, sieht man sofort. Auf der Bühne heizen sie den Gästen ein, tanzen, singen und verbreiten ansteckend gute Laune.
VRS seit 14 Jahren Sponsor
Unterstützt werden sie von Sponsoren, die dieses Jahr die Kreissparkasse Köln, der VRS, der die Veranstaltungsreihe bereits seit 14 Jahren sponsort, und die GO Rheinland sind. Denn die Text- und Abstimmzettel, Kugelschreiber, Preise für Verlosungen und Ähnliches sind nicht umsonst.
Ob ich wirklich in der Lage sein werde, die Karnevalslieder beim nächsten Mal mitzusingen – ich bezweifle es. Doch zum Glück besteht Karneval aus mehr als nur Gesang. Bei welchen Liedern geschunkelt wird, dafür habe ich mittlerweile schon ein Jeföhl entwickelt. Und ein Stück Karnevalslaune habe ich mir für den Heimweg an diesem Abend auch mitgenommen, in Form eines Ohrwurms von Fastelovend Fiewer. Wenn der das nächste Mal läuft, bin ich einsatzbereit.
"Karnevalsmaus" ist Favorit
Die Rösrather haben abgestimmt und den Hit „Karnevalsmaus“ von „Druckluft“ mit 464 Punkten zum Sieger des Abends erklärt. Von 22 vorab ausgesuchten und vom Band abgespielten Titeln wählten die Besucher ihre sechs liebsten Titel aus. Deren Interpreten erhalten dafür zwischen einem Punkt und sechs Punkten. Ebenfalls auf dem Rösrather Treppchen landeten „Kasalla“ („Adios Amigos“, 277 Punkte) auf Platz zwei und die „Klüngelköpp“ („C'est la vie“, 211 Punkte) auf Platz drei.
Auch bei Loss mer singe op Jöck in Bergisch Gladbach, wo sich 600 Jecke eingefunden hatten, hat das Publikum klar für „Karnevalsmaus“ von „Druckluft“ als Siegerlied gestimmt mit 2091 Punkten. Ebenfalls auf dem Bergisch Gladbacher Treppchen landeten „Cat Ballou“ mit ihrem Lied „Eau de Cologne“ auf Platz zwei und erhielten dafür 1124 Punkte und die „Klüngelköpp“ landeten mit ihrem Hit „C'est la vie“ mit 1064 Punkten auf dem dritten Platz. (jro)

