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Bergisch GladbachMit 100 sind die Refrather Hubertus-Schützen kein bisschen angestaubt

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Schützen in grünen Jacken, einer mit einer Fahne

Der Zug kommt am Schützenheim an.

St. Hubertus-Schützen feiern ihr 100. Jubiläum – und eine Frau übernimmt als König.

 Alt eingesessen, aber lebendig zeigten sich die Refrath St. Hubertus-Schützen zum 100. Geburtstag. Auch Frauen sind in der Schützenbrüderschaft ausdrücklich willkommen, um mitzumischen und beweisen, dass sie längst mehr können, als Brötchen zu schmieren.

Es gibt hundert Jahre nach Vereinsgründung zwar nur noch 33 aktive Schützen, dafür sind alle mit Herz und Seele Teil der Gemeinschaft. Sie freuten sich alle auf das Jubiläumswochenende mit Messe, Party und Schützenzug, der zum letzten Mal 2019 stattgefunden hatte. „Der finanzielle Rahmen war einfach zu groß“, begründeten sie. Dass es sich zum Jubiläum dennoch erst recht lohnte, die Tradition weiterzuführen, bewies die Teilnahme vieler befreundeter Vereine.

Heike Praemassing und Prinzgemahl Jörg übernahmen ab Sonntag

Den weitesten Weg hatte die „Gilde neder over Heenbeek“ aus Belgien auf sich genommen. Von der Steinbreche aus marschierte die Truppe zum Festzelt, wo der noch amtierende Schützenkönig Boris Biesdorf alle herzlich in Empfang nahm. „Ich bin kein Mann der vielen Worte, kommt alle rein“, begrüßte er die Gäste herzlich. „Die Motivation beim Schießen war natürlich noch mal größer im Hinblick auf das 100-jährige Bestehen. Zumal ich mit Thomas Eckermann auch starke Konkurrenz hatte“, erinnerte sich Biesdorf an den Tag zurück, an dem er den Vogel erfolgreich zu Fall gebracht hatte und genoss somit einen ganz besonderen Abschluss der Amtszeit.

Heike Praemassing und Prinzgemahl Jörg standen da längst in den Startlöchern, um ab Sonntag zu übernehmen. „Ich bin dann König, keine Königin“, beharrte sie auf die korrekte Bezeichnung. „Und das sogar zum zweiten Mal“, war sie voller Vorfreude. „1990 wurden die Frauen in den Verein aufgenommen und seitdem zeigen wir, dass wir den Vogel genau so gut runterholen können, wie die Männer.

Auch die Gemeinschaft steht beim Verein im Fokus

Refrath ist ein moderner Vorreiter, was Frauen im Schützenverein betrifft und ohne uns, hätte der Verein vielleicht schon die Türen abgeschlossen“, ist Heike Praemassing stolz, ein Teil davon zu sein. „Es ist ein toller Sport, auch die Jungen sollten sich dafür interessieren“, schwärmt sie und hat mit dem 91. Schuss den entscheidenden Treffer gesetzt. „Man muss den Vogel lesen, dann ist man erfolgreich. Es nützt nichts, gegen die Maserung zu schießen. Einerseits gehört Glück, andererseits auch Taktik und Gefühl dazu“, macht sie Neulingen Mut, sich auf die Materie einzulassen.

Doch nicht nur der Sport und die gelebte Tradition, auch die Gemeinschaft steht beim Verein im Fokus. „Was uns besonders macht? Unser Humor“, sind sich Tommy, Guido, Meiko und all die anderen sicher. „Wir sind wie eine große Familie“, beschrieben sie und vermittelten ihren Gästen das Gefühl sofort. „Heute kommen alte Erinnerungen hoch, früher haben wir im Zelt gestanden und unsere Eltern abgeholt“, freuten sie sich auf den anstehenden Partyabend in der Steinbreche nach dem gemütlichen Umtrunk vorm Schützenhaus, bei dem die Kegelbrüder „Puppepöötzje“ die Gäste mit kühlen Getränken versorgten.

Samstag feierten die Schützen mit zahlreichen Gästen in der Steinbreche

Was so eine Party alles bezwecken kann für den weiteren Lebensweg, wissen Guido und Bianca zu gut„. Wir sind zusammen in die Schule gegangen und hatten uns aus den Augen verloren. Nach zehn Jahren haben wir uns hier wieder auf dem Schützenfest getroffen. Am gleichen Abend habe ich zu meinen Eltern gesagt: Das ist eure Schwiegertochter. Mittlerweile sind wir 26 Jahre verheiratet“, verriet Guido eine besonders schöne Anekdote.

Ehe die letzten Sonnenstrahlen verschwunden waren, fanden sich die Schützen mit zahlreichen Gästen in der Steinbreche wieder. „Sounds of Scotland“ eröffnete den Abend, der bewies, dass es sich für die jüngeren Generationen in jeder Hinsicht lohnt, Traditionen zu erhalten: Erstmals schwang Marc die Fahne der Steinenbrücker Schiffermädchen und Anton unterstützte die Flöckchen mit seinen Künsten am Saxophon, bevor Eldorado vor Mitternacht das Ende des offiziellen Programms für Samstag einleitete, schließlich läuteten die Glocken zur Festmesse am Sonntag zeitig.