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GeburtstagDie 100-jährige Paffratherin Maria Eva Bündgen besinnt sich auf die kleinen Dinge des Lebens

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Bündgen trägt graue gelockte Haare, eine Brille und einen pinken Blazer, während sie auf der Couch sitzt.

Liest jeden Tag die Zeitung: die 100-jährige Maria Eva Bündgen.

„Man muss es so nehmen, wie es kommt, und dabei immer fröhlich bleiben“, lautet das Motto der 100-Jährigen.

„Wenn ich aufstehe, ist es das Beste, wenn der Kaffee duftet“, freut sich Maria Eva Bündgen. „Dann gehe ich herunter und bereite das Frühstück für uns vor“, erzählt sie weiter. Anschließend wird der Kölner Stadt-Anzeiger gelesen. Für sie ein Stück Heimat: In Solingen geboren, wuchs sie in Köln-Nippes und später im Severinsviertel auf. An diesem Samstag wird sie 100 Jahre alt und wohnt seit 2014 bei ihrer Schwiegertochter und ihrem Sohn in Paffrath. Auch die Schwiegermutter ihres Sohnes zog damals mit ein.

Maria Bündgen erzählt lebendig und verbreitet eine ansteckende Lebensfreude. Sie lacht viel, freut sich über ihre Familie und erklärt ihr Lebensmotto: „Man muss es so nehmen, wie es kommt, und dabei immer fröhlich bleiben!“

Bündgen lebt glücklich mit ihrer Familie Zusammen unter einem Dach

Wir sitzen bei dem Gespräch im „Salon“, einem Zimmer im Obergeschoss des Hauses. Dort haben ihr Sohn Wolfgang Bündgen und seine Frau eine komplette Wohnung eingerichtet – für beide Mütter. „Irgendwann schlug Wolfgang vor: „Zieh' doch mit Inge zu uns, aber überlege das gut', hat er mir gesagt“, berichtet die 100-Jährige. „Da habe ich gar nicht lange überlegt, sondern sofort zugesagt“, ergänzt sie.

Es war eine wunderbare Zeit. Gemeinsam unternahmen die beiden Mütter Spaziergänge, fuhren einmal die Woche in ihre alte Heimat Köln und saßen oft in ihrem Salon. Unten wohnten ihre beiden Kinder, mit denen gemeinsam gegessen wurde. „Meine Schwiegertochter ist eine tolle Köchin, und ich verstehe mich mit ihr ausgezeichnet. Ich kann sie gar nicht oft genug loben“, begeistert sich Maria Bündgen und strahlt.

Bis heute erinnert sich die Seniorin an den Krieg

Nachdem sie die Zeitung gelesen hat, fragt sie immer: „Was gibt es zu tun? “, erzählt ihr Sohn. Dann schält sie Kartoffeln, schnippelt Bohnen und schneidet Möhren für das Mittagessen. Anschließend geht sie wieder nach oben. „Mittags brauche ich mein Nickerchen“, erklärt sie.

Die Erinnerungen an den Krieg sind noch lebendig. „Im Severinsviertel hat es ganz schön gescheppert“, erinnert sie sich. Auch an die Zeit im Arbeitsdienst. Ein Satz ist ihr im Gedächtnis geblieben, weil der sie damals besonders getroffen hat. Kurz vor Ende des Krieges sei ein Offizier zu ihnen gekommen und habe gesagt: „Die Amerikaner haben das heilige Köln eingenommen!“

Freundlich und herzlich begegnet sich die Familie Bündgen

„Glücklicherweise hat meine Mutter das 1000-jährige Reich, das dann zum Glück nur zwölf Jahre hielt, unbeschadet überlebt“, stellt ihr Sohn fest. Mittlerweile freut sie sich an den kleinen Dingen des Lebens: Sie beobachtet die Vögel – die Blaumeisen, den Buntspecht oder ihren Liebling, das Rotkehlchen. Überhaupt denkt sie, dass man in Gladbach ganz ausgezeichnet alt werden kann. Die Hast und den Lärm der Großstadt kann sie nicht mehr gut ertragen.

Von unten hört man Kinderstimmen. Drei Urenkel kommen zu Besuch mit ihrem Vater Felix. Sie stürmen die Treppe hinauf und umarmen ihre Uroma Mia. „Von unseren drei Kindern wohnen zwei in der Nähe und einer in München“, sagt Wolfgang Bündgen. „Zeitweise haben wir die Kinder betreut, und meine Mutter war auch eingebunden.“ Die Familie begegnet sich ausgesprochen freundlich, es wird gelacht und erzählt.

Abends trinkt Bündgen ein Glas Wein

Abends gibt es ein kleines Glas Rotwein - oder Weißwein im Sommer. Und besonders schön ist: Einmal die Woche geht Maria Bündgen in den Keller. Dort hat ihre Schwiegertochter – sie war Friseurmeisterin – einen professionellen Platz eingerichtet. „Das schätzen doch alle älteren Frauen: Einmal in der Woche zum Friseur“, vermutet ihr Sohn. „Ich kann meine Schwiegertochter gar nicht genug loben“, der Satz, ganz zu Beginn des Gesprächs, kommt wieder hoch.

Wolfgang Bündgen war Steuerberater, liebt Zahlen und hat zusammengetragen: 2022 lebten 2630 99-Jährige in NRW. Auf Bergisch Gladbach umgerechnet sind das etwa 160, die meisten weiblich. Aber nur wenige werden geistig und körperlich so fit sein wie Mia Bündgen. Herzlichen Glückwunsch zum 100. Geburtstag!