Bergisch Gladbach – Herr Sturm, Sie sind Immobilien-Sachverständiger von Beruf, daneben haben Sie 25 Jahre ehrenamtlich als Denkmalpfleger in Rösrath gearbeitet. Wie kam es dazu?
NIKOLAUS J. STURM:Eigentlich war mir das in die Wege gelegt, weil ich im Alten Schloss in Bensberg geboren bin, wo früher anstatt des Rathauses ein Krankenhaus war. Anfang der 80er Jahre habe ich dann ein Haus gesucht und bin auf die Sülzer Burg gestoßen. Gegenüber wurde ein kleines Häuschen angeboten, da habe ich die Eigentümerin der Sülzer Burg kennen gelernt. Das Burghaus stand eigentlich gar nicht zum Verkauf, hat mich aber interessiert. Eine Woche später habe ich dort noch einmal Fotos gemacht, da hat mich die Eigentümerin zum Kaffee hereingebeten und gefragt: Wollen Sie die Burg nun haben oder nicht? Dann hatte ich also ein denkmalgeschütztes Objekt, die anschließende Sanierung hat zwei Jahre gedauert. In dieser Zeit habe ich die Denkmalpflege kennen gelernt, das war ein positives Erlebnis. Danach hat mich der Landeskonservator bei der Gemeinde Rösrath als Denkmalbeauftragten vorgeschlagen.
Und dann haben Sie Spaß an dieser Aufgabe gefunden?
STURM:Klares Ja. Es ist auch nicht so, dass ich jetzt komplett mit der Denkmalpflege aufhöre. Ich werde die Stadt und die Bürger weiter beraten. Aber es gibt nun eine hauptamtliche Mitarbeiterin beider Stadt, die offiziell die Anträge bearbeitet.
Ist das Wort eines ehrenamtlichen Denkmalpflegers genauso viel wert wie das eines hauptamtlichen?
STURM:Einige Leute sagen, dass es mehr wert ist. Als öffentlich vereidigter Sachverständiger bin ich total unabhängig. Die Bürgermeister haben mir hierzu stets ihr Vertrauen ausgesprochen. Als Eigentümer eines denkmalgeschützten Objekts weiß ich, wovon ich spreche. Als ich letzten Herbst bei dem Baggereinsatz am Forsbacher Hof alarmiert wurde, stellte ich mich auf der Baustelle vor den Bagger und sagte zum Bauleiter: „Es ist in Ihrem persönlichen Interesse, dass Sie jetzt sofort die Abrissarbeiten einstellen und sich an die Genehmigungsauflagen halten.“
Was für ein Arbeitsaufwand kommt auf einen ehrenamtlichen Denkmalpfleger zu?
STURM:Das ist unterschiedlich. Oft läuft es wie bei einem Feuerwehreinsatz: Ich bekomme einen Anruf von der Stadt oder einem Bürger und dann versuche ich, die Denkmalbelange zu regeln. Mal ist ein, zwei Wochen gar nichts los, dann kommen zwei Wochen permanenter Einsatz. Zwischendurch habe ich auch noch beruflich zu tun, aber nach dem Baustopp am Forsbacher Hof hatte ich eine Zeit lang mindestens zehn Telefonate am Tag zu führen.
Was waren für Sie die größten Erfolge in 25 Jahren?
STURM:Da fällt mir spontan die alte Scheune neben der Barbarakapelle in Hellenthal ein. Das allererste Objekt, das ich vor 25 Jahren bearbeitet habe. Die könnte weg sein oder Dach und Fassade könnten aus Eternit sein. Natürlich war ich mit Schloss Eulenbroich und der Torburg immer beschäftigt. Die Kupfersiefer Mühle war auch ein größeres Projekt, Schloss Venauen ebenso. Eine der letzten Herausforderungen war der Forsbacher Hof. Ich gehe fest davon aus, dass dort jetzt die alte Fassade erhalten wird.
Es ist aber nicht mehr die Originalfassade.
STURM:Sicherlich. Man muss aber sagen, dass das Gebäude ursprünglich an einer anderen Stelle gebaut und danach versetzt wurde. Auch die alte Bausubstanz im Inneren bestand nur noch zu einem Bruchteil. Mit Zustimmung des Landeskonservators sollte deshalb lediglich die Fassade erhalten bleiben. Jetzt sind immerhin die alten Balken Holz für Holz nummeriert, gesichert und eingelagert. Sie sollen wieder verwendet werden. Das ist mit einer hohen Erfüllungsbürgschaft abgesichert.
Hatten Sie auch mal mit einer Sachlage zu tun, bei der es keine zufriedenstellende Lösung gab?
STURM:Das tatsächlich einzige unerfreuliche Projekt bleibt das alte Fachwerkhaus an der Bahnhofstraße im Zentrum von Hoffnungsthal. Der Eigentümer war sich beim Kauf über den Denkmalwert des Objekts vollständig im Klaren. Stadt und Land haben ihm Zuschüsse für den Ausbau zugesagt – inzwischen sind sie verfallen. Ich stehe weiter für konstruktive Hilfe zur Verfügung und hoffe auf die Einsicht des Eigentümers.
Wie können Sie Eigentümer von denkmalgeschützten Objekten unterstützen?
STURM:Man kann ihnen sagen, wie eine Sanierung technisch am besten und kostengünstig zu realisieren ist. Zur Beratung kommen Hinweise auf Steuervorteile und mögliche Zuschüsse. Wobei ich zugeben muss, dass Zuschüsse bei der aktuellen Haushaltssituation kaum zu realisieren sind. Es gibt auch eine Art emotionale Beratung: Am besten ist es, wenn der Eigentümer ein Denkmal mit Stolz und Freude erhält und pflegt.

