Der Schulleiter ließ das Gebäude räumen. Morgens früh hatte es 33 Grad in den Klassenräumen. Um Kosten zu sparen, hatte die Stadt Kühlgeräte eingespart.
Bergisch GladbachHitze-Alarm in neuen Schul-Modulbauten

Heiß wie in einer Sauna wird es in der Sofortschule in Hebborn in Bergisch Gladbach an Hitzetagen.
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An Hitzetagen wie diesen wird es in Bergisch Gladbachs Klassenzimmern mit 30 Schülern und einem Lehrer schnell viel zu warm. Aber der neue Erweiterungsbau der GGS Hebborn scheint große Ähnlichkeit mit einer Sauna zu haben. Deshalb ließ Schulleiter Manfred Hermann das Gebäude am Dienstag räumen. Denn wie in Hebborn sind auch in der Sofortschule In der Auen in Refrath beim Bau Lüftungsanlagen aus Kostengründen eingespart worden.
Das rächt sich jetzt. In den beiden sogenannten Sofortschulen in Modulbauweise, die 2023 in Betrieb gingen, herrschen unerträglich hohe Temperaturen und damit unzumutbare Lernzustände. „In den Unterrichtsräumen hatte es am vergangenen Montag 33 Grad“, berichtet Schulleiter Hermann, „und das war in der Früh, als noch kein Schüler da war.“ Aus Gründen der Arbeitssicherheit der Kinder und Lehrer ist das Gebäude aktuell nicht für den Unterricht zu nutzen. „Wir mussten den Unterricht behelfsmäßig ins Hauptgebäude verlagern“, berichtet Hermann.
Da hilft kein frühes Lüften vor Unterrichtsbeginn und kein Querlüften
Bereits nach der Eröffnung 2023 schlugen GGS Hebborn und KGS In der Auen Alarm. Denn es zeigte sich, dass sich die einzelnen Betonsegmente selbst an Herbsttagen mit moderaten Außentemperaturen von 24 Grad stark aufheizen und zu erschreckend hohen Temperaturen im Innern führen. „Da hilft kein frühes Lüften vor Unterrichtsbeginn und kein Querlüften“, berichtet Hermann. Dazu komme: Je mehr Menschen im Raum sind, umso weniger Sauerstoff, umso schlechter die Lernatmosphäre.
Doch die Stadt ist bisher nicht tätig geworden. Es gibt noch immer keine Lösung. Dabei hat der Schulausschuss bereits im Juni 2025 die Nachrüstung beider Standorte mit dezentralen Lüftungsgeräten mit Kühlfunktion beschlossen, die Kosten, so hieß es vor einem Jahr, belaufen sich auf jeweils eine Million Euro.
„Die Stadtverwaltung bereitet derzeit die Umsetzung dieses Beschlusses vor“, sagt Marc Pawlowski, vom städtischen Pressebüro, auf Anfrage dieser Zeitung. Aussagen zum konkreten Zeitplan könnten zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht getroffen werden.

Rollläden runter als Sonnenschutz bringt nichts: Auch im Neubau der KGS In der Auen in Refrath wird es viel zu heiß.
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Zum Hintergrund der fehlenden Lüftungs- und Kühltechnik erläutert Pawlowski: Bei der Planung sei versucht worden, durch Einsparungen unterhalb des Schwellenwerts von 5,3 Millionen Euro zu bleiben, der zur europaweiten Ausschreibung verpflichtet.
Denn die Zeit drängte damals, um einen dramatischen Mangel an Grundschulplätzen abzuwenden. Im weiteren Projektverlauf habe sich aber gezeigt, dass die Sofortschulen doch teurer würden. Deshalb seien Lüftungsanlagen seinerzeit nicht berücksichtigt worden. Am Ende sind die Kosten für beide Schulen auf insgesamt 15,63 Millionen Eurogeklettert.
Über die Art der Kühlgeräte, die angeschafft werden sollen, herrscht immer noch keine endgültige Einigkeit. „Den Einbau festinstallierter Lüftungsanlagen lehnen wir ab“, erklärt Hermann, dabei seien sich er und sein Kollege Anton Petzl, Schulleiter der KGS In der Auen, einig.
Stadt prüft jetzt jedes Bauvorhaben einzelfallbezogen
Für diese Geräte müssten zwei untere Fensterelemente ausgebaut und durch große Kisten, die auf dem Boden stünden und in den Raum hineinragten, ersetzt werden: „Wir würden sechs Quadratmeter Unterrichtsraum verlieren.“ Vermutlich läuft es jetzt auf Luftkühlungsgeräte hinaus, die an den Innenwänden angebracht werden können. Bei regelmäßigem Lüften soll auf diese Weise, die heiße, aber frische Luft, runtergekühlt werden.
Seit dem Hitze-Alarm in den Sofortschulen prüfe die Verwaltung bei neuen Bauvorhaben einzelfallbezogen, ob Lüftungs- und Klimatisierungstechnik vorgesehen werden solle. „Dabei werden funktionale Anforderungen und wirtschaftliche Aspekte berücksichtigt“, betont Pawlowski. Bei aktuellen Projekten, beispielsweise dem Schulzentrum Kleefeld, seien Lüftungsanlagen bereits eingeplant. Allerdings würden auch Gebäude mit Kühlanlagen bei extremen Außentemperaturen an ihre Grenzen stoßen.
Schulleiter Hermann rechnet in diesem Sommer nicht mehr mit einer Lösung. Die vier Klassen der Drittklässler aus dem Neubau müssen wohl erst einmal mit der alten OGS-Mensa im Altbau sowie einem leergeräumten Förderraum und einem Fachraum vorliebnehmen. Immerhin habe die Stadt am Mittwoch 20 Ventilatoren geliefert, berichtet Hermann, sie seien einen Tag, nachdem eine Mutter beim Bürgermeister einen Brief der Schulpflegschaft abgegeben habe, angekommen. Besser als nichts.
