Es ist eine echte Ochsentour, die der Vorstand und die Geschäftsführung der Ökumenischen Initiative aus Wipperfürth (ÖkuIn) seit über zwei Jahren auf sich nehmen muss. Es geht um rund 250.000 Euro, besser wären 280.000 Euro, mit denen ein Schuljahr des „START“-Projekts finanziert werden kann. Das Projekt, das 2010 von Wolfgang Naumann ins Leben gerufen wurde und seit Anfang 2021 in der Trägerschaft der ÖkuIn ist, steht seither Schuljahr für Schuljahr vor dem Aus – wenn der Trägerverein das nötige Geld nicht aufbringen kann. „Wir bringen uns dafür regelmäßig in Erinnerung, gerade bei den Stadtverwaltungen in Wipperfürth, Radevormwald und Hückeswagen, die unser Haupteinzugsgebiet sind“, berichtet Sabine Buchheim, die ehrenamtliche Co-Vorsitzende der ÖkuIn.
Finanzierung von 100 auf Null
Die Existenzfrage ploppt vor rund zwei Jahren aus dem Nichts auf, als Bundesmittel gestrichen werden, die vor allem die Jobcenter betrifft. „Damals ist unsere Finanzierung plötzlich von 100 auf Null gefallen, da die Jobcenter 70 Prozent finanziert haben, ergänzt um 30 Prozent durch den Oberbergischen Kreis. Der Kreis wiederum hat uns dann auch mitteilen müssen, dass seine Finanzierung an die des Jobcenters gekoppelt sei und damit auch auslaufe“, erklärt Buchheim.
Seitdem sei es ein Hangeln von Schuljahr zu Schuljahr. Zwar sei die Unterstützung aus der Bevölkerung groß, so Buchheim, auch Stiftungen würden sich regelmäßig einbringen – und doch müsse man von Jahr zu Jahr neu darum werben. „Ein solider Grundpfeiler würde uns das alles so viel einfacher machen.“
Stiftungen und Kommunen als Hoffnungsträger
Aktuell steht der Etat für das laufende Schuljahr 2026/27 und auch die Aussicht in Richtung Durchgang 2027/28 sei verhalten optimistisch. „Wir haben über die Hans-Hermann-Voss-Stiftung und eine weitere Stiftung, die nicht namentlich genannt werden will, die ersten rund 100.000 Euro zusammen sind. Und auch Radevormwalds Bürgermeister Dejan Vujinovic hat Unterstützung zugesagt“, verrät Buchheim. Mit den Rathäusern in Wipperfürth und Hückeswagen stehe man in Kontakt. Beide Kommunen hätten in der Vergangenheit zunächst wenig Hoffnung gemacht – wegen der Haushaltssicherung. Doch in den jüngsten Gesprächen hätten Politik und Verwaltung auch hier positive Signale gesendet.
Mehr Nachfrage als Plätze

Unterrichtet wird in Hückeswagen
Copyright: Weitzdörfer
Die Herkunft der Schülerinnen und Schülern in der aktuellen Klasse im Start-Projekt – legen auch nahe, dass diese beiden Kommunen aktiv werden sollten. „In diesem Jahr sind 13 Jugendliche aus Hückeswagen, jeweils fünf aus Wipperfürth und Radevormwald sowie zwei aus Marienheide“, sagt Sabine Buchheim. Und ergänzt: „Wir können in einem Jahrgang momentan maximal 25 Jugendliche betreuen – und könnten mit den aktuellen Nachfragen locker noch eine weitere Klasse füllen. Wenn, ja wenn wir denn nur genügend Geld hätten.“
Neues Gesetz als Strohhalm
Hoffnung setzen die Macher jedenfalls in ein neues Gesetz, das in diesem Jahr bereits verabschiedet wurde und im August des nächsten Jahres in Kraft treten soll. Das würde eine Förderung des Start-Projektes theoretisch wieder ermöglichen, allerdings weiß noch niemand, wie die Vorschriften letztlich ausgelegt werden und wie hoch eine Förderung hier sein könnte. „Aber es ist ein Strohhalm“, sagt Sabine Buchheim.
Hintergrund und Kontakt
Zum Hintergrund: Im Start-Projekt werden Jugendliche aus dem oberbergischen Norden betreut, die aus dem schulischen Raster gefallen sind – zum Beispiel wegen psychischer Erkrankungen, Belastungen im Elternhaus oder auch wegen einer Schulphobie. Sie sollen auf niedrigschwelligem Level zum Schulabschluss gebracht werden, dem ersten Schritt in Richtung einer Berufsausbildung. Kontakt zu den Projekt-Organisatoren gibt es am einfachsten über die Homepage des Start-Projektes.
www.zukunftstarten.com


