Einst teuer erstanden, stehen die Luftreiniger in den Schulen jetzt im Weg herum und verursachen Kosten. Die Stadt Bergisch Gladbach will sie loswerden.
Bergisch GladbachCorona-Luftfilter in Schulen werden zur Kostenfalle

Nach monatelangen Schulschließungen sollten die Raumluftfilter in Bergisch Gladbach helfen, den Schulbetrieb aufrechterhalten zu können.
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Die Stadt Bergisch Gladbach hat in der Corona-Pandemie viel Geld für Raumluftfilter an Schulen ausgegeben. Jetzt stehen die teuer erstandenen Geräte nur noch im Weg herum und verursachen hohe Kosten. Die Stadt versucht, sie loszuwerden – mit einem hohen Verlust.
Es ist erst drei, vier Jahre her – und wirkt doch wie eine Ewigkeit. Alles war gefragt, was auch nur ein bisschen Schutz vor den Viren brachte, um den Schulbetrieb am Laufen zu halten. Masken, Desinfektionsmittel oder eben Luftreinigungsgeräte. Auch in Bergisch Gladbach.
200 Luftfiltergeräte hatte die Stadt in der Pandemie angeschafft
Jetzt steht die Stadt vor der schwierigen Frage: Was soll sie mit den 200 Luftfilteranlagen an Schulen machen, die sie in der Pandemie gekauft hat? Mit dieser Frage musste sich der Schulausschuss in seiner jüngsten Sitzung befassen. Und damit auch mit dem Thema, wie nachhaltig die millionenschwere Investition damals war.
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Insgesamt 200 mobile Luftfilter, Preis pro Gerät 8000 Euro, hatte die Stadt für ihre 20 Grundschulen und 14 weiterführenden Schulen angeschafft, um die Corona-Infektionen zu minimieren. Dies hatte die Politik 2021 per Dringlichkeitsbeschluss entschieden.
Ziel war es, die Schüler unter zwölf Jahren besser zu schützen, weil sie keine Möglichkeit hatten, sich impfen zu lassen. Viele Schulen hatten damals den Wunsch nach mehr Sicherheit und drängten zur Anschaffung der Reiniger.
113 Geräte sind bereits aus den Schulen abgeholt worden
Nur für 50 Raumluftfilter konnte eine Förderung des Landes Nordrhein-Westfalen in Anspruch genommen werden. Die Kosten für 150 Geräte gingen allein zu Lasten des städtischen Haushalts. Die Förderprogramme waren nicht anwendbar, sie galten nur für Klassenzimmer, die schlecht zu lüften sind.
Mittlerweile steht der Hygiene-Aspekt bei den Nutzern nicht mehr im Vordergrund, sondern eher die Einschränkung, berichtete Fachbereichsleiterin Alexandra Meuthen. Die massiven Geräte, sie sind so groß wie ein Standkühlschrank und 180 Kilogramm schwer, nehmen Platz weg. Die Geräusche werden als störend empfunden. Lediglich 87 Stück, dies ergab eine Abfrage der Verwaltung, werden noch genutzt.
Die restlichen 113 sind schon größtenteils abgeholt und in einer „abgängigen“ Halle eingelagert worden. Sie einfach zu behalten, schließt die Stadt aus. „Sollte es zu einer Verschlechterung des Gebäudes kommen, muss eine neue Halle gesucht und einer neuer Transport organisiert werden“, informierte Meuthen. Zudem müssten die Raumfilter jährlich von einer Fachfirma gewartet werden, um sie einsatzbereit zu halten. Die Kosten betragen pro Gerät 250 Euro jährlich.
Vor dem Werteverlust haben wir als Verwaltung damals ausdrücklich gewarnt
Um diese Zusatzkosten zu sparen, empfahl die Verwaltung: weg damit. Die Raumfilter könnten auf der Plattform, zollauktion.de, Auktionshaus von Bund, Ländern und Gemeinden, verkaufen werden, so der Plan. Eine Test-Auktion habe allerdings gezeigt, dass das Interesse nur sehr gering sei. Es konnte lediglich ein einziger Filter für 160 Euro verkauft werden. „Vor dem Werteverlust haben wir als Verwaltung damals ausdrücklich gewarnt“, sagte Kämmerer Thore Eggert.
Wenigstens stehen dem Verkauf keine rechtlichen Gründe mit Blick auf die einst gewährten Fördermittel entgegen. Die Zweckbindung beträgt fünf Jahre. Für die letzten Geräte ist sie im Januar 2026 ausgelaufen.
„Das ist sehr bitter“, sagte Christian Maimer (Volt/FWG), „aber wohl der einzige Weg.“ Andreas Ebert (SPD) erinnerte daran, wie angespannt die Situation mitten in der Pandemie war. Ob die Geräte tatsächlich wirksam gewesen seien, sei zwar nicht erwiesen gewesen. „Aber allein das Surren der Anlagen hat ein Gefühl der Sicherheit gegeben und Ängste genommen.“
Der Schulausschuss folgte dem Verwaltungsvorschlag einstimmig – mit dem Zusatz, einige Exemplare aufzubewahren, für den Fall, dass eins der in den Schulen verbliebenen Geräte ersetzt werden müsse.
Einst für mehrere tausend Euro pro Stück gekauft, liegt der Verkaufswert, wenn man sich auf der Auktionsplattform umsieht, aktuell bei rund 30 Euro. Was aber immer noch besser ist, als dass die Geräte nach so kurzer Gebrauchsdauer auf dem Müll landen.

