Konrad Adenauer war der erste Bundeskanzler und Kölner OB von 1917 bis 1933. Am Vorabend seines 150. Geburtstags wurde nun seiner im Dom gedacht.
„Ein großer Politiker, aber auch katholischer Christ“Stiftung und Familie ehren Adenauer mit Gedenkgottesdienst im Dom

Im Kölner Dom wurde Konrad Adenauers gedacht.
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Zum Ausklang der Messe erklang die Melodie des Rührstücks „Ich bin ene kölsche Jung“ von der Orgelempore. Es folgten Teile der deutschen Nationalhymne und Beethovens Vertonung von Schillers „Ode an die Freude“. Damit waren die wichtigsten Wirkungsbereiche von Konrad Adenauer auch musikalisch umrissen: Köln, Deutschland und Europa.
Mit einem Gottesdienst im Kölner Dom gedachten die Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus und die Familie Adenauer am Vorabend des 150. Geburtstags des ersten Bundeskanzlers und Kölner Oberbürgermeisters von 1917 bis 1933. Rund 1000 Gäste versammelten sich dort, wo 1967 das Requiem für Konrad Adenauer gefeiert worden war. Mit 91 Jahren war der große Kölner Christdemokrat am 19. April jenes Jahres gestorben.
Lyndon B. Johnson und Charles de Gaulle als Ehrengäste
„Es war sehr traurig und feierlich“, erinnert sich sein Enkel Konrad Adenauer, der damals 22 Jahre alt war. Zu den Ehrengästen zählten US-Präsident Lyndon B. Johnson und der französische Präsident Charles de Gaulle. Am Tag zuvor waren Hunderttausende am Sarg Adenauers vorbeidefiliert. Nach dem Requiem wurde der Leichnam auf dem Rhein nach Rhöndorf gebracht, wo Adenauer seit 1937 lebte. „Das ganze Prozedere hat so lange gedauert, dass die Beerdigung im Dunkeln stattgefunden hat“, so der Enkel.
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Bundeskanzler Konrad Adenauer sprach kurz nach seiner Rückkehr aus Paris auf der bisher größten Bundespressekonferenz am 23.01.1963 über den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag, den Élysée-Vertrag.
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„Er war ein großer Politiker, aber er war auch katholischer Christ“, sagt Stefan Vesper, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus: „Jeden Sonntag ist er in Rhöndorf in die Kirche gegangen.“ Mit dem Gottesdienst bekomme das Adenauer-Jahr eine Grundlage. Geplant sind unter anderem Lesungen, Vorträge, aber auch ein großes Chor-Musical im Staatenhaus mit dem Titel „E levve för Kölle“.
Ford-Ansiedlung dank Adenauer
„Ohne Adenauer wäre der Lebensweg meiner Familie anders verlaufen“, sagt Michael Hinkel, der aus Pulheim gekommen war, um an der Abendmesse im winterlich kalten Dom teilzunehmen. Der 64-Jährige war neun Jahre lang Zeitsoldat und engagiert sich in der „Gemeinschaft Katholischer Soldaten“: „Ohne Adenauer gäbe es die Bundeswehr nicht und ohne die Bundeswehr wäre ich nicht Soldat“, so Hinkel. Sein Vater sei Ingenieur bei Ford gewesen – auch die Ansiedlung des Autoherstellers in Köln sei, so Hinkel, maßgeblich ein Verdienst Adenauers gewesen, der damals noch Oberbürgermeister war.
Der 68-jährige Wolfgang Schmitz schätzt an Adenauer vor allem, „dass er so stoisch war und immer seinen Weg weitergehen wollte“. Eine Eigenschaft, die heutigen Politikern fehle. „Toll“ sei auch seine Weigerung gewesen, gemeinsame Sache mit den Nazis zu machen: „Dabei hätte er sein Leben verlieren können.“
Auf Leben und Wirken Adenauers ging auch Stadtdechant Monsignore Robert Kleine in seiner Predigt ein. Nach seiner Absetzung als Oberbürgermeister nach der nationalsozialistischen Machtübernahme sei er mehrfach verhaftet worden und habe unter schwierigen Bedingungen gelebt: „Diese Phase zeigt, wie politische Haltung persönliche Konsequenzen haben kann.“ Als er 1949 im noch kriegszerstörten Deutschland mit 73 Jahren zum ersten Bundeskanzler gewählt wurde, sei er geprägt gewesen von Erfahrung, nicht von Utopien.
Erst tägliches Brot und Stabilität, dann große Visionen
Nach dem Zweiten Weltkrieg sei es ihm nicht zuerst um große Visionen gegangen, sondern um das tägliche Brot und Stabilität. Konrad Adenauer sei überzeugt gewesen, dass Frieden in Europa nur durch Zusammenarbeit möglich ist. Die Versöhnung mit den ehemaligen Kriegsfeinden, die Bindung Deutschlands an den Westen und die Verantwortung gegenüber dem jüdischen Volk seien ihm wichtige Anliegen gewesen.
Manche seiner Ziele seien wieder aktuell, sagt Enkel Konrad Adenauer. So etwa die europäische Verteidigungsgemeinschaft, die in den 1950er Jahren nicht zustande kam und heute angesichts der instabilen Weltlage sinnvoll wäre: „Wir müssen die nationalen Egoismen überwinden.“
Zahlreiche Enkel und Urenkel nahmen an dem Gottesdienst teil. Auch Oberbürgermeister Torsten Burmester und seine Vorgängerin Henriette Reker gedachten des „Alten“, wie Adenauer im Volksmund auch genannt wurde. Musikalische Akzente setzte der Kölner Männer-Gesang-Verein. Nähere Informationen zum Programm des Jubiläumsjahrs unter www.150-jahre-adenauer.de.

