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AutobahnNeue Wiehltalbrücke wirft Schatten voraus

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Häuser unter der Wiehltalbrücke.

Gartenidylle unter der Brücke: Noch ist unklar, auf welcher Seite der Neubau entstehen soll und welche Grundstücke abgegeben werden müssen.  

Die Ruhe vor dem Stau: In Weiershagen haben die Straßenbauarbeiten im Vorfeld der Talbrückensanierung begonnen. Ein Stimmungsbild.

Auf den Straßen im Westen des Wiehler Stadtgebiets herrscht seit Freitag einige Verwirrung. Die Straßenbauarbeiten zwischen Bielstein und Weiershagen und die damit verbundenen wechselnden Sperrungen werden in den nächsten Wochen auch Ortskundige herausfordern. Der Landesbetrieb Straßenbau hat wie angekündigt damit begonnen, die Fahrbahnen der Autobahnumleitungsstrecken zu sanieren. Die Behörde will in den kommenden beiden Jahren anstehende Maßnahmen vorziehen, um zu vermeiden, dass diese Baustellen den Verkehr zusätzlich belasten, wenn die Wiehltalbrücke neu gebaut wird.

In Weiershagen und Umgebung hat man das Verkehrschaos nicht vergessen, das mit der Brückensperrung nach dem Lkw-Unfall von 2004 und der Reparatur 2006 verbunden war. Die Sorge, dass so etwas wieder eintreten könnte, ist größer als die Angst vor dem Neubau selbst.

Wo wird die neue Brücke stehen?

Noch ist völlig unklar, auf welcher Seite der bestehenden Brücke der Neubau errichtet wird und welche Grundstücke betroffen sein könnten. Bei einer Informationsveranstaltung Ende Februar in Drabenderhöhe hatte die Autobahn-GmbH dennoch schon Gesprächsbereitschaft im Hinblick auf die bevorstehenden Immobiliengeschäfte signalisiert.

Die Menschen im Zentrum des Geschehens „haben weder Panik, noch sind sie in Goldgräberstimmung“. So berichtet es das örtlich zuständige Stadtratsmitglied Moritz Müller (CDU). Zum Gespräch im Clubraum der Weiershagener Turnhalle hat er zwei Anwohner mitgebracht, den Weiershagener Arnold Truetsch und  Peter Lück, Ortsbeauftragter im nahen Hückhausen. Die beiden beklagen, dass die Verkehrsbelastung an der Hückhausener Straße schon jetzt unzumutbar ist, besonders für die jungen Familien, die dorthin gezogen sind. Die Wohnlage sei weiterhin durchaus begehrt. Der Brückenneubau ändere daran noch nichts. „Niemand kann derzeit absehen, welche Grundstücke direkt oder indirekt betroffen sind“, gibt Truetsch zu bedenken.

Die Menschen in Weiershagen haben weder Panik, noch sind sie in Goldgräberstimmung.
Moritz Müller, CDU-Stadtratsmitglied

Hinsichtlich des Brückenneubaus loben die Anwohner die Informationspolitik der Stadt Wiehl und der Autobahn-GmbH. Man fühlt sich ernst genommen. „Die Rahmedetalbrücke“, glaubt Truetsch, „ist den Behörden ein mahnendes Beispiel.“ Peter Lück ergänzt: „Aber auch ein Beispiel dafür, dass solch ein Bauprojekt schnell gehen kann, wenn man will.“

Ralph Bonfanti ist mit seinem Architekturbüro in Weiershagen ansässig und engagiert sich für die Grünen in der Kommunalpolitik. Er bestätigt am Telefon die Einschätzung seiner Nachbarn, dass weder der Neubau noch die Verkehrsbehinderungen bisher irgendeine Verzweiflung auslösen. „Transparenz ist wichtig. Ansonsten gilt: Zähne zusammenbeißen und durch.“

Lohnt sich noch eine neue Heizung?

Eine gewisse Nervosität bleibt dennoch nicht aus. Der Dorfvereinsvorsitzende will denn auch lieber gar nicht mit der Presse über die Stimmung im Dorf sprechen. Gleiches gilt für den Weiershagener Ortsbeauftragten. Bernd Müller sagt nur: „Bei der Bürgerinformation wurden alle Fragen beantwortet. Im Herbst erfahren wir mehr. Dass es eine Beeinträchtigung geben wird, ist jedem klar.“

Der CDU-Stadtverordnete Moritz Müller hält es für verständlich, dass sich mancher Weiershagener fragt, ob sich der Einbau einer neuen Heizung noch lohnt. Ihm wurde zugetragen, dass   ein älteres Ehepaar per Telefon gefragt wurde, ob sie ihre Immobilie verkaufen. Das unseriöse Angebot eines Spekulanten war lächerlich niedrig. „Aber das war vielleicht nur ein Einzelfall.“

Moritz Müller sagt: „Die Leute wollen Klarheit so bald wie möglich.“ Alle am Tisch sind sich einig, dass es besser wäre, wenn die Autobahn-GmbH die betroffenen Immobilienbesitzer direkt anspricht, wenn die Pläne erst einmal vorliegen. Und Müller erntet Zustimmung für seine Forderung: „Als Ausgleich für die Einschränkungen muss die neue Brücke mit einem vernünftigen Lärmschutz ausgestattet werden.“

Insofern sei der Brückenneubau bei den Weiershagener sogar mit positiven Erwartungen verbunden, glaubt Moritz Müller. „Dass die Brücke gebraucht wird, ist hier jedenfalls jedem bewusst. Die A4 ist die Lebensader des Oberbergischen.“