Schlösser der vom Nachbarn errichteten Barrikaden wurden aufgebrochen, um Traute Fuchs ins Krankenhaus bringen zu können.
Bergisch Gladbach91-Jährige vom Nachbar eingesperrt – Notärztin kämpft sich durchs Gebüsch

Diese Situation hat Irmintraut Fuchs, hier ein Foto aus dem Jahr 2024, von Anfang an gefürchtet: Durch eine Absperrung ist sie auf ihrem Grundstück von der Außenwelt abgeriegelt.
Copyright: Matthias Niewels
Der Nachbarschaftsstreit in der Siedlung Juck im Bergisch Gladbacher Stadtteil Moitzfeld hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Traute Fuchs musste als Notfall ins Krankenhaus gebracht werden. Doch bis zum Haus der 91-Jährigen vorfahren, das konnte der Rettungsdienst nicht, weil der Nachbar die Zufahrt mit Barrikaden abgeriegelt hat. Erst musste die Feuerwehr Bergisch Gladbach anrücken, um den Weg freizumachen. Die mit Schlössern angebrachten Wegsperren mussten aufgebrochen werden, wie Sohn Robin Fuchs berichtet.
Am vergangenen Montagvormittag ist das eingetreten, was alle befürchtet hatten. Traute Fuchs brauchte schnelle medizinische Hilfe. „Meiner Mutter ging es sehr schlecht, sie hatte hohes Fieber“, erzählt Robin Fuchs, der mit in dem Haus lebt. Er alarmierte den Rettungsdienst und sagte gleich dazu, dass die Adresse ausschließlich zu Fuß über schwer passierbare Umwege zu erreichen sei.
Notärztin musste einen glitschigen Hang hinuntersteigen
„Trotzdem ging alles sehr schnell“, berichtet Robin Fuchs. Notärztin und Assistent seien kurzerhand eine etwa ein Meter hohe, glitschige und mit Gestrüpp überwucherte Böschung hinuntergestiegen. Sie ist von dem Grundstück einer Nachbarin aus zu erreichen, sodass man im Garten von Familie Fuchs landet.
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Der Nachbar hatte, wie berichtet, die Sperren errichtet, weil er nicht möchte, dass die alte Dame und ihr Sohn ein kleines Stück des Wegs benutzen, der ihm gehört. Dazu hat er das Recht, wie das Oberlandesgericht Köln in seinem Urteil Anfang Dezember 2025 feststellte. Mit seinem Eigentum könne er verfahren, wie er wolle. Das Haus aus dem Jahr 1933, in dem Familie Fuchs lebt, ist ein Schwarzbau ohne Baugenehmigung. Ein eingetragenes Wegerecht gibt es nicht. Damit ist die alte Dame eingesperrt auf ihrem Grundstück.

Mit einem Gitter, Ketten und Schlössern sowie einem Trecker ist der Weg zum Haus von Traute Fuchs abgeriegelt.
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Die Notärztin stellte fest, dass Traute Fuchs mit Verdacht auf eine Lungenentzündung ins Krankenhaus müsste. Dem Rettungsdienst blieb nichts anderes übrig, als die Feuerwehr zur Hilfe zu holen. Elmar Schneiders, Pressesprecher der Wehr bestätigt, dass die Feuerwehr Bensberg mit einem Hilfeleistungslöschfahrzeug als Unterstützung des Rettungsdienstes vor Ort gewesen ist. „Wie die Unterstützung genau ausgesehen hat, dazu geben wir aus Datenschutzgründen und zum Schutz von Persönlichkeitsrechten grundsätzlich keine Auskunft.“
Schneiders fügt hinzu: „Wir werden immer Möglichkeiten suchen und finden, zur Not auch gewaltsam, uns einen Zugang zu verschaffen, wenn Gefahr für Leib und Leben besteht.“ Egal, aus welchen Gründen, Grundstücke und Wohnungen nicht erreichbar sind. Die erforderliche ordnungsgesetzliche Grundlage dafür liege vor. Zum konkreten Fall könne Schneiders jedoch keine Auskunft geben.
Schlösser der Barrikaden wurden aufgebrochen
Robin Fuchs war die ganze Zeit mit der Notärztin im Haus bei seiner Mutter. Aus den Gesprächen der Einsatzleute sei hervorgegangen, dass die Feuerwehr den Nachbarn kontaktiert und ihn gebeten habe, die Barrikaden für den Notdienst beiseite zu räumen, erzählt er. Was genau am Montag vor Ort vor sich ging, weiß man aber nicht. Die Feuerwehr habe auch Robin Fuchs keine Dokumentation des Einsatzes zur Verfügung stellen wollen. Der Nachbar war für eine telefonische Anfrage dieser Redaktion nicht erreichbar.
Fakt ist jedoch, dass die Schlösser der Absperrungen aufgebrochen wurden. Robin Fuchs geht davon aus, dass dies die Feuerwehrleute gewesen sind. So konnte Traute Fuchs endlich auf einer Trage auf dem direkten, sicheren Weg bis zur Straße zum Krankenwagen transportiert werden. „Sobald der Krankenwagen weg war, hat der Nachbar das Sperrgitter wieder installiert und erneut mit Ketten und Schlössern verankert“, sagt Robin Fuchs.
Tochter Nina Effenberg aus Berlin stellt fest, dass die ärztliche Versorgung ihrer Mutter aufgrund der Barrikaden mit einem Zeitverzug verbunden war: „Das zeigt nur noch einmal, was für ein Mensch der Nachbar ist. Ich bin fassungslos.“ Influenza A, im Krankenhaus bei Traute Fuchs diagnostiziert, könne genauso wie ein Herzinfarkt eine potenziell tödliche Erkrankung sein.
Robin Fuchs macht sich jetzt schon Sorgen, wie er seine Mutter, wenn sie aus dem Krankenhaus entlassen wird, ins Haus zurückbekommt. Es gibt nur zwei unwegsame Strecken: entweder um die Siedlung herum über eine rutschige Wiese oder einen steilen den Berg hoch durch den Wald. „Wie auch immer, wir kriegen das schon hin. Wie immer“, sagt er.

