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KarnevalPea Schneider bietet Unikate im Pop-up-Store „Jeck a la carte“ in Bensberg

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Eine Frau mit schwarzer Brille steht in einem Laden mit Karnevalskleidung.

Alles Unikate: Pea Schneider fertigt kein Stück zweimal an.

Mit fünf Jahren bekam sie ihre erste Nähmaschine geschenkt, seitdem setzt sie ihre fantasievollen Kreationen um. Kein Stück ist wie das andere.

„Es fließt mir aus dem Kopf in die Hände“, verrät Pea Schneider ihr wohl am meisten gehütetes Geheimnis. Mit ihren edlen und auffallenden Unikaten aus dem Hause „Jeck a la carte“ beweist sie nicht nur ihre grenzenlose Kreativität, sondern auch, dass vornehm zu sein, ein Attribut vieler Karnevalisten ist.

Wer sich in Schneiders Pop-up-Shop auf der Bensberger Schloßstraße umschaut, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Überall funkelt und glitzert es. Florale Kreationen treffen auf zarte Rüschen, praktische Accessoires werden zum absoluten Hingucker wie die Schuhschleifen, die neutrale Treter unkompliziert zum Blickfang machen. Trotz der Devise „mehr ist mehr“ sind die farbenfrohen Einzelstücke, die sie kreiert, nicht kitschig, sondern echte Hingucker.

Mit fünf Jahren bekam sie eine Nähmaschine geschenkt

Die Schuhschleifen sind zwar das unangefochtene Lieblingsprodukt der Designerin, aber auch auf ihre Armstulpen schwört sie: „Im Karneval sind die Hände total wichtig, denn da schaut jeder drauf, ob im Saal oder auf dem Zugwagen“, so die 60-Jährige mit einem Augenzwinkern, die erst ihre Berufung zum Beruf gemacht hat, der passende Nachname hat sich nachher dann auch noch ergeben.

Der Werdegang von Schneider entschied sich, als sie fünf Jahre alt war. „Da habe ich von meiner Oma meine erste Nähmaschine geschenkt bekommen. Ich habe es geliebt, mich im Stoff ausleben zu können“, erinnert sie sich zurück. Ab da kam sie vom Nähen nicht mehr los, absolvierte nach dem Abitur eine Schneiderlehre, um sich mit Braut- und Abendkleidern selbstständig zu machen.

Farben, Formen und Beschaffenheit sind keine Grenzen gesetzt

„Irgendwann hatte ich genug davon genäht und entdeckte in der Zeitung ein Schnittmuster für Kappen, für die ich die Reste der Abendkleider nutzte. Schnell wollte ich es noch opulenter haben. Nach 1000 Kappen stellte sich mir die Frage: Wie werde ich sie los?“, so die Bensbergerin schmunzelnd über ihren Einstieg ins Karnevalsbusiness.

Der Weihnachtsmarkt am Bensberger Schloss war die Antwort, ihre Produkte bei den Gästen ein voller Erfolg. „Ich wollte nur noch Karneval machen. Farben, Formen und Beschaffenheiten waren keine Grenzen gesetzt“, sagt Schneider. „Im Karneval geht es darum, sich auszuleben und zu strahlen in dem, was man trägt.“

Kein Stück wird je doppelt angefertigt

Eine Basis hat sie immer im Kopf, probiert dann aus, was passt, denn kein Stück hat sie jemals doppelt angefertigt. „Die Sachen sind wie meine Babys, das fällt mir schon manchmal schwer, wenn sie aus dem Laden getragen werden“, gibt sie zu, fühlt sich aber total erfüllt, wenn sie „ihre Kappe“ auf einer Veranstaltung entdeckt. „Das ist, wie einen alten Freund wiederzusehen“, so Schneider.

Goldene Perückenköpfe mit barocken Perücken und glitzernden Perlen.

Fantastischer Kopfschmuck: Im Karneval kann sich die Fantasie austoben.

Zu den Kappen fällt ihr dann eine ganz besonders kuriose Geschichte ein, die sie mit Kunden erlebt hat: „Ich habe mal bei Harley Davidson ausgestellt und plötzlich standen neun Rocker, die Kappen brauchten, in meinem Atelier und sahen den ganzen Glitzer. Ich habe dann zu ihnen gesagt: Hört mal Jungs, es ist Karneval, da muss was los sein, nicht nur schwarz. Am Ende wollte einer mehr Glitzer als der andere“, erzählt sie und lacht.

Der Fundus im Atelier scheint unbegrenzt zu sein

Der Fundus im Atelier scheint unbegrenzt, ein pastellrosa Pfau mit silbernen Pailletten ist das „Signature Piece“, denn mit ihm fing ihr Konzept so richtig an, aufzugehen. Mit den prachtvollen Aufnähern „pimpt“ sie die Jacken, Hosen, Jabots, Epauletten oder Haarschmuck und die sind so besonders, wie die Detailverliebtheit Schneiders. „Den hat mir eine Freundin vom Markt in Teneriffa mitgebracht.

Die Verkäuferin, eine Deutsche, hat sie in den Achtzigern hergestellt und ich war schockverliebt. Wir erfuhren von ihrem Lager in Deutschland. Es war bis unters Dach voll und ich habe ihr alles abgekauft“, so Schneider. „Wer eine komplette Ausstattung von „Jeck a la carte“ haben möchte, sollte sich bereits direkt nach Karneval darum kümmern“, empfiehlt Schneider, die auch als Yogalehrerin tätig ist. „Die Herstellung der Kostüme ist ein meditativer Zustand.

Am Ende müssen viele Aufträge gleichzeitig erledigt werden

Dennoch wird es stressig, weil viele Aufträge spontan kommen und es mir schwerfällt, Nein zu sagen. Am zweiten Januar werden die Leute aktiv, aber mit zwei Händen und 24 Stunden am Tag klappt es nicht“, so die Designerin, die ihr Atelier in der Gartenstraße hat. Während der Session habe ein Schaufenster eine andere Wirkung, zum Beispiel auf Laufkundschaft.

„Klar gibt es Leute, die auf den Preis schauen und sagen: Oh Gott!“, sagt Schneider. „Dann empfehle ich ihnen, erst mal ein kleines Teil mitzunehmen und darauf nach und nach aufzubauen. Ich habe Kunden, die sparen sich das vom Mund ab und kommen zu Beginn der Session und tragen es mit Wertschätzung und Herzblut.“