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Konvoi in die Ukraine Bergische Hilfe für die Kinder des Krieges

Für die Kinder der Klinik in Lviv hatten die Hilfstransporteure neben medizinischer Hilfe auch Süßigkeiten dabei, die auch Stefan Malczewski (r.) gern mit verteilte.

Für die Kinder der Klinik in Lviv hatten die Hilfstransporteure neben medizinischer Hilfe auch Süßigkeiten dabei, die auch Stefan Malczewski (r.) gern mit verteilte.

Rhein-Berg/Lviv – Mit dem Krieg haben die jungen Patienten im Kinderkrankenhaus der westukrainischen Stadt Lviv längst zu leben gelernt. Es blieb ihnen nichts anderes übrig.

„Wenn mal wieder Luftalarm ist, begeben sie sich mit ihren Eltern in den Luftschutzraum im Keller des Kinderkrankenhauses – ohne Geschrei, ganz geordnet. Es gibt da bereits eine gewisse Routine“, erzählt Ulrich Gürster. Der Bergisch Gladbacher holt Luft. Er ist immer noch tief beeindruckt von dem, was er und seine Mitstreiter beim jüngsten Hilfskonvoi in die Ukraine vor wenigen Tagen erlebt haben.

25 Tonnen Hilfsgütern in das vom Krieg betroffene Land gebracht

Rund 25 Tonnen Lebensmittel, Medikamente, Feuerwehrausrüstung und weitere Hilfsgüter haben der Bergisch Gladbacher Verein Hilfe Litauen Belarus, deren Vorsitzender Gürster ist, und die Humanitäre Hilfe Overath in ihrem dritten gemeinsam Hilfstransport direkt zu den Hilfsbedürftigen nach Lviv gebracht.

Zeichen der Solidarität: Die Hilfstransporteure mit ihren Kontaktpersonen von der Kinderklinik in Lviv.

Zeichen der Solidarität: Die Hilfstransporteure mit ihren Kontaktpersonen von der Kinderklinik in Lviv.

„Beim vergangenen Mal haben wir der Leiterin der Kinderklinik versprochen, mit einer weiteren Hilfslieferung wiederzukommen, und wir haben Wort gehalten“, so Gürster.

Die junge Medizinerin Dr. Zoryana Ivanyuk hatte Tränen in den Augen, wie Norbert Kuhl von der Humanitären Hilfe Overath berichtet. „Auch die Kinder werd’ ich nie vergessen, als wir ihnen nach dem Ausladen der Medikamente und Hilfsgüter noch Süßigkeiten gebracht haben“, sagt der 81-Jährige Hilfstransporteur aus Overath.

Für die Kinder der Klinik in Lviv hatten die Hilfstransporteure um Norbert Kuhl (Foto) und Ulrich Gürster neben medizinischer Hilfe auch Süßigkeiten dabei.

Für die Kinder der Klinik in Lviv hatten die Hilfstransporteure um Norbert Kuhl (Foto) und Ulrich Gürster neben medizinischer Hilfe auch Süßigkeiten dabei.

Neben der Kinderklinik in Lviv hatten die Helfer aus Bergisch Gladbach und Overath, die seit dem Frühjahr bereits mehrere Spendenaktionen gemeinsam organisiert haben, auch Hilferufe eines Militärkrankenhauses und einer weiteren Klinik aus dem ukrainischen Bistum Kamjanez-Podilskyj erreicht.

Von Medikamenten bis zu Lebensmitteln

Neben den in den Kliniken besonders dringend benötigten Arzneimitteln im Gesamtwert von 14.000 Euro stellten die bergischen Hilfsorganisationen mit Unterstützung der aus Polen stammenden und in Kürten praktizierenden Zahnärztin Jolanta Czelej einen Konvoi mit zwei Sattelzügen und zwei Pkw-Gespannen zusammen.

Auch Rollatoren zählen zu den Hilfsgütern, die Dietmar Schur, Dirk Ballsieper und Guido Jansen am Ziel ausladen.

Auch Rollatoren zählen zu den Hilfsgütern, die Dietmar Schur, Dirk Ballsieper und Guido Jansen am Ziel ausladen.

Norbert Kuhl und Karin Fischer gelang es, Lebensmittel und Hygieneartikel im Großhandel mit zehn Prozent Rabat auf den Einkaufspreis zu bekommen, so dass mit 35 500 Euro satte 15 Tonnen Hilfsgüter gekauft werden konnten.

Hilfe von Landwirt, Supermarkt und Feuerwehr

Zwölf elektrische Pflegebetten wurden über den GL Service Bergisch Gladbach organisiert, jede Menge Feuerwehrkleidung und Ausrüstung über Bernhard Hetzenegger, die Freiwillige Feuerwehr Dürscheid und den Feuerwehrverein „SAFeRS“. Die Gladbacher Landwirtsfamilie Fröhlingsdorf steuerte Fleischprodukte und Markus Hetzenegger vom Edeka-Märkten in Sand Süßigkeiten für die Kinder von Lviv bei, so dass sich der Konvoi in den Herbstferien eigentlich samt und sonders auf den Weg hätte machen können. Wenn nicht plötzlich eine zugesagte Zugmaschine ausgefallen wäre.

Der Krieg ist auch in Lviv fernab der Front allgegenwärtig,

Der Krieg ist auch in Lviv fernab der Front allgegenwärtig,

Ein Sattelauflieger hätte wohl im Bergischen bleiben müssen, wenn nicht der Gladbacher Unternehmer Marc Susewind mit seiner eigenen Zugmaschine eingesprungen und einen Tag nach dem Start des restlichen Konvois gemeinsam mit Norbert Kuhl im Fahrerhaus ebenfalls in Richtung Osten aufgebrochen wäre, wo die beiden anderen Lkw-Fahrer Stefan Malczewski und Guido Jansen den zweiten Lastzug bereits in Richtung des zentralen Caritas-Lagers für die Ukraine-Hilfe im polnischen Lezajsk steuerten.

Der Hilfskonvoi in Zahlen

Fast 25 Tonnen Hilfsgüter

9 Hilfstransportteure des Bergisch Gladbacher Vereins Hilfe Litauen Belarus und der Humanitären Hilfe Overath haben ihren dritten gemeinsamen Hilfskonvoi für die Ukraine in das von der russischen Armee angegriffene Land gebracht.

3100 Kilometer hat der Konvoi in 120 Stunden zurückgelegt.

24.588 Kilogramm Hilfsgüter haben die Helfer mit zwei Lastzügen und zwei Pkw-Gespannen nach Lviv/Ukraine gebracht.

15 Tonnen wogen allein die Lebensmittel und Hygieneartikel, die der Hilfskonvoi an Bord hatte: zwei Paletten Sonnenblumenöl, drei  Paletten Fleisch in Dosen, sechs Paletten Fisch in Dosen, vier Paletten Nudeln, jeweils eine Palette: Salz, Zucker, Mehl, Reis, Toilettenpapier, Waschmittel, acht Paletten Kinderwindeln in verschiedenen Größen, drei Paletten Zahncreme, neun Paletten Zahnbürsten, zwei   Paletten Flüssigseife.

14 Feuerwehrschläuche (Spende der freiwilligen Feuerwehr Dürscheid, vermittelt durch Bernhard Hetzenegger) hatte der Konvoi an Bord. Dazu 13 Feuerlöscher (Spende über Bernhard Hetzenegger), 167 Feuerwehr– Hupfhosen, 135 Feuerwehr-Hupfjacken, 20 Feuerwehrdiensthemden, sechs Feuerwehrschlauchbrücken, 23 x 20 Liter Kanister Mehrbereichsschaummittel (allesamt  Spende  Feuerwehr – Verein „SAFeRS e.V.“),  drei neue Stromgeneratoren mit 80 Liter Benzin und Öl, 29 Rollstühle, 47 Rollatoren, acht Toilettenstühle, drei Kinderwagen, 35 Unterarmgehstützen, 109 Kartons mit diversen Utensilien für Krankenhäuser,  14 elektrische Pflegebetten, 74 Kartons mit Kleidung, Schuhe, Haushaltswaren und vieles mehr.

69.722 Euro betrug der Gesamtwert der Hilfsgüter, mehr als 54 000 Euro haben beide Vereine von den eingegangenen Spendengeldern für die Hilfsgüter für die Ukraine ausgegeben. (wg)

Neben ihnen und Gabelstaplerfahrern der Caritas packten auch Gürster, Dirk Ballsieper, Dietmar Schur und Heinz Bernd Padberg kräftig mit an, um die Hilfsgüter auszuladen. Vom polnischen Caritas-Lager wurden sie in kleineren Lastwagen direkt in die Ukraine gebracht.

Mit gemischten Gefühlen über die Grenze

Dorthin ging’s für die bergischen Hilfstransporteure mit den Pkw-Gespannen ebenfalls – nach einer Einladung zum Abendessen im Feuerwehrgerätehaus, einer Übernachtung an einer Sporthalle und einem Frühstück in derselben. „Mit einem mulmigen Gefühl in unseren Bäuchen rollten die Räder zum Grenzübergang Budomierz – Hruszow“, erinnert sich Gürster. Die Formalitäten waren zwar allesamt gewissenhaft erfüllt und mit Pawel Tarnowo auch ein ukrainischer Verbindungsmann im Konvoi, die Zolldeklarationsvorschriften allerdings hatten sich mal wieder geändert. So mussten neue Formulare ausgefüllt werden.

Weiterer Konvoi geplant

Wer weitere Hilfsaktionen der Vereine Hilfe Litauen Belarus und Humanitäre Hilfe Overath unterstützen möchte, findet Infos dazu auf den Internetseiten der Vereine.
www.hilfe-lb.de
www.hhov.de

Nach dreieinhalb Stunden war auch das geschafft, und der Konvoi steuerte an verlassenen Checkpoints vorbei auf Lviv zu. „Erst später erfuhren wir, dass die Soldaten kurz zuvor fast alle nach Kiew beordert worden waren“, so Ulrich Gürster. „Mit sehr gemischten Gefühlen und auch ein wenig Angst“ habe man im örtlichen Priesterseminar übernachtet, bevor am nächsten Morgen die Hilfsgüter für die Caritas und die Krankenhäuser entladen wurden.

Vor allem die Wiedersehensfreude mit der Internistin Dr. Zoryana Ivanyuk aus dem Kinderkrankenhaus war groß. Aber auch der improvisierte Luftschutzraum im Keller der Klinik beeindruckte die bergischen Helfer tief. „Wenn Alarm ist, dann ist manchmal ein Aufenthalt bis zu zwei Stunden in dieser Enge nötig“, erzählt Gürster. „Uns allen reichten schon ein paar Minuten, um das Ausmaß der schlimmen Situation für die Kinder und Erwachsenen zu erahnen.“ Der Krieg ist zum Alltag geworden – in Europa. Deshalb planen auch die bergischen Helfer bereits jetzt einen weiteren Konvoi fürs nächste Frühjahr.