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WärmeplanungSind die Wiehler Heizungsbetriebe der Aufgabe gewachsen?

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Ein Mann arbeitet an einer Wärmepumpe.

Nach den Berechnungen des städtischen Energiebeauftragten müssten in Wiehl monatlich 32 Wärmepumpen installiert werden.

Die Stadt Wiehl setzt bei ihrer Wärmeplanung auf eine flächendeckende Umstellung auf Stromheizungen. Was sagt die Innung zu der Herausforderung?

Der Wärmepumpe gehört die Zukunft in den Wiehler Heizungskellern. Auf diesen Nenner lässt sich die Kommunale Wärmeplanung der Stadt bringen, deren Endbericht nun im zuständigen Fachausschuss des Stadtrats vorgestellt wurde.

Anders lasse sich die gesetzliche Vorgabe nicht erreichen, dass die Wärmeerzeugung bis 2045 im Stadtgebiet klimaneutral funktioniert. Die erforderliche technische Umrüstung von Gas oder Öl auf Wärmepumpe ist aber eine Mammutaufgabe, wie der städtische Energieexperte Thorsten Richling an einer Zahl verdeutlichte: In der Stadt Wiehl müssten ab sofort allmonatlich 32 Heizungen ausgetauscht werden, um alle Haushalte rechtzeitig umzustellen. „Der Auftrag des Gesetzgebers ist klar“, merkte Richling an. „Aber diese Zahl macht deutlich, wie groß die gesamtgesellschaftliche Herausforderung ist.“

Wiehler Obermeister sieht ein anderes Problem

Können die oberbergischen Heizungsinstallateure diese Aufgabe überhaupt stemmen? Henning Koch führt in Bielstein einen Betrieb für Heizungs- und Sanitärtechnik und amtiert als stellvertretender Obermeister der bergischen Innung. Die 32 Anlagen pro Monat „dürften kein Problem sein“, sagt Koch. „Für einen normalen Betrieb sind drei Anlagen pro Woche üblich, und von diesen Unternehmen haben wir in Oberberg rund 100.“

Koch sieht eher ein anderes Problem: „Es gibt noch viel Unwissenheit in der Branche.“ Es gebe einen großen Fortbildungsbedarf. Die oberbergischen Innungsbetriebe nimmt er dabei nicht aus, dazu kämen große Billiganbieter, die von außen in den Markt drängen. „Wichtig ist, dass die Anlage richtig ausgelegt ist, sonst produziert sie Kosten, die höher sind als die einer Gasheizung.“

Hennig Koch sieht zudem Unwägbarkeiten etwa hinsichtlich der politischen Rahmenbedingungen und der Netzkapazitäten. Er warnt zudem davor, dass die Wärmepumpe als Standard zu einer Monopolsituation führt mit entsprechender Wirkung auf den Strompreis. „In den dunklen Monaten ist von der eigenen PV-Anlage nichts zu erwarten.“ Eine Alternative seien Holzpellets.

Andere Wärmequellen spielen in Wiehl kaum eine Rolle

Die Innung führe wegen all dieser Fragen Gespräche mit den bergischen Energieversorgern, berichtet Koch. Einen generellen Rat für die Hausbesitzer möchte der Handwerksmeister wegen der jeweils speziellen Ausgangsvoraussetzungen nicht geben. Außer, dass man einen Energieberater zu Rate zieht, der die erforderliche Heizlast ermittelt, bevor man Angebote einholt. „Die Entscheidung, welcher Heizung man haben möchte, muss dann jeder selbst treffen.“

In der Präsentation der Wiehler Wärmeplanung im Fachausschuss hatte der beauftragte Gutachter Michael Becker ausgeführt, dass andere nachhaltige Quellen als die Wärmepumpe in Wiehl eine untergeordnete Rolle spielen werden. Industrielle Abwärme falle nicht ins Gewicht, weil die Unternehmen langfristige Verpflichtungen scheuen, erläuterte der Vertreter des Wuppertaler Büros BMU Energy Consulting. Und Nahwärmenetze kämen nur an drei Stellen in Frage, nämlich in einem Teil von Drabenderhöhe sowie in den Industriegebieten von Bomig und Marienhagen. Dort müssten nun Machbarkeitsstudien beauftragt und private Investoren aufgetan werden.

Bürgermeister Ulrich Stücker legte in der Sitzung Wert auf die Feststellung, dass mit der Kommunalen Wärmeplanung keinerlei Zwang für den Bürger verbunden ist. Ausschussmitglied Peter Kesehage (CDU), der früher selbst einen Installationsbetrieb führte, teilte denn auch mit, dass er sich jüngst eine neue Gasheizung angeschafft hat. „Eine Wärmepumpe“, sagte der 65-Jährige, „hätte sich erst nach 20 Jahren amortisiert“.

Der Fachausschuss gab einstimmig grünes Licht dafür, dass die Stadtverwaltung Partner für die Wärmenetze sucht und Formate der Bürgerinformation entwickelt mit dem Ziel, über klimaneutrale Heizmöglichkeiten aufzuklären.