Bergisch Gladbach – Rund vier Wochen nach dem Mord zweier Frauen in Schildgen herrscht in der Wohnstraße auffällige Ruhe. Sobald ein fremdes Fahrzeug in die stille Seitenstraße einfährt, ziehen sich die Anwohner zurück, huschen in ihre Häuser, Fenster werden geschlossen und Gardinen zugezogen.
Am 25. Juni gegen 17 Uhr hatte sich den Ermittlern der Kölner Mordkommission ein furchtbares Bild geboten, als sie einen Bungalow in der Wohnstraße betreten hatten. Die 84 Jahre alte Barbara R. und ihre 58-jährige Tochter Erika G. (Namen geändert) lagen blutüberströmt in dem Haus. Die Frauen hatten massive Kopfverletzungen, waren augenscheinlich erschlagen worden. Ein Handwerker, der schon seit Jahren für die beiden Frauen arbeitete, hatte die Frauen gefunden. Sofort geriet der 52-Jährige in Verdacht, die Tat begangen zu haben. Rund eine Stunde, bevor die Leichen entdeckt wurden, soll der 52-Jährige zusammen mit Erika G. ein renoviertes Gartentor montiert haben. 30 Minuten später soll der Handwerker den behinderten Sohn von Erika G. vor dem Haus abgepasst haben. Er habe dem 23-Jährigen den Hausschlüssel abgenommen und sei dann zusammen mit dem Sohn in das Haus gegangen. Wenige Minuten später sei der 23-Jährige völlig verstört aus dem Haus gelaufen. Der 52-Jährige hatte in der Zwischenzeit die Polizei alarmiert.
Wenige Stunden später hielt die Polizei einen Haftbefehl wegen zweifachen Mordes in den Händen: Der 52-Jährige kam in Untersuchungshaft. Geld sei das Motiv für die Straftat gewesen, mutmaßten mehrere Nachbarn der toten Frauen. Heute, vier Wochen nach der Tat, hat die Polizei das Haus immer noch nicht freigegeben. Das frisch renovierte Gartentor ist immer noch mit dem Sperrband der Polizei verschlossen, das Auto der 58-Jährigen steht immer noch am gleichen Ort im Garten, im Zeitungskasten vergammeln Werbeblätter.
Die Nachbarn in der näheren Umgebung des Tatorts können die anhaltende Sperrung der Immobilie durch die Polizei nicht verstehen. „Wir verstehen hier alle nicht, warum die Polizei das Haus immer noch absperrt. Der junge Mann, der hier gewohnt hat und dessen Mutter jetzt tot ist, kann sich noch nicht einmal Unterwäsche aus dem Haus holen“, sagt ein Anwohner kopfschüttelnd.
Claudia Kammann, Pressesprecherin der Kreispolizei, kann die Situation nicht aufklären. „Die Kollegen, die in diesem Fall ermitteln, haben mir erklärt, dass es nicht außergewöhnlich sei, Tatorte so lange zu sperren.“ Auch die Staatsanwaltschaft in Köln hält sich mit Informationen zum Tötungsdelikt sehr zurück. Pressesprecher Daniel Vollmert: „Der Tatort ist noch gesichert, weil wir im Moment noch ermitteln. Mehr kann ich zu dem Fall nicht sagen.“
Alles deutet darauf hin, dass der 52-Jährige die Tat noch nicht gestanden hat, da augenscheinlich nach weiteren Beweisen im Haus gesucht wird. Für die Nachbarn ist dies keine leichte Situation: Sie wissen immer noch nicht, warum die Frauen sterben mussten, werden aber jeden Tag an die Tat erinnert.