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Bergisch GladbachPolitik verschiebt Beschluss zur Zukunft der Stadthäuser

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Zwei siebenstöckige Gebäuderiegel sind abgebildet.

Die beiden Stadthäuser an der Gohrsmühle prägen die Ansicht des Stadtzentrums von Bergisch Gladbach seit vielen Jahrzehnten. 

Im Planungsausschuss gibt es zur Zukunft der Stadthäuser keine Einigung. Die Entscheidung wird vertagt. Die Folge ist Stillstand.

Die Stadt Bergisch Gladbach sucht nach Interessenten für die alten Stadthäuser in allerbester Lage. Im Planungsausschuss gibt es über das Vorgehen bei der Investorensuche keine Einigung. Zu groß sind die Differenzen zwischen CDU und  SPD/Grüne, eine breite Mehrheit nicht in Sicht. Die Entscheidung, was aus dem großen Areal der Bürogebäude im Stadtzentrum wird, wurde vertagt. Die Folge ist Stillstand.

Über zwei Stunden dauert die Debatte am Donnerstagabend. Kümmerlich ist das das Ergebnis: Vertagung. Ein Arbeitskreis soll jetzt gebildet werden, nach dem Motto: „Wenn Du nicht mehr weiter weißt…“. Obwohl die Zeit drängt. Denn die Immobilien in zentraler Lage werden leer stehen, wenn die Stadtverwaltung Anfang des Jahres umzieht in das umgebaute, frühere AOK-Gebäude in Heidkamp.

Dem Areal im Zentrum kommt eine Schlüsselfunktion zu

Kein schöner Anblick, nicht gut für die Bausubstanz. „Das möchte keiner hier haben in der Stadt“, stellt Helge Merthens, Abteilungsleiterin Stadtplanung, fest. Aber es nützt nichts. Der Zuhörer fragt sich, warum sich die Fraktionen bei so einem wichtigen Thema nicht bereits vor der Sitzung beraten haben, etwa im Ältestenrat?

Denn klar ist: Dem Areal mit „Scharnierfunktion“ zwischen Fußgängerzone, Konrad-Adenauer-Platz und dem künftigen Quartier auf dem Zanders-Gelände kommt eine Schlüsselrolle zu. Dabei geht es um die Frage Erhalt/Teilerhalt oder Abbruch der Gebäude aus den 50er Jahren. Und um die Frage, wie Investoren gewonnen werden können.

Das Treppenhaus ist von unten nach oben fotografiert.

Typisch für die Architektur der 50er Jahre: das spiralförmige, offene Treppenhaus in einem der Stadthäuser.

„Aktuell herrscht ein schlechtes Investitionsklima. Das ist ernüchternd“, sagt Merthens. Ein erster Workshop habe ergeben, dass der Erhalt des Bestands seitens Investoren als niedrig eingestuft werde, ebenso eine klassische Büronutzung. Angesichts der momentanen Bauflaute warnt Mertens: „Eine überfrachtete Erwartung kann die Investorenbereitschaft zerstören.“ Nachgefragt würden aktuell Service-Wohnungen und Mikro-Wohnungen, konzipiert für Senioren beziehungsweise für Studenten oder Berufstätige, berichtet sie.

CDU plädiert für Abbruch der Gebäude

Die Stadtverwaltung schlägt deshalb vor, mit einem sogenannten Konzeptverfahren jetzt schnell in die Suche nach potenziellen Investoren einzusteigen. Bei ihrer Bewerbung könnten sie ihre Nutzungsvorschläge vorstellen. In darauffolgenden Schritten könnten die Fragen nach der konkreten städtebaulichen Form sowie der architektonischen Gestaltung beantwortet werden.

Da geht die CDU nicht mit. Stattdessen setzt sie sich für den umgekehrten Weg ein: die Ausschreibung eines städtebaulichen Wettbewerbs, bei dem die Stadt den grundsätzlichen Rahmen vorgibt, mit Festlegungen über konkrete Nutzungen, die man dort haben will, oder wie hoch gebaut werden darf. Zuvor solle eine Strukturanalyse stattfinden, die die Bedarfe feststelle. „Wir dürfen die Entscheidung nicht aus der Hand geben“, mahnt Michael Metten, CDU-Fraktionsvorsitzender.

„Nichts gegen die alten Stadthäuser“, meint er, „aber lasst uns mal ohne sie denken. Abreißen und neu bauen ist allemal besser als Gebäude, die leer stehen.“ Kollege Robert Martin Kraus fügt hinzu: „Weitere teure, kostenintensive Gutachten zur Situation der Beton- und Stahlträger sollten wir uns sparen.“

Die Grünen äußern Sympathie für den Erhalt der Gebäude. Trotzdem rät Theresia Meinhardt, Co-Vorsitzende der Grünen, dazu, „schnell in die Konzeptvergabe zu gehen“ und Beschlüsse mit einer solchen Tragweite mit breiter Mehrheit zu fassen.

Ragnar Migenda, Erster Beigeordneter, sagt: „Es wird uns vermutlich nicht gelingen, das ganze Ensemble zu erhalten. Aber den Teilerhalt könnten wir bei der Ausschreibung mit einer höheren Punktbewertung versehen. Diese Stellschraube haben wir.“

Ins Leere geht der Kompromissvorschlag, den Merthens macht: „Wir könnten im Konzeptverfahren einige für uns wichtige architektonische Bedarfe festlegen.“


Verlegung der Busspur am Konrad-Adenauer-Platz wird geprüft

In die Debatte um die Zukunft der Stadthäuser hat die CDU die Frage eingebracht, ob es die Möglichkeit gibt, die Busspur aus der Straße entlang des Konrad-Adenauer-Platzes herauszubekommen. „Es ist ein Wunder, dass da noch nichts passiert ist“, sagt Michael Metten, Fraktionsvorsitzender.

Unabhängig von einer künftigen Nutzung im Erdgeschoss: „Der Betreiber hat erst mal eine Bushaltestelle vor der Nase.“ Ragnar Migenda, Erster Beigeordneter kann den Vorstoß nachvollziehen, sieht aber keine Perspektive für einen alternativen Fahrtweg. Nach einem einstimmigen Beschluss des Ausschusses soll die Verwaltung die Verlegung der Haltestelle prüfen. Beschlossen wurde außerdem, das Parkdeck Schnabelsmühle um zwei weitere Etagen aufzustocken. (ub)