Konrad Beikircher spielt auf Abschiedstournee im April im Bergischen Löwen – und erinnert sich an seinen ersten Kontakt nach Rhein-Berg.
Sprachkünstler Konrad Beikircher„Arrivederci“ – Eine Rückkehr ist ausgeschlossen

Der Kabarettist spielt auf seiner Abschiedstournee im April im Bergisch Gladbacher Bürgerhaus Bergischer Löwe.
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Konrad Beikircher hat für alles ein Beispiel: „I ho e E ü.“ Was für Hochdeutsch sprechende Menschen komplett unverständlich ist, ist für ein Kind aus Würzburg Alltassprache. Diesen Satz habe er im Zug aufgeschnappt und gleich den Vater des Kindes gefragt, was dieser Satz denn heiß: „Ich habe ein Ei übrig“ heiße das, habe ihn der Mann aufgeklärt.
Dass der Kabarettist, der im vergangenen Dezember seinen 80. Geburtstag gefeiert hat, nachfragen musste, was es denn mit diesem eigentümlichen Satz auf sich habe, liegt in seinem Naturell. Und berufsbedingt musste er diese Frage auch stellen, schließlich ist die humoristische Auseinandersetzung mit Sprache, mit Dialekt das, wofür Beikircher seit Jahrzehnten bekannt und beliebt ist. Am Samstag, 25. April, um 20 Uhr sagt er in Bergisch Gladbach „Arrivederci“, am Freitag, 13. März, bereits ist er in der „Scala“ in Leverkusen-Opladen zu Gast.
Konrad Beikircher geht in den Ruhestand, zumindest in den beruflichen. Wie er im Gespräch mit dem „Leverkusener Anzeiger“ erzählt, werde er aber noch gut mit Kunst beschäftigt sein. Er und seine Frau sind einmal im Jahr Gastgeber und Gastgeberin für eine Ausstellung. Und die zu organisieren, das sei schon viel Arbeit. Er ist aber froh, dafür demnächst mehr Zeit zu haben.
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Beikircher unterscheidet zwischen Dialekt und Regiolekt
Dennoch: „Es fällt mir schon auch schwer aufzuhören“, sagt er. Denn wie die meisten seiner Kolleginnen und Kollegen sei er süchtig nach der Bühne. Immerhin trage er im Zuge der Ausstellung hier und da auch noch was vor. Aber beruflich ist am 21. Dezember 2026 Schluss, im Senftöpfchen in Köln gibt er seine letzte Vorstellung, am 22. Dezember wird er 81 Jahre alt.
Er ist sich allerdings sicher, dass es tatsächlich sein Abschied sein werde. Mehrere Aufwiedersehen-Touren werde es nicht geben. Und das Übernachten im Hotel, das Zugfahren – das werde er sicher nicht vermissen. Wobei er dort, wenn er auf verschiedene Menschen mit verschiedenen sprachlichen Einfärbungen trifft, offensichtlich immer wieder Stoff für seine Programm findet. Siehe „I ho e E ü.“
Beikirchers erste Verbindungen nach Rhein-Berg waren eine Herzenssache
Auch bei uns in der Region, die sich der gebürtige Südtiroler auch bei seinen Touren durchs Land erschlossen hat. „Im Bergischen zum Beispiel wohnt anfürsich die melancholische Ausgabe des Rheinländers“, hat er festgestellt. „Der denkt die Dinge in Grund und Boden, bis er merkt: Da is nix mehr.“
Schwere Bedingungen für einen Kabarettisten? „Nicht unbedingt“, sagt Beikircher, „in Rösrath, Overath, Kürten oder Gladbach reagieren die Leute viel besser auf sprachliche Feinheiten. Schwer ist's nur in rein evangelischen Gegenden wie Hückeswagen – da muss schon Einiges passieren, bis jemand lacht.“
Dat, wo wir von drüvver dran woren, da wollte ich mal eben wat wegen fragen.
Dass Konrad Beikircher aber mit der Sprache keinen Klamauk treibt, zeichnet ihn seit jeher aus. Seine Ausführungen haben Substanz, teilweise sogar ein wissenschaftliches Fundament. So habe er seinen älteren Bruder, einen renommierten Altphilologen gefragt, ob es im deutschen Sprachraum eine Realtivverschränkung gibt, so wie im Lateinischen. Im Hochdeutschen gebe es sie nicht, auch in den Dialekten eigentlich nicht, habe ihm sein Bruder bestätigt.
Eigentlich. Denn im Rheinischen gebe es sie tatsächlich, sagt der Sprachen-Kabarettist und liefert natürlich gleich ein Beispiel: „Dat, wo wir von drüvver dran woren, da wollte ich mal eben wat wegen fragen.“ Für jeden Sprachwissenschaftler ein Albtraum, für den Rheinländer ganz klar.
Ja sischer, der Bergische ist doch die Wollsockenausgabe des Rheinländers – gebremst heiter, aber heiter.
Die „Musikalität, der Klang, die Aussprache“, das sei das, was ihn an der Sprache fasziniere. Für das Rheinische habe er ein Paradoxon aufgetan, das er sich allerdings nicht erklären könne: Das wirklich Kölsche – oder das Rheinische – das gebe es kaum noch. Trotz Karneval, trotz Nachwuchsbands. Er nennt das, was Kasalla und Co. singen eher einen „Regiolekt“. Zudem nehme die Art der Aussprache zu: Der Kölner bilde Wörter häufig nämlich vorne in der Mundhöhle. Und dieses Phänomen wachse durch die Nutzung des „Regiolekts“ sogar.
Der ist dann durchaus auch im Bergischen zu hören. Konrad Beikirchers erste Erinnerungen ans Rheinisch-Bergische gehen bis ins Jahr 1965 zurück, wie der Kabarettist erzählt: „Ich war gerade einen Monat im Rheinland, da hab ich ein Mädchen aus Overath kennengelernt. Ich bin auch einmal mit dem Bus zu ihr gefahren – eine ziemlich lange Reise. Ich glaube, dadurch kam dann auch das Ende der Beziehung.“
Die Menschen in der Region aber hat er trotzdem in sein Herz geschlossen: „Ja sischer, der Bergische ist doch die Wollsockenausgabe des Rheinländers – gebremst heiter, aber heiter.“
Abschiedsauftritt im Bergischen Löwen
„Konrad sagt Arrivederci“ heißt der Titel der Abschiedstournee von Kabarettist Konrad Beikircher, mit der der Wahl-Bonner am Samstag, 25. April, um 20 Uhr zu Gast im Bürgerhaus Bergischer Löwe am Konrad-Adenauer-Platz 6 in der Bergisch Gladbacher Stadtmitte gastiert. Tickets gibt's im Vorverkauf zum Preis von 32,50 Euro auf allen Plätzen an der Theaterkasse des Bergischen Löwen, geöffnet mittwochs bis freitags jeweils von 10 bis 18 Uhr sowie samstags von 10 bis 13 Uhr, Telefon (0 22 02) 29 46-18. An der Abendkasse (diese öffnet – soweit noch Tickets vorhanden sind – eine Stunde vor der Veranstaltung) kosten die Tickets für das Gastspiel von Konrad Beikircher 41 Euro. (wg) www.bergischerloewe.de

