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Eissporthalle feiert JubiläumIn der Stadt Wiehl dauert die Eiszeit bereits fünf Jahrzehnte

4 min
17.1.2026:
Story über den regen Schlittschuhfahr-Betrieb und den vielen Gästen auf dem Eis in der Eissporthalle in Wiehl. (ds)

Aus Wenden nach Wiehl gekommen sind Jessica Schröter und Jaron, der mit dem Pinguin Eislaufen übt. Derweil macht sich Familie Blum aus Gummersbach startklar.Betriebsleiter Andreas Zurek und Eislauflehrerin Gaby Krakau freuen sich ebenso auf das Jubiläum wie Eismeister Peter Schwitaller. Fotos: Dierke

Samstag an der Mühlenstraße: Lang ist stets die Schlange derjenigen, die sich die Kufenschuhe für heiße Runden auf kaltem Eis schnüren wollen.

Samstagnachmittag, kurz vor 14 Uhr. Die Schlange vor dem gemeinsamen Eingang zur Wiehler Wasserwelt und zur Eissporthalle ist lang. Sehr lang. Und sie wird noch länger. Wer warmes Wasser will, der biegt links ab. Wer kaltes unter den Füßen möchte, der hält sich rechts. So wie Familie Blum aus Gummersbach: Gerade steigen die vier in warme Klamotten, schnüren die Schlittschuhe, setzen Helme und Mützen auf.

„Kindheit“, bekennt Mutter Nina – und freut sich, dass die Söhne Fynn (8) und Tom (6) in den Ferien einen Schnellkurs und Freude am Eislaufen gefunden haben. Jetzt hat die Familie ein neues Hobby und Vater Sascha muss mit. „Die Kinder haben inzwischen ein viel besseres Gefühl fürs Gleichgewicht“, sagt Nina Blum und verrät: „Als Kind bin ich manchmal auf der Aggertalsperre gefahren.“

Familie Blum aus Gummersbach – Tom, Nina, Fynn und Sascha (von links) – macht sich startklar für die ersten Runden auf dem Wiehler Eis.

Familie Blum aus Gummersbach – Tom, Nina, Fynn und Sascha (von links) – macht sich startklar für die ersten Runden auf dem Wiehler Eis.

Aber das muss seit genau 50 Jahren eigentlich niemand mehr: Denn so lange steht in Wiehl nun die Eissporthalle, am 4. Mai wurde das neun Millionen D-Mark teure Bauwerk eingeweiht. Und mit dem Eröffnungstag der kommenden Eissaison 2026/27 werde das Jubiläum gefeiert, kündigt Andreas Zurek (66) an. Er ist Chef der Freizeit- und Sportstätten Wiehl (FSW), einer Tochterfirma der Stadt. Und der gehört am Ende an der Mühlenstraße das Wasser, das warme und das kalte.

Betriebsleiter Andreas Zurek kam als Jugendlicher zum Flirten in die Eisdisko

Zurek ist 16, 17 Jahre alt, als er da selbst das erste Mal dort auf dem Eis steht. „Denn da waren die Mädels“, erinnert er sich an heiße Flirterei auf kühlem Grund. Die Eisdisko gibt es übrigens immer noch. Sechs Monate, von September bis März, dauert eine Eissaison.

1976 wurde das Kombigebäude aus Hallenbad und Eishalle eingeweiht und im August jenes Jahres von der Bild-Zeitung prompt zum modernsten Schwimmbad der Welt erklärt, weil schon damals 1100 Sonnenkollektoren Energie einfangen. Nachbar Eishalle wiederum heizt mit der Abluft der Eismaschinen das Badewasser nebenan. Auch schwärmt damals das Hamburger Magazin Stern von der „Quelle, die nie versiegt“. Heute ist die Technik immer noch vorbildlich. Und: Die Wiehler Halle ist auch geeignet für Menschen mit körperlichen Einschränkungen.

Andreas Zurek, Betriebsleiter der Eishalle in Diensten der Freizeit- und Sportstätten Wiehl, und Eislauflehrerin Gaby Krakau freuen sich bereits auf das besondere Jubiläum.

Andreas Zurek, Betriebsleiter der Eishalle in Diensten der Freizeit- und Sportstätten Wiehl, und Eislauflehrerin Gaby Krakau freuen sich bereits auf das besondere Jubiläum.

Fette Gewinne macht die Stadt mit dieser Freizeitattraktion indes nicht, sie steht in den Büchern als „dauerdefizitär“. Andreas Zurek bestätigt: „Die Kosten werden nie gedeckt.“ So wagen sich 2024 etwa 54.036 Menschen aufs Eis und ließen einen Gesamterlös in Höhe von rund 540.000 Euro dort, unterm Strich steht dennoch ein Minus von mehr als 430.400 Euro. Auch Vermietungen an Vereine aus der Region, Laufzeiten für Schulen und Events fangen das nicht auf. 55 000 Gäste sind inzwischen die stabile Jahresgröße, seit der Corona-Pandemie steige diese Zahl deutlich, sagt Betriebsleiter Zurek. Zum Vergleich: 2019 waren es 47.000.

Für die Eissporthalle nimmt die Stadt Wiehl jedes Defizit gern in Kauf

Dennoch liegt die Frage nahe: Hat die Stadt jemals daran gedacht, das kalte Vergnügen abzustoßen? Zurek winkt ab, energisch: „Es geht doch nicht ums Geld.“ Auch seine Kollegin Gaby Krakau will so was nicht hören: „Für die Stadt hat die Halle einen Riesenstellenwert, sie ist ein beliebter Wintertreffpunkt. Und gemeinsam mit der Wasserwelt immer ein Ausflugsziel für die ganze Familie.“ Krakau arbeitet ebenso bei der FSW und zudem als Cheftrainerin beim TuS Wiehl, ganze Generationen hat die heute 61-Jährige aufs Eis geschickt: „1977 bin ich als 13-Jährige hier zu meiner ersten Landesmeisterschaft angetreten“, erinnert sie sich.

Jetzt unterrichtet sie zudem Kinder und Jugendliche aus den Wiehler Schulen, in der vergangenen Woche zum Beispiel die 16 Zweitklässlerinnen und Zweitklässler, die Lehrerin Petra Hackler und ihre Kollegin Lisa Doert aus Oberwiehl mitgebracht haben: „Erfolge werden schnell sichtbar, vor allem im Sportunterricht“, findet Hackler.

Bis zu fünfmal in einer Schicht fährt Peter Schwitalla mit dem Eishobel raus und macht in Wiehl die Eisfläche frisch.

Bis zu fünfmal in einer Schicht fährt Peter Schwitalla mit dem Eishobel raus und macht in Wiehl die Eisfläche frisch.

Auf dem Samstagseis nickt Jessica Schröter aus Wenden, während sich Sohn Jaron (7) bei seinen Runden an einem knuffigen Lern-Pinguin festhält und es toll findet, dass beide so gut vorwärtskommen. „Besser als auf den Inlinern“, lobt Mutter Jessica, sie kennt die Wiehler Eissporthalle aus Kindertagen. Ähnliche Hallen gibt es derzeit nur noch in Köln, in Bergisch Gladbach und in Troisdorf.

Minus acht Grad kalt ist das Wiehler Eis, 1800 Quadratmeter groß die Lauffläche – der Arbeitsplatz von Eismeister Peter Schwitalla: Fünfmal in einer Schicht rückt er mit dem Eishobel aus, um das Eis frisch zu machen. Er liebt seinen Job.


So soll in Jubiläum das Jubiläum gefeiert werden

An mindestens drei Tagen zu Beginn der kommenden Saison im Herbst soll das Jubiläum der Wiehler Eissporthalle gefeiert werden. Zudem gibt es ein besonderes Eismärchen des TuS Wiehl am 20. und am 21. Dezember. Dieses Schaulaufen ist eine Tradition seit dem Jahr 1992.

Am kommenden Wochenende steigt der 31. „Wiehl-Pokal“. Mehr als 570 Eiskunstläuferinnen und Eiskunstläufer wollten antreten, 520 erhielten den Zuschlag.