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Bergisch GladbachNeuanfang für die modernisierte Schloßstraße in Bensberg

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Blick von oben auf die sanierte SchloßsFtraße.

Mehr Aufenthaltsqualität, mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer bietet die modernisierte Schloßstraße in Bensberg.

Der Umbau der zentralen Einkaufsstraße in Bensberg ist fast abgeschlossen. Die Einzelhändler sind optimistisch. Es gibt aber Verbesserungswünsche. Ein Rundgang über dieneue Schloßstraße.

„Manchmal träume ich noch von dem Wirrwarr der Barrikaden, dem Matsch und dem Geröll vor der Ladentür“, sagt Arnika Neberich, Inhaberin der Kinderboutique „Pläsierchen“ auf der Schloßstraße in Bensberg. Dreieinhalb Jahre prägten Bauzäune, Bagger, Kräne und Bohrgeräte das Bild der zentralen Einkaufsstraße. Jetzt sind die Bauarbeiten fast abgeschlossen. Passanten und Geschäftsleute sehen die Modernisierung der Einkaufsstraße generell positiv. Allerdings haben sie noch Verbesserungswünsche.

Die Schloßstraße ist so etwas wie das pulsierende Herz von Bensberg. Doch die Großbaustelle hatte den Takt durcheinandergebracht. Geht man jetzt die Straße entlang, stellt man fest, wie breit sie geworden ist. Wie viel Platz Fußgänger dazugewonnen haben, um unbeschwert zu bummeln.

Wie schön manche Ecken geworden sind, um sich einfach nur auf eine der vielen Bänke hinzusetzen und auszuruhen. Eine Straße, die geschäftstüchtig und erholsam zugleich ist, obwohl der Autoverkehr wieder rollt. Und wie wenig an einem ganz normalen Freitag dann doch los ist.

Bis Ostern müssen noch Restarbeiten erledigt werden

Nur einige Restarbeiten müssten noch erledigt werden auf dem Abschnitt ab der Einmündung am Stockbrunnen, teilt die Stadtverwaltung mit. Sie sollen in dieser Woche beginnen. Danach steht noch der Einbau der Spindeltreppe aus, die von der oberen Ebene der Schlossgalerie auf die Straße führt.

Die Treppe habe im vergangenen Jahr aufgrund von Liefer- und Fertigungsengpässen nicht wie geplant eingebaut werden können, erläutert Stadtsprecher Patrick Ortmanns. Zudem gebe es, „wie üblich bei solchen umfangreichen Bauarbeiten die Erfordernis der Mängelbeseitigung“. Diese Arbeiten würden zwischen Karneval und Ostern durchgeführt.

„Das ist gut geworden“, sagt Thorsten Zahn aus Burscheid. Er ist das erste Mal auf der Schloßstraße unterwegs. Deshalb wisse er nicht, wie es vorher ausgesehen habe, könne sich aber die Trostlosigkeit der Bauweise der Siebziger Jahre vorstellen.

Im Vordergrund sind Sitzpömpel zu sehen, im Hintergrund kleine Hügel sowie eine Rutsche.

Der neue Spielplatz, minimalistisch designt, ist momentan bei Passanten ein Aufreger.

Problematisch sei jedoch seine Anfahrt gewesen: „Es ist nicht zu erkennen, wo man hier parken kann und ob man bezahlen muss oder nicht.“ Er vermisse, gerade für Auswärtige, ein digitales Leitsystem oder wenigstens eine gute Beschilderung, die gezielt zu den Parkmöglichkeiten lenken, meint der 50-Jährige.

Renate Wortmann aus Lückerath kommt mit dem Taxi, wenn sie etwas in Bensberg zu erledigen hat. „Es ist mir einfach zu gefährlich, mich durch die parkenden Autos zu schlängeln“, sagt die 89-Jährige. Sie wundert sich darüber, dass die Wagen beidseitig abgestellt sind. „Das war doch anders vorgesehen“, erinnert sie sich. Tatsächlich sieht das Konzept eigentlich vor, dass es nur auf der südlichen Straßenseite Parkbuchten gibt.

Zudem bedauert die alte Dame es sehr, dass sie nicht mehr zum Wochenmarkt kommen könne. Die Schräge unterhalb der Schlosstreppe konnte zwar, wie berichtet, begradigt werden, aber eben nicht ganz. „Für mich ist die Steigung trotzdem zu beschwerlich. Ich bin nicht mehr so gut zu Fuß.“

Die Fugen sind zu breit. Mit dem Schneeschieber bleibt man an den Kanten hängen
Giela Appell, Boutique-Besitzerin

Abschied nehmen, heißt es für Gisela Appell, Inhaberin von va bene-Moden. Die 76-Jährige schließt aus Altersgründen nach 47 Jahren ihre Boutique. „Ohne meine Stammkunden hätte ich die Baustellenzeit niemals überstanden.“

Anfangs sei sie begeistert gewesen von den Natursteinen für das Pflaster – eine Kombination aus verschiedenen Farbtönen von Hellbeige über Graubeige bis Gelbbeige. Doch das Muster, nach dem die Bodenplatten in unterschiedlichen Größen verlegt wurden, habe sich als nicht praxistauglich erwiesen.

„Die Fugen sind zu breit“, sagt Appell, „mit dem Schneeschieber bleibt man an den Kanten hängen und in den Rillen sammeln sich überall Zigarettenkippen.“ Zudem fehlten im unteren Straßenabschnitt der Schloßstraße Abfalleimer neben den Bänken. „Die Leute lassen ihre Essensverpackungen auf den Bänken liegen oder stopfen sie in meine Blumenkübel vor der Ladentür“, ärgert sich Appell.

Die Friseurin kämmt die Haare einer Kundin.

Mutig eröffnete Lilli Wallraf ihren Friseursalon in Bensberg mitten im Chaos der Großbaustelle.

Ein Aufreger ist aktuell der neue Spielplatz. Vor dem Bauzaun bleiben immer wieder Leute stehen, schütteln irritiert den Kopf. Ein älterer Mann sagt: „Das sieht aus wie eine Mondlandschaft.“ Auf Facebook tobt bereits eine aufgeheizte Diskussion über die moderne, minimalistische Gestaltung des Spielfelds ohne klassische Spielgeräte wie Schaukel oder Sandkasten.

„Lassen wir doch die Kinder entscheiden, ob es ihnen gefällt“, meint der neue IBH-Vorsitzende Klaus Molitor, „jeden wird man ohnehin nicht glücklich machen können.“ Es freue ihn jedenfalls, dass sich in der Nachbarschaft seines Fahrradgeschäfts etwas tut. Neue Läden, die dazu beitragen, dass die Schlossstraße ihre Identität wiederfindet.

Einer der Solitäre mit einem jungen Konzept ist der Concept-Store „langersehnt“. Ganz unterschiedliche Dinge sind hier zu haben: „Schmuck, Wohnaccessoires, Delikatessen, Mode“, zählt Inhaberin Simone End auf. Zum Geschäft gehört ein Café. „Die Straße sieht jetzt schön aus“, sagt sie. Mehr Begrünung hätte sie sich gewünscht, so wirke die Straße vielleicht ein wenig kahl und biete wenig Schatten. „Aber es können ja nicht alle Wünsche erfüllt werden.“

Zu den Neuzugängen gehört auch der Friseursalon „Studio L“. "Den Standort habe ich bewusst ausgesucht", sagt Inhaberin Lilli Wallraf, „Bensberg liegt in der Mitte des Kreisgebiets.“ Das Geschäft laufe gut, seit die Bauzäune weg seien. „Mit dem Salon habe ich mir einen Traum erfüllt“, erzählt  die 26-Jährige. „Es geht jetzt aufwärts“, ist auch Arnika Neberich optimistisch, die jetzt im neuen Vorstand der IBH mitarbeitet: „Man kann nicht immer nur meckern, man muss auch etwas tun.“


Kostenabrechnung kommt noch

Die Schloßstraße gehört zum Gesamtkonzept des Integrierten Handlungskonzepts Bensberg mit 24 Maßnahmen. Die Kosten für den Umbau der Einkaufsstraße bezifferte die Stadtverwaltung 2022 mit 12,2 Millionen Euro. Ob es dabei bleibt, kann Stadtsprecher Patrick Ortmanns zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Erst nach dem vollständigen Abschluss der Baumaßnahme könne diese Frage beantwortet werden.

Die offizielle Eröffnung der Schloßstraße soll am Samstag, 25. April, im Rahmen des traditionellen Frühlingsfests stattfinden. Die Mitglieder der IBH sind aktuell mit den Planungen für das Fest beschäftigt. (ub)