Der spätere Bundeskanzler pflegte schon in jungen Jahren ein enges Verhältnis ins Bergische – und kam später oft wieder zurück.
Biografie des BundeskanzlersAls Konrad Adenauer in Bensberg arbeitete

Das frühere Gerichtsgebäude in Bensberg, an dem Konrad Adenauer ab 1897 in seiner juristischen Ausbildung arbeitete.
Copyright: Anton Luhr
Der junge Herr wird vielleicht mit der Kutsche gekommen sein. Die Landstraßen waren oft noch unbefestigt zu Ende des 19. Jahrhunderts und die Reisenden wurden tüchtig durchgerumpelt. Automobile waren noch nicht weit verbreitet. Der junge Herr war Konrad Adenauer, und er kam ab Mai 1897 zur Arbeit ins Amtsgericht nach Bensberg. Pflastersteine an der Chaussee, die herausragende Architektur des benachbarten Schlosses, des neuen, immer im Blick.
Das Gebäude, in dem seinerzeit in Bensberg Recht gesprochen wurde, steht noch; es ist gegenüber dem modernen Gerichtsgebäude zu finden: Wuchtige Backsteine, Scheibenfensterchen, ein denkmalgeschütztes Ensemble heute. Über Rath-Heumar und Frankenforst wird der angehende Jurist nach Bensberg gekommen sein und mit als erstes auch die St.-Nikolaus-Kirche, hochaufragend gewiss auch, gesehen haben. Damals war das Schloss Königlich-Preußische Kadettenanstalt, die Wohnbebauung noch weit entfernt. Die Vorort-Straßenbahn aus Köln kam erst einige Jahre später nach Bensberg, der Gast aus der modernen, aufstrebenden Großstadt Köln hätte sie wohl auch nicht nehmen wollen.Bensberg, das kann man sagen, war im Jahr 1897 noch ein bergisches Bauerndorf. Aber eines mit Schloss, immerhin.
Das Amtsgericht war Ausbildungsstätte für angehende Juristen
Neun Monate lang wirkte Adenauer am Amtsgericht, als Teil seiner juristischen Laufbahn. Niemand im Ort Bensberg wird von ihm, dem 21-Jährigen, Notiz genommen haben. Die Justiz galt sowieso als eine eigene Welt.
Was auf den Schreibtisch des jungen Adenauer kam? Über Gerichtsverfahren berichten die Zeitungen von damals in ihren Rubriken, der „Bensberg-Gladbacher Anzeiger“ und das „Volksblatt für Gladbach und Umgebung“, die Heidersche Zeitung. Raufereien im Wirtshaus waren es oft, Tagelöhner, die ihre Zeche prellten, mussten sich vor dem Richter verantworten, der Diebstahl von Kühen und Ziegen. Auch Unfallgeschehen musste aufgearbeitet werden, Arbeitsunfälle in den Bergwerken, so etwas passierte häufiger. Das Amtsgericht zu Bensberg war seinerzeit Ausbildungsstätte für angehende Juristen, und nichts deutete darauf hin, dass es bei Adenauer einmal anders werden würde.
Das Haus, in dem Adenauer arbeitete, gilt als eines der wichtigsten der Bensberger Stadtgeschichte
Die Zeit von neun Monaten war für die Nachwuchs-Juristen angesetzt für die Abordnung nach Bensberg. In einem der Justizräume wird der junge Mann über Akten gebrütet haben, sich Notizen zu den Vorfällen gemacht haben. Abseits der Akten wird Adenauer vielleicht registriert haben, dass Bensberg damals eine Gemeinde des Bergbaus war, das Erzrevier blühte mit der großen Grube am Berg Lüderich, hier waren weit mehr als tausend Bergleute beschäftigt. Die Ruine des Alten Schlosses, heute das Technische Rathaus, wurde ab 1897 zum Krankenhaus Maria Hilf, auch dies wird der junge Mann, Markenzeichen Brille und Schnäuzer, zur Kenntnis genommen haben.

Konrad Adenauer 1965 mit Paul Lücke (l.) bei einer Wahlkampfveranstaltung auf dem Gladbacher Marktplatz, der später nach Adenauer benannt wurde.
Copyright: BLZ-Archiv
Das Haus, in dem der junge Adenauer arbeitete, gilt als eines der wichtigsten der Bensberger Stadtgeschichte und eines der letzten Zeugen der Stadtgestaltung aus dem frühen 19. Jahrhundert, Adresse: Schloßstraße 23. Es entstand ab 1821 auf dem damaligen Nikolausberg und diente als erste Schule der Gemeinde Bensberg. Von 1879 bis 1902 folgte die Nutzung als Amtsgericht, danach als Bürgermeisteramt und Landwirtschaftsschule. Heute ist es in Privatbesitz.
Ein Dreivierteljahr bleibt Adenauer in Bensberg
Was überliefert ist: Nach Bestehen der juristischen Prüfung im Mai 1897 wird Adenauer zur ersten Ausbildungsstation geschickt, zum Amtsgericht nach Bensberg. Über Monate lang versieht er den Dienst im Gebäude an der Schloßstraße, macht sich bekannt mit den Amtsgeschäften des Richters und der Gerichtsschreiber, zeigt (so die Personalakten) eine rasche Auffassungsgabe und praktische Gewandtheit. „Seine Leistungen waren durchaus befriedigend“, zitiert Historiker Hans-Peter Schwarz in seiner Adenauer-Biographie aus den umfangreich vorliegenden Akten.

Bei der Übergabe der sechsmillionsten Nachkriegs-Neubauwohnung in Kippekausen: Konrad Adenauer.
Copyright: Albert Günther/Stadtarchiv
Ein Dreivierteljahr bleibt der Kandidat der Juristerei in Bensberg, das wird bis ins Frühjahr 1898 gewesen sein. Dann kehrt Adenauer in den Vorbereitungsdienst des Landgerichts Köln zurück. 1905 wird der Wechsel zur Stadt Köln folgen, mit dem beginnenden Aufstieg Adenauers.
Als Bundeskanzler kehrte Adenauer nach Bensberg zurück
Nach Bensberg wird Adenauer später zurückkehren, als Bundeskanzler. Sein Parteifreund Paul Lücke aus Bensberg, der heimische Bundestagsabgeordnete, holte den „Alten“ zu manchem Wahlkampfauftritt. In Kippekausen, damals zu Bensberg, steht zu Anfang der 1960er-Jahre die Einweihung der sechsmillionsten fertiggestellten Wohnung nach dem Kriegsende 1945 an.
Ein großes Fest zelebriert der Ort zum Richtfesttag 1. September 1961, auf einer Freifläche wird eine Traglufthalle für den Festakt errichtet. Musik gibt es und Reden, Adenauer wird begrüßt von Lücke, auch NRW-Ministerpräsident Franz Meyers und Bensbergs Bürgermeister Ulrich Müller-Frank sind zugegen. Dass Adenauer an diesem Tag nur knappe drei Kilometer entfernt war von einem Ort, an dem er schon einmal beruflich tätig war, mag der Bundeskanzler bei seinem Besuch im Kopf gehabt haben. Ein Thema ist dies damals nicht gewesen.
Bergisch Gladbach benannte einen Platz nach dem Bundeskanzler
Am 27. April 1967, nur acht Tage nachdem Konrad Adenauer in Rhöndorf verstorben war, wurde in der Nachbarstadt Bergisch Gladbach über den Konrad-Adenauer-Platz entschieden.
Die CDU hatte zunächst über eine Umbenennung der Hauptstraße in Konrad-Adenauer-Straße nachgedacht. Doch da gebe es zu viele Anlieger, die ihre Briefköpfe ändern müssten, meinten Kritiker. Am Marktplatz seien aber nur Kirche, Rathaus und einige Geschäftshäuser anliegend, deshalb seien hier Änderungen nicht so aufwendig. Bergisch Gladbach wird eine der ersten Kommunen Deutschlands gewesen sein, die einen Platz oder eine Straße nach Konrad Adenauer benannten.

