Publikum in Festtagsstimmung
„Wir sagen K, und ihr antwortet Pop!“ Mehr brauchte es am Freitagabend im Bürgerhaus Bergischer Löwe nicht, um das Publikum auf Betriebstemperatur zu bringen. „K-Pop!“, schallte es hundertfach und recht hochfrequent aus dem Saal zurück. Gekommen waren vor allem junge Mädchen, viele von ihnen in funkelnden Glitzerkostümen, mit denen sie ihren großen Vorbildern nacheiferten. Auch die Nachfragen von der Bühne: Wer ist Fan von Twice, von BTS oder Blackpink, beantwortete das Publikum enthusiastisch. Und weil der Nachwuchs in diesem Alter selten allein reist, saßen zahlreiche Eltern daneben, die im Laufe des Abends, ob sie wollten oder nicht, selbst ein wenig zu K-Pop-Fans mutierten.
Kein Originalkonzert, sondern eine Bühnenshow
Was der Veranstalter Reset Production und die „Reset Production“ unter dem Titel „K-Pop Live! – Die Hits. Die Moves. Die Show.“ auf die Bühne brachten, war freilich kein Originalkonzert der koreanischer Megastars. Da echte Größen des Genres wie BTS, Blackpink oder Twice in Deutschland nur selten und dann in riesigen Arenen auftreten, bedient diese Produktion eine Marktlücke vor der Haustür: Sie bringt das Lebensgefühl eines weltweit erfolgreichen Musikformats als kompakte Bühnenshow in die Städte.
Harte Schule hinter der bunten Fassade
Ursprünglich stammt K-Pop aus Südkorea, wo hinter der bunten Fassade knallharte Bedingungen herrschen. In speziellen Akademien und Agenturen werden junge Talente über Jahre hinweg gedrillt, bis jede Bewegung und jeder Ton sitzt. Bei den Original-Idols verschmelzen Hochleistungstanz und Gesang zu einer Einheit. Im Bergischen Löwen wählten die Macher einen pragmatischen und klugen Weg: Sie teilten die Arbeit im zwölfköpfigen Ensemble auf.
Gesang und Tanz auf verschiedene Schultern verteilt

Viele Freunde hat Pop aus Korea.
Copyright: Christoph Konkulewski
Während die Musik vom Band kam, übernahmen ausgebildete Musicaldarstellerinnen den Live-Gesang. Sie bewegten sich mit ansteckend guter Laune über die Bühne, überließen die harten, körperlich fordernden Choreografien jedoch den spezialisierten Tänzerinnen. Diese Trennung tat der Qualität gut: Wer nicht nach Luft ringt, trifft die Töne sicherer.
Satter Sound, Lichtshow und LED-Wand
Dazu wummerte ein satter, aber sauber ausgesteuerter Sound durch den Saal. Manch jüngeren Fan ließ der Schalldruck im ersten Moment zusammenzucken, doch beim K-Pop gehört die Dezibel-Dusche zum Handwerk. Auch optisch klotzte die Produktion: Eine rasante Lichtshow zerschnitt den Raum, während sich im Hintergrund Grafikdesigner auf einer gestochen scharfen LED-Wand mit ständig wechselnden Farben und Formen ausgetobt hatten. Ohne Längen und mit hohem Tempo zog das Ensemble die Show durch.
Songauswahl: Ohrwürmer aus dem Kinderzimmer
Wie tief die westlich-asiatische Popkultur inzwischen im Kinderzimmer verankert ist, zeigte sich bei der Songauswahl. Als der temporeiche Ohrwurm „Soda Pop“ erklang, ein millionenfach gestreamter Hit der fiktiven Gruppe Saja Boys aus dem Animationsfilm „KPop Demon Hunters“ oder „Gabriela“ von der multinationalen Gruppe Katseye angestimmt wurde, kannte der Saal kein Halten mehr. Besonders bei den langsameren Balladen sangen die jungen Besucherinnen jede Zeile textsicher mit. Die Begeisterung überwand jede Sprachbarriere mühelos.
Fotowunsch auf der Bühne bleibt unerfüllt
Am Ende war die Euphorie im Bürgerhaus so groß, dass viele Kinder unbedingt noch ein Erinnerungsfoto von sich direkt auf den Brettern machen wollten, die zuvor ihre Vorbilder getragen hatten. Diesen Wunsch mussten die Veranstalter jedoch freundlich, aber bestimmt ablehnen. Die Bühne ist schließlich ein Arbeitsraum, die Werkstatt der Künstler – und die bleibt dem Publikum aus Sicherheitsgründen verschlossen. Als Alternative gab es Fotos und Autogramme mit den Stars im Foyer.

