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Bergisch GladbachJugend muss aus dem Q1-Gebäude ausziehen

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Das zweigeschossige Gebäude ist von außen zu sehen.

Das Q1-Haus auf dem Quirlsberg in Bergisch Gladbach steht für Jugendarbeit. Jetzt sind die Tage des Standorts gezählt.

Kleinerer Neubau am Stadtrand soll als neues Quartier für Pfadfinder und Kindergartenmuseum dienen. Jugendzentrum Q1 soll aufs Zanders-Gelände ziehen.   

Die Jugend verliert ihr jahrzehntelanges Zuhause auf dem Quirlsberg in Bergisch Gladbach. Pfadfinderstamm Folke Bernadotte und Kindergartenmuseum sowie weitere Jugendorganisationen sollen sich einen abseits von der Innenstadt gelegenen Neubau teilen. Das Jugendzentrum Q1 zieht aufs Zanders-Gelände. Dies hat der Jugendhilfeausschuss beschlossen – gegen den Appell der Pfadfinder, das was gut funktioniert, nicht kaputt zu organisieren. Was aus dem bisherigen Standort wird, bleibt unklar.

Der Applaus, mit dem die Ausschussmitglieder am Dienstagabend den starken Auftritt von Janis Reinhold in seiner Doppelrolle als Sprecher des gerade gegründeten Stadtjugendrings und als Stammesführer des Pfadfinderstamms Folke Bernadotte honorieren, ist aus Sicht der Pfadfinder absolut fehl am Platz: „Unsere Jugendarbeit ist akut gefährdet“, warnt Reinhold eindringlich.

Stadt investiert 2,5 Millionen Euro in einen Neubau

Als dauerhafte Alternative für das marode Bestandsgebäude auf dem Quirlsberg hat die Stadtverwaltung kurzfristig einen Neubau für ein „Jugendquartier“ auf einem städtischen Grundstück an der Hauptstraße 329 ins Spiel gebracht. Dafür soll das mit Schiefer verkleidete baufällige Haus, das dort jetzt, steht abgebrochen werden. Die Kosten für den neuen 250 Quadratmeter großen, barrierefreien Modulbau beziffert die Stadt mit geschätzten 2,5 Millionen Euro. In zwei Jahren könnten Pfadfinder und Kindergartenmuseum einziehen.

Die Kosten für die Kernsanierung des Q1-Gebäudes summieren sich   auf sechs bis neun Millionen Euro. Zu teuer, zu unwirtschaftlich aus Sicht der Verwaltung. „In den vergangenen Jahren hat es außer der Erneuerung der Heizung keine Investitionen in das Gebäude gegeben“, berichtet Fachbereichsleiterin Claudia Werker.

Zwei Häuser stehen nebeneinander. Ein Auto fährt vorbei.

Das mit Schiefer verkleidete Haus an der Hauptstraße 328 in Bergisch Gladbach  soll abgebrochen werden.

Die Stadt will nun nur in die allernötigsten Reparaturen 250.000 Euro in das Bestandsgebäude auf dem Quirlsberg stecken, damit die aktuellen brand- und baurechtlichen Mindestanforderungen erfüllt sind. So könnten die bisherigen Nutzer bis zum Umzug im Q1-Gebäude bleiben. Das klingt eigentlich hoffnungsvoll.

Trotzdem erteilen die Pfadfinder dem Projekt eine Absage. Hauptproblem ist die deutliche Verkleinerung. „Wenn das so beschlossen wird, werden keine Räume für Jugendliche geschaffen, sondern wir nehmen ihnen welche weg.“ Das jetzige Gebäude auf umfasst eine Fläche 1287 Quadratmeter, rechnet Reinhold vor. „Davon nutzen allein wir Pfadfinder eine Fläche von rund 250 Quadratmetern. Das ist so viel, wie in dem gesamten neuen Gebäude für alle Nutzer zur Verfügung steht.“

Für die Stadt zählt die gesamtstädtische Verantwortung

Zudem bezweifelt der 20-Jährige, dass sich ein teilweise lebhafter Pfadfinderbetrieb mit einem Museum verträgt: „Das wird nicht funktionieren.“ Außerdem würde künftig der große Veranstaltungsraum für Abschlussfeiern, Konzerte, Geburtstage oder Workshops in zentraler Lage wegfallen. Statt das geschichtsträchtige Gebäude abzureißen, sollten die 2,5 Millionen Euro besser in dessen Renovierung gesteckt werden.

„Bei allem Verständnis für die emotionale Bindung an dieses Gebäude. Aber wir als Verwaltung müssen die gesamtstädtische Verantwortung im Blick haben“, betont Beigeordneter Stephan Dekker.

Gemeint ist die Abwägung zwischen einer maroden Immobilie, in die deutlich mehr Geld investiert werden müsse als in ein neues Gebäude: „Die Lösung ist ein Kompromiss.“ Dominik Klaas (SPD) stellt fest: „Niemand ist geholfen, wenn wir am Ende gar nichts haben.“

Thomas Fischer-Wesselmann von der Katholischen Jugendagentur will wissen, was künftig mit dem Jugendzentrum passiert? „Die Arbeit des   Q1 soll in die Zentralwerkstatt auf Zanders fortgesetzt werden“, sagt Werker.

Dies hatte der frühere Bürgermeister Frank Stein wie berichtet bereits in Aussicht gestellt. „Wir begrüßen diese Perspektive,   möchten uns aber auch auf diese Aussage verlassen können“, sagt Christian Kulka, Leiter des Jugendzentrums Q1 auf Anfrage dieser Zeitung.

Collin Eschbach (Grüne) hakt nach: „Was wird aus dem Bestandsgebäude? Darüber müsse die Politik in zwei, drei Jahren entscheiden, antwortet Dekker: „Das kann ich heute nicht beantworten.“ Das Grundstück in exzellenter Lage dürfte sich jedenfalls lukrativ veräußern lassen. Die Pfadfinder wollen weiter für ihre Werte kämpfen: „Wir haben noch etwas in petto“, sagt Reinhold zum Schluss.


Die Vorgeschichte

Das Q1-Gebäude auf dem Quirlsberg gehört der Stadt und ist an die Evangelische Kirchengemeinde vermietet, die wiederrum Räumlichkeiten an das Kindergartenmuseum und die Pfadfinder vermietet hat. Die hohen Sanierungskosten für das Gebäude sind der Grund, warum die Kirche die Mietverträge aufgekündigt hat.

Denn eine Klausel im Mietvertrag hätte die Kirche dazu verpflichtet, die Instandsetzungsarbeiten an dem städtischen Gebäude aus dem eigenen Geldsäckel zu finanzieren.Nach Ablauf der Kündigungsfrist im Oktober soll die städtische GL Service gGmbH vorübergehend als Vermieterin für Pfadfinder und Museum einspringen. (ub)