Die Geräte in der Tiefgarage des Bürgerhauses Bergischer Löwe und am Rosengarten konnten aus Vertragsgründen noch nicht umgerüstet werden.
Dinosaurier der ParkautomatenIn Bergisch Gladbach nehmen noch zwei Parkautomaten Münzgeld

Ein Dinosaurier unter den Bergisch Gladbacher Parkscheinautomaten: Er schluckt noch Münzen.
Copyright: Claus Boelen-Theile
In der Tiefgarage des Bürgerhauses Bergischer Löwe steht ein Relikt aus vergangenen Parkzeiten. Auf der Parkpalette am Rosengarten an der Odenthaler Straße macht der Beobachter die gleiche Entdeckung: ein seltsamer Automat, den es eigentlich in dieser Form nicht mehr geben dürfte. Es sind die letzten „Dinosaurier“ ihrer Art auf städtischen Parkplätzen.
Um welches Relikt handelt es sich: Für beide öffentlichen Parkplätze gibt es noch alte Parkscheinautomaten. Also solche, die auch noch Münzgeld brav schlucken. Und auch Scheine in vielfältiger Variation. Wer hier sein Parkgeld bezahlen möchte, sollte genügend Klimpermünzen im Portemonnaie oder in der Hosentasche haben.
Die Geldmünzen haben ausgedient
Alle übrigen Parkscheinautomaten im Stadtgebiet, die von der Stadt betrieben werden, sind umgerüstet. Umgeswitcht auf App per Handy oder Kartenzahlungen. Von Schildgen bis Refrath, von Hand bis Herkenrath: Die Münzen haben ausgedient. Nur eben nicht in der Tiefgarage am Bürgerhaus und auf der Parkpalette am Rosengarten.Da habe die Stadt wohl vergessen, dass es dort noch Automaten gibt, könnten manche Bürger vermuten.
Aber das stimmt so nicht. Die Stadt kennt auch diese beiden Parkscheinautomaten.Die Erklärung, die auf Nachfrage Patrick Ortmanns aus der Pressestelle der Stadt gibt, ist überraschend: Anfangs wurden diese beiden Parkflächen vom Stadtentwicklungsbetrieb geführt, betreut und abgerechnet. Diesen Stadtentwicklungsbetrieb gibt es schon lange nicht mehr. Ihn hat die Stadt aus strategischen Gründen bereits vor einiger Zeit aufgelöst.
Verträge für die Bewirtschaftung der alten Automaten laufen noch
Geblieben sind die Parkautomaten und mit ihnen auch Verträge, die die Stadt zur Bewirtschaftung der Parkscheinautomaten abgeschlossen hat. Und diese Verträge laufen nach wie vor. Die Stadt als Muttergesellschaft ist für ihre Tochter eingesprungen, sie ist Vertragspartnerin für die Bewirtschafter. Die Stadt, so erklärt es der Mitarbeiter der Pressestelle auf Nachfrage, sei nach wie vor in einem Vertragsverhältnis mit diesen Bewirtschaftern.
Deshalb sei es auch nicht möglich gewesen, bei der großen Systemumstellung zu Ende des vergangenen Jahres die beiden Standorte zu verändern. Überall kamen die Kartenzahlung und die Handy-App. In der Tiefgarage und auf der Parkpalette blieb alles beim bisherigen. Für die Autofahrerinnen und Autofahrer, die in der Stadtmitte einen Parkplatz suchen, keine einfache Geschichte. Je nach gefundenem Parkplatz müssen sie Münzen in der Tasche haben oder eine Bankkarte oder die passende App-Anwendung auf dem Smartphone.
Die beiden letzen Münzautomaten sollen auch nachgerüstet werden
Irgendwann in nächster Zeit laufen die Verträge zwischen Stadt und Bewirtschafterin aus. Wann genau, lässt der Sprecher aus Vertragsgründen offen. Jedenfalls: Nach Vertragsende ist die Stadt frei von Verpflichtungen. Nach und nach werde dann die Systemumstellung auch zu den beiden Münz-Standorten vordringen. Der Sprecher: „Derzeit sind wir dort noch vertraglich gebunden, weshalb die Münzzahlung dort noch möglich ist. Wenn die Verträge des ehemaligen Stadtentwicklungsbetriebs auslaufen, könnten diese Automaten auch nachgerüstet werden.“
Eines Tages, so kann man es sich vorstellen, werden die betagten Automaten verschwunden sein und die schöne neue Karten- und Handywelt wird Einzug gehalten haben. Es wird dann wie bei den Telefonzellen sein. Jeder hat sie früher benutzt, heute wirken sie wie ein Überbleibsel aus lange vergessener Welt.
Politik entschied sich für Automaten ohne Bargeld
Auf den öffentlichen Parkplätzen hatte die Stadt die Automaten gewechselt, weil sie mit dem bisherigen Betreiber Schwierigkeiten bekommen hatte. Das tägliche Einsammeln des Münzgelds erwies sich zunehmend als schwierig, ebenfalls das Einzahlen bei einem Geldinstitut. Um bei einer anstehenden Ausschreibung nicht in Kalamitäten zu kommen, entschied sich die Politik nach ziemlich langer Debatte, auf Bankkarte und Handy-App umzustellen.
Mittlerweile scheinen sich die meisten Nutzer daran gewöhnt zu haben. Der früher routinemäßige Blick ins Münzfach der Geldbörse wird jedenfalls seltener. Für alle Nostalgiker gibt es noch übers Bürgerbüro Parkkarten aus Karton für unterschiedliche Zonen und Zeiten. Mitunter müssen dann mehrere der bunten Kärtchen hinter die Windschutzscheibe gelegt werden. Nicht jeder hat aber diese Tickets zur Hand, wenn er sie braucht.
Und aufgepasst: Sie gelten überall, nur nicht für die Parkplätze in der Tiefgarage des Bergischen Löwen und für die Parkpalette Rosengarten an der Odenthaler Straße. Nur hier geht es noch mit Münzgeld und Scheinen. Autofahrer müssen deshalb auf der Hut sein und immer zweigleisig beim Parken in Bergisch Gladbach denken.
