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MülltrennungBergisch Gladbach bekommt die gelbe Tonne

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Vier Mülltonnen stehen nebeneinander.

Vom Sack zur Tonne. In Bergisch Gladbach kommt 2026 flächendeckend noch die gelbe Tonne dazu.

Die gelben Tonnen werden 2026 in der ganzen Stadt aufgestellt – statt der bisherigen gelben Säcke. Anwohner wissen nicht, wohin mit den riesigen 240 Liter Behältern. 

Die Stadt bekommt flächendeckend die gelbe Tonne. Die 240-Liter-Behälter werden in der ganzen Stadt aufgestellt – statt der Säcke für Verpackungsmüll. Doch unklar ist, wo sie Platz finden? Anwohner fühlen sich überrumpelt und kritisieren, dass die Verwaltung sie nicht in den Umstellungsprozess einbezogen hat.

Von der Einführung des neuen Entsorgungssystems wurden die Gladbacherinnen und Gladbacher überrascht, als sie Endes des Jahres 2025 im Abfallkalender ein entsprechendes Infoblatt vorfanden. „Als Absender und Kontakt wird die Firma Neuenhaus GmbH als Auftragnehmer der dualen Systeme genannt, nicht die Stadt Bergisch Gladbach“, berichtet ein Anrufer aus Schildgen und kritisiert, dass weder er noch seine Nachbarn darüber direkt von der Stadtverwaltung in Kenntnis gesetzt worden seien.

Leerung der gelben Tonnen startet am 1. Oktober

Erst am gestrigen Montagmorgen veröffentlichte die Stadt Informationen zur Einführung der gelben Tonne im Rahmen einer Pressemitteilung. Demnach beginnt die Leerung der gelben Tonnen, ausgestattet mit einem Identifikationschip, am 1. Oktober.

In einer Übergangsphase vom 1. Oktober bis 31. Januar 2027 sind sowohl die gelben Säcke als auch die neuen gelben Tonnen zulässig. Ab 1. Februar 2027 erfolgt dann keine Abfuhr von gelben Säcken mehr.

Die Leichtverpackungen werden ab diesem Zeitpunkt ausschließlich über die gelbe Tonne entsorgt. Bereits vorhandene und registrierte Tonnen mit einem gültigen Siegel der Stadt können laut Verwaltung unverändert in Betrieb bleiben. Auf die Gladbacherinnen und Gladbacher würden durch die Umstellung keine höheren Abfallgebühren zukommen, heißt es auf Nachfrage dieser Zeitung.

Wir empfinden diese Einführung als unzumutbare Bevormundung
Anwohner aus Schildgen

„Wir empfinden diese Einführung als unzumutbare Bevormundung durch die Stadtverwaltung und fühlen uns nicht mitgenommen“, ärgert sich der Schildgener, „wir haben bereits drei Tonnen, eine für Bio-, Rest- und Papiermüll. Jetzt noch eine vierte Tonne? Wir haben auf unserem Grundstück keinen Platz für eine derartige Riesentonne.“ Ein Problem, mit dem er sicher nicht alleine ist.

Er kritisiert, dass es keine Vorabinformationen, keinen Bürgerdialog oder einen Pilotversuch gegeben habe. Er und seine Frau seien mit den gelben Säcken sehr zufrieden. Sie seien leicht zu lagern und sehr bedarfsorientiert einzusetzen. Monatlich komme sein Zwei-Personen-Haushalt mit einem Sack aus, nur gelegentlich seien es auch mal zwei.

Entsetzt und mit Unverständnis habe der Anwohner aus Schildgen die Antwort der Firma Neuenhaus zur Kenntnis genommen, dass die Bestellung eines reduzierten Behältervolumens von 120 Litern nicht möglich sei. „Gemäß den Vorgaben der Systemfestlegung, welche zwischen den Kommunen und dem dualen System als Auftraggeber vereinbart wurden“, beträgt das Fassungsvermögen 240 Liter, heißt es.

Nur für Großwohnungen werden Ausnahmen gemacht

Gegebenenfalls könnten für Großwohnungen 1100 Liter-Behälter geliefert werden. Ausnahmefälle gebe es zudem bei alt registrierten Behältern, welche teilweise noch bestehen blieben, allerdings nicht mehr erworben werden könnten. Die Neuenhaus GmbH habe sonst leider keinen Einfluss und sei nur Auftragnehmer. Die Antwort-E-Mail der Firma Neuenhaus liegt der Redaktion vor.

„Das geht vollkommen am Bedarf vorbei“, stellt der Schildgener fest. Seine Nachbarin zum Beispiel wohne alleine in ihrem Haus. Auch sie müsse nach diesen Vorgaben eine 240 Liter-Tonne aufstellen.

Das Pressebüro weist in seiner Mitteilung dagegen ausdrücklich darauf hin, dass „unter bestimmten Voraussetzungen“ die Möglichkeit bestehe, einen Minder- oder Mehrbedarf anzumelden. Hierzu müsse spätestens bis zum 31. März eine Abstimmung mit dem Entsorgungspartner Neuenhaus erfolgt sein. Der städtische Abfuhrbetrieb habe keinen direkten Einfluss auf den Behälteraustausch oder die Abfuhr.

Der Hauseigentümer fragte in seiner Mail an Neuenhaus auch nach der Möglichkeit, die Aufstellung der Riesentonne auf seinem Grundstück zu verweigern. Für den Fall des Verzichts benötige das Entsorgungsunternehmen eine schriftliche Bestätigung, lautete die Antwort. Und es gibt den Hinweis, dass bei einer Entscheidung für eine Tonne zu einem späteren Zeitpunkt Kosten entstehen können. „Da war ich dann endgültig bedient“, meint der Hauseigentümer.

Als Kontakt gibt die Stadtverwaltung Bergisch Gladbach für Rückfragen eine kostenlose Rufnummer der Firma Neuenhaus GmbH an: 0800-8889060. Außerdem wird folgende E-Mail-Adresse genannt: