Bergisch Gladbach – Vor den Teilnehmern der Stadtführung schiebt sich der Bergfried aus Beton in den Himmel Bensbergs. Unterbrochen von serpentinenartig angelegten Glasbändern dominiert der Turm des neuen Rathauses das Ensemble aus Burg und Verwaltungsbau.
Rund 20 Teilnehmer wollten am Sonntagnachmittag dabei sein, als Monique Renson im Auftrag der Interessengemeinschaft Bensberger Handel (IBH) zum Frühlingsfestes durch ihr Bensberg führte.
Monique Renson führte durch Bensberg
Ihr Bensberg: Das ist das Bensberg der Belgier und das Bensberg Gottfried Böhms. Renson, im belgischen Maaseik geboren, war selbst bis 1967 Schülerin im belgischen Gymnasium „Koninklijk Atheneum“, das bis 1999 im heutigen Grandhotel Schloss Bensberg untergebracht war.
Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten erst amerikanische und britische, ab 1946 dann belgische Besatzungsmächte den prächtigen Barockbau für ihre Zwecke genutzt. Und Gottfried Böhm? „Als dieser Bau“, sagt Renson und zeigt auf das Rathaus, „1973 fertiggestellt wurde, schämten sich die Bensberger. Dann aber wurde schnell klar, dass das ein ganz wichtiger Böhm-Bau ist und noch heute schauen sich Architekten aus aller Welt das Rathaus an.“ Renson selbst ist bekennender Böhm-Fan.
„Mich fasziniert seine Philosophie, die Formen seiner Architektur“, sagt sie und erzählt den Stadtführungs-Teilnehmern, dass seine Bauten durch zahlreiche Sitzgelegenheiten stets zur Kommunikation anregen sollen. „Dabei ist er selbst ein großer Schweiger, wurde ja auch kaum noch in Talkshows eingeladen“, sagt sie über den Architekten, der am 23. Januar 96 Jahre alt geworden ist.
Zur Einweihung des Bürgerhauses Bergischer Löwe soll er laut Renson lediglich gesagt haben: „Ich freue mich, hier zu sein.“ Drei seiner vier Söhne sind heute selbst Architekten, Paul Böhm baut noch immer an der Moschee in Köln-Ehrenfeld. „Ein Bau, der wohl nie ganz fertig wird“, meint Renson.

Der Sonntag hat das Bensberger Frühlingsfest rausgerissen. Die Händler durften sich über guten Besuch freuen.
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„Für mich war es keine schöne Zeit“, erinnert sie sich ein paar hundert Meter weiter an ihre Schulzeit im neuen Schloss Bensberg. Das belgische Schulsystem war damals auf Drill und Disziplin aus. „Wir sind nie vor halb 10 ins Bett gekommen, weil wir so lange Schule hatten, auch samstags.“
Das Gebäude von damals hat sie als heruntergekommen in Erinnerung. „Und in den Unterrichtsräumen hörte man kaum etwas wegen des Halls in den hohen Räumen. Vor allem nicht in der letzten Bank, in der ich immer sitzen musste, weil ich keine gute Schülerin war“, erzählt die Belgierin offenherzig. Nur an den jährlichen Besuch des Nikolaus in der damaligen belgischen Grundschule an der Falltorstraße erinnert sie sich gern. Der kam gemeinsam mit Knecht Ruprecht im Militärhubschrauber auf den Schulhof. „Das war immer ein schönes Erlebnis.“
„Sensationell war das“, erinnert sich auch Georg Daubenbüchel an den Nikolaus im Helikopter. Der heutige Besitzer des Haushaltswarengeschäftes in der Bensberger Innenstadt erlebte als Zaungast den Hubschrauber im Anflug und erinnert sich überhaupt gerne an die Belgier in Bensberg.
Mit den Pfadfindern zog er oft hoch zum Schloss, wenn der dortige belgische Jugendclub Partys veranstaltete. „Das war für uns damals der Beginn der europäischen Vereinigung.“ Als Vorsitzender der IBH zog er Sonntagnachmittag ein vorläufiges Fazit zu dem zweitägigen Frühlingsfest mit verkaufsoffenem Sonntag: „Am Samstag war es durch das Wetter ein wenig durchwachsen, aber heute sind viele Leute unterwegs, die aufgeschlossen sind für unsere Aktionen.“
Er selbst hatte die Hegeringe Lindlar und Bergisch Gladbach in eine Grill-Präsentation vor seinem Geschäft eingebunden. Wildsau im Brötchen gab es oder Grillwürstchen aus Wildschweinfleisch. „Viele Kollegen sind heute ebenfalls mit Ständen draußen und das freut mich und ist auch wichtig“, sagte der IBH-Chef. Insgesamt boten 130 Stände in die Bensberger Innenstadt Waren und Imbisse und in der Tat waren Schlossstraße und Nikolausstraße sehr gut besucht. Auch von Besuchern von außerhalb.