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Interview

Gymnasium
Schulleiter wechselt von Wiehl nach Lindlar

5 min
Ein Mann blickt auf ein Bild von Dietrich Bonhoeffer.

Dem Namenspaten Dietrich Bonhoeffer sei ein klares Schulprofil zu verdanken, sagt der scheidende Wiehler Schulleiter Frank Mistler (57). Nun geht er in Lindlar eine neue Aufgabe an.

Frank Mistler verabschiedet sich nach 13 Jahren aus Wiehl. Mit der dortigen Schulpolitik war er nicht immer zufrieden.

Von 2004 bis 2008 war Frank Mistler schon einmal in Lindlar beschäftigt, bevor er zum Wiehler Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium (DBG) ging. Zum 1. Februar kehrt er als neuer Leiter des Gymnasiums nach Lindlar zurück. Reiner Thies sprach mit ihm über seine Beweggründe.

Kehren Sie Wiehl aus Frust den Rücken?

Frank Mistler: Nein. Ich wohne seit dem Sommer wieder in Lindlar, und hatte die Stelle gar nicht auf dem Schirm. Dann wurde die Stelle des Schulleiters ausgeschrieben, weil Christoph Menn-Hilger nach Radevormwald gewechselt ist. Ich habe die Chance gesehen, noch einmal etwas Neues anzufangen und einen Akzent zu setzen. Das DBG läuft reibungslos, es ist eine ausgezeichnete Schule, das wurde uns gerade noch einmal in der Qualitätsanalyse der Bezirksregierung bescheinigt – so wie dem Lindlarer Gymnasium übrigens auch. Dieses ist mit derzeit rund 600 Schülern zwar mehr als ein Drittel kleiner als das DBG, für mich aber ein neues Umfeld mit anderen Menschen. Ich habe noch genug Energie, um zu gestalten und nicht nur zu verwalten.

In Wiehl bekommt das Gymnasium bald Konkurrenz von einer neuen Gesamtschule in Bielstein, was Sie immer kritisch gesehen haben.

Es ist unkalkulierbar, wie sich die Anmeldezahlen im fünften Jahrgang verändern werden. Zudem wechselt kein Bielsteiner Schüler mehr in die Wiehler Oberstufe, das wird die Arbeit verändern. Die Vielfalt geht verloren. Eine geringere Schülerzahl bedeutet immer ein eingeschränktes Kursangebot. Kurse mit wenigen Schülern, wie man sie in den Naturwissenschaften häufiger hat, kann man dann vielleicht nicht mehr anbieten. Am Ende läuft es auf die fünf gesetzten Pflichtfächer heraus, die in Bielstein auch angeboten werden müssen. Das Angebot wird sich also ähneln und nicht wie erhofft ergänzen. Für den Standort Bielstein ist die Aufstockung der Sekundarschule zur Gesamtschule sicher eine Aufwertung. Ob sie für die Schullandschaft insgesamt zielführend ist, wird sich zeigen. Aus meiner Sicht gab es dafür keine Notwendigkeit, die Schülerzahl wird nicht ausreichen. Aber solche Sachargumente standen bei der politischen Entscheidung nicht im Vordergrund.

Nun werden Sie die für Ende 2029 geplante Einweihung des neuen DGB-Schulkomplexes nicht mehr als Wiehler Schulleiter erleben. Wie blicken Sie auf die unendliche Geschichte des Schulneubaus zurück?

Dass die Planung so lange gedauert hat, war für alle frustrierend, auch für die Stadtverwaltung. Als ich 2008 in Wiehl anfing, gab es ja bereits erste Umbauüberlegungen. Wenn man diese damals umgesetzt hätte, wäre uns viel Unruhe erspart geblieben. Am Ende ist die Arbeit des Kollegiums wichtiger als alle pädagogische Architektur. Aber dann wurden immer neue Entwürfe vorgelegt, und die Stadt musste den Fördermitteln hinterherrennen. Ich habe Verständnis dafür, dass man Steuergeld mit Bedacht und Vernunft ausgibt. Und ich hatte immer den Eindruck, dass die Stadtverwaltung ernsthaft bauen wollte und will. Es war der Stadtrat, der mit seiner Uneinigkeit über Jahre das Verfahren erheblich erschwert hat. Wiehl bekommt nun einen Kompromiss zwischen konventioneller Flur- und moderner Clusterschule, allemal ein viel besseres Gymnasium.

Wer wird Ihr Nachfolger in der Wiehler Schulleitung?

Die Stelle wird nun ausgeschrieben. Ich gehe stark davon aus, dass es eine hausinterne Bewerbung geben wird.

Gab es viele Bewerber für die Stelle in Lindlar?

Das weiß ich nicht. Die Leitung zu übernehmen, ist an einem Gymnasium attraktiver als an einer Grundschule. Aber man muss in der ersten Reihe stehen wollen, wo man sich vor der Verantwortung nicht verstecken kann. Für mich sprach sicher der Erfahrungsschatz, den ich mit vielen verschiedenen Schulformen und -trägern gesammelt habe.

Auch in Lindlar soll das Gymnasium um- und ausgebaut werden.

Ja, aber in viel kleineren Dimensionen. Die Erweiterung ist sicher notwendig. Was pädagogisch sinnvoll ist und was finanzierbar, müssen die Schule und die Gemeinde klären. Erste Gespräche gibt es schon im Februar.

Was haben Sie sonst mit dem Lindlarer Gymnasium vor?

Wie gesagt wurde die Qualitätsanalyse im Herbst mit sehr guten Ergebnissen abgeschlossen, ich sehe keine großen Baustellen. Auf Wunsch des Kollegiums geht es bei der nächsten Fortbildung im Rahmen des pädagogischen Tags um „kognitive Aktivierung“. Eine Referentin der Uni Wuppertal wird mit uns auch Aufgabenstellungen für konkrete Fächer erarbeiten. Ansonsten möchte ich eine digitale Umfrage unter Schülern und Eltern durchführen: Was ist gut am Gymnasium Lindlar und was kann besser werden? Wie deutlich wird das MINT-Profil der Schule wahrgenommen?

Was werden Sie besser machen als damals, als sie in Wiehl angefangen haben?

Ich habe gelernt, dass Umgestaltungsprozesse lange dauern, dass man Geduld braucht und im Kollegium um breite Unterstützung werben muss.

Warum brauchen wir die Schulform Gymnasium?

Wegen der vertieften Fachlichkeit des Unterrichts. Hier geht es nicht um die Vorbereitung auf einen bestimmten Beruf, nicht darum, die Schülerinnen und Schüler in die Lage zu versetzen, eine Steuererklärung zu machen oder einen Handyvertrag abzuschließen. Sondern darum, vielfältige Aufgaben zu meistern. Das Gymnasium hat den Anspruch, die Kinder und Jugendlichen zu fordern, ihr Gehirn zu trainieren wie man den Körper trainiert.


Zur Person

Frank Mistler (57) ist in der Pfalz aufgewachsen, hat in Saarbrücken und Perth (Australien) gymnasiales Lehramt studiert und als Lehrer für Englisch und Sport an Gymnasien in Ludwigshafen und Wipperfürth sowie an einer Kölner Realschule gearbeitet.

Von 2004 bis 2008 war er in Lindlar beschäftigt, bevor er zunächst als stellvertretender Schulleiter zum Wiehler Bonhoeffer-Gymnasium kam. 2013 trat er dort die Nachfolge von Dieter Klaas als Schulleiter an. Zum 1. Februar kehrt Mistler als neuer Leiter des Gymnasiums nach Lindlar zurück.