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Oberbergische Darts-ChallengeIn Wipperfürth fliegen die Pfeile bis spät in die Nacht

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Kleine Scheibe, große Leinwand und großes Publikum: Mit zunächst 60 Startern hat am Freitag die zweite Oberbergische Darts-Challenge begonnen. Austragungsort war erneut die Alte Drahtzieherei in Wipperfürth.

Kleine Scheibe, große Leinwand und großes Publikum: Mit zunächst 60 Startern hat am Freitag die zweite Oberbergische Darts-Challenge begonnen. Austragungsort war erneut die Alte Drahtzieherei in Wipperfürth.

60 Hobbydarter sind in der Alten Drahtzieherei angetreten, sechs schafften es ins Finale. Auch Paul Krohne und Robert Marijanovic waren dabei.

Als DJ und Moderator ist es Uli Becker gewöhnt, dass es an den Wochenenden schon mal später wird, und das ist am vergangenen Wochenende nicht anders gewesen – allerdings: Diesmal ist es der Dartsport, der ihn erst spät in der Nacht nach Hause kommen lässt. Kurz nach 1.30 Uhr ist es am Freitagabend, als der 53-Jährige aus Marienheide mit dem letzten Pfeil und dem letzten Sieg in Wipperfürths Alter Drahtzieherei sozusagen das Licht ausmacht und als letzter Spieler in die Finalrunde am Samstagabend einzieht. Und auch die endet erst nach 1.30 Uhr. Diesmal aber ist Becker nicht unter den Finalisten: „Ich war einfach viel zu nervös“, bekennt er. „Ich habe es ohnehin nur mit Glück und durch Zufall so weit geschafft. Aber es war megatoll.“

Zum zweiten Mal hat die Oberberg Darts-Corporation (ODC) in der Drahte die Oberbergische Darts-Challenge ausgerichtet. Gingen bei der Premiere 32 Spieler an den Start, so sind es dieses Mal schon 60, die mit Pfeilen auf die Scheibe zielen, um einen der sechs Plätze im Finale zu ergattern. Allesamt sind Hobbyspieler, aber große Namen aus Oberbergs Dartszene finden sich trotzdem darunter, mancher davon tritt in der Bundesliga an.

Lars Urbinat aus Nümbrecht-Bierennachtal ist amtiererender Deutscher Meister im E-Dart und Hoffnungsträger für den Dartsport in Oberberg.

Lars Urbinat aus Nümbrecht-Bierennachtal ist amtiererender Deutscher Meister im E-Dart und Hoffnungsträger für den Dartsport in Oberberg.

Und ein bisschen Ally Pally gibt es auch: Eine Gruppe von Fischen hat die Gelegenheit genutzt, die Karnevalskostüme noch mal aufzubügeln. Rund 200 Zuschauerinnen und Zuschauer tummeln sich am Freitag in der Drahte, am Samstag sind es noch etwa 150. Auch im kommenden Jahr soll es eine Challenge geben: „Aber dann wohl später im Jahr – nach Karneval sind die Leute einfach feiermüde“, erklärt Björn Lange vom ODC-Ausrichterteam.

Der Stimmung tut dies aber keinen Abbruch, auch wenn das Spektakel eher gemächlich und mit Verspätung in Schwung kommt. Denn in der Hansestadt sind auch zwei echte Dartgrößen mit von der Partie: Nach seinem Sieg bei den Dutch Open Anfang dieses Monats gilt der 25-jährige Paul Krohne aus Münster zurzeit als bester deutscher Spieler.

In Wipperfürth mischt auch Deutschlands derzeit erfolgreichster Profi kräftig mit

Mit ihm nach Oberberg gekommen ist Robert Marijanovic aus Freudenstadt im Schwarzwald, er ist Dart-Podcaster und Kommentator. Zwar treten sie diesmal außer Konkurrenz an und kämpfen nicht um Punkte, sie haben einen eher pädagogischen Auftrag: „Wir wollen Werbung machen für unseren Sport und zeigen, dass Dart Riesenspaß macht“, betont Krohne. Er selbst habe früh angefangen, mit dem Vater.

Aber haben sie nach der Begeisterung in den vergangenen Jahren noch immer mit dem Vorurteil zu kämpfen, Dart sei nur ein Kneipensport? Marijanovic nickt, er hat selbst in der Schenke seiner Eltern die ersten Pfeile geworfen. „Doch vieles hat sich verändert. Heute kriegst du den Dart längst aus der Kneipe. Aber die Kneipe nicht aus dem Dart“, philosophiert er. Der 45-Jährige steht nur noch selten auf dem Podium und spielt. In Wipperfürth hat er zudem ein Ziel: Seine Serie von zuletzt 31 Siegen zu halten und nicht von Marijanovic knacken zu lassen. Und das gelingt ihm auch: 4:0 ist das Ergebnis, das Spiel ein echtes Highlight für das Publikum.

Robert Marijanovic (links), Dart-Podcaster und bekannter Kommentator, und Paul Krohne, derzeit Deutschlands erfolgreichster Darter, sind nach Wipperfürth gekommen, allerdings nicht, um Siege zu kassieren.

Robert Marijanovic (links), Dart-Podcaster und bekannter Kommentator, und Paul Krohne, derzeit Deutschlands erfolgreichster Darter, sind nach Wipperfürth gekommen, allerdings nicht, um Siege zu kassieren.

Große Ziele hat auch Lars Urbinat aus Nümbrecht-Bierenbachtal, amtierender Deutscher Meister im E-Dart. „Ich möchte aufs Treppchen“, bekennt der 27-Jährige, der mit Mama Anja und Freundin Linda einen kleinen Fanclub an seiner Seite hat. „Mir ist es wichtig, fokussiert zu bleiben und konzentriert mein Spiel herunterzuspielen.“ Das schafft er, in der allerletzten Partie der Challenge aber muss er sich Stefan Rößler (41), ebenso aus der Schlossgemeinde, jedoch geschlagen geben.

Auch junge Dartfans sitzen im Publikum – Elias aus Lindlar, zum Beispiel. Der Zehnjährige schätzt den Spaßfaktor, mag Pommes zu Sport und baut zu Hause die Scheibe auf. „Aber Profi möchte ich nicht werden“, versichert er, obwohl er den Dartjargon richtig drauf hat.

Die Liebe für Events wie das in der Drahte haben auch die Wipperfürther Jacek (52), Gerd (55), Jury (35) und Sebastian (40) aus Olpe entdeckt, ausgestattet sind sie mit T-Shirts und Hüten, angesteckt hat das Männerquartett Jacek: Er reist zu Turnieren, war auch bei einer deutschen Qualifikation fürs legendäre „Ally Pally“ in London dabei: „Das ist was für echte Kumpels.“ Und alle vier haben ein Idol, das sie kräftig anfeuern: Uli Becker ist ihr Favorit. Denn am Ende ist auch Dart ein Teamsport.


Erfolge in Wipperfürth

Als Sieger am Freitagabend (20. Februar 2026) sind in das Finale eingezogen: Uli Becker (Marienheide), Lukas Jung (Wipperfürth-Egen), Stefan Rößler (Nümbrecht), Lars Urbinat (Nümbrecht-Bierenbachtal), Moritz Schmidt (Lindlar-Frielingsdorf) und Hans Wüstenberg (Wipperfürth).

Die Endrunde am Samstag (21. Februar 2026) haben gewonnen: Moritz Schmitz (Erstplatzierter), Lars Urbinat (Zweiter) und Stefan Rößler (Dritter). Den Sieger belohnt ein Preisgeld in Höhe von 450 Euro, insgesamt standen Prämien in Höhe von 1500 Euro bereit.