Ein Reifen kann ein Ring sein. Ein Zeichen der Verbundenheit, wie ein Ehering oder ein Freundschaftsarmband. Er kann aber auch zur Grenze werden, aus der man nicht mehr herauskommt. Auf der Bühne des Jugend-Kulturzentrums Q1 liegen Reifen am Boden, andere hängen von der Decke. Dazwischen stehen neun junge Menschen in roten und orangefarbenen Trainingsanzügen. Hinter ihnen ist alles schwarz.
Eine Collage über die Liebe
„Puls 354“ heißt die Produktion, mit der das Junge Ensemble Bergisch Gladbach am 16. Oktober zum letzten Mal auf der Bühne steht. Die Plätze im Q1 sind fast alle besetzt. Rund 80 Minuten lang geht es um den ersten Kuss, die Angst vor dem Verlassenwerden, um Eltern, Freundschaften und die Frage, was bleibt, wenn ein geliebter Mensch stirbt. Allerdings nicht in einer fortlaufenden Geschichte. Die Collage reicht vom Kind im Mutterleib über den ersten Kuss bis zum Verlust. Mal wird es komisch, mal bedrückend, mal still. Kurze, manchmal widersprüchliche Szenen reihen sich aneinander.
Von Dating-Apps bis Queerfeindlichkeit
Da ist die Aufregung vor dem ersten Mal. Da sind Ratschläge gegen Liebeskummer und die Suche nach Nähe über Dating-Apps. In einer Szene vertraut jemand seine Gefühle einer Künstlichen Intelligenz an. In derselben Szene kippt Zuneigung in Kontrolle: Wo hört Fürsorge auf, wo beginnt Stalking? Auch Queerfeindlichkeit und Fremdenfeindlichkeit werden thematisiert. Die Liebe ist hier nicht bloß Privatsache, sondern auch eine Frage danach, wie Menschen miteinander umgehen.
Die Jugendlichen schreiben die Texte selbst
Die Texte haben die Jugendlichen selbst geschrieben. Regisseurin Kristin Trosits hat ihnen kein fertiges Theaterstück vorgelegt. Sie recherchierten und entwickelten daraus Dialoge und Monologe. Auch Menschen aus Bergisch Gladbach wurden im Vorfeld gefragt, was Liebe für sie bedeutet. Tonaufnahmen führen weitere Stimmen ein.
Publikumsgespräch mit den Mitwirkenden

Nah am Leben junger Menschen.
Copyright: Alex Merkel
Beim Publikumsgespräch nach der Vorstellung erzählen die Mitwirkenden, wie das Stück entstand und die Proben abliefen. Für die Wiederaufnahme von „Puls 354“ kamen dieses Jahr vier neue Ensemblemitglieder hinzu. Auch Auftritte vor der eigenen Schule und Lampenfieber sind Thema. Zudem verraten die Jugendlichen ihre Lieblingsszenen: vom Quiz am Anfang über eine Kussszene bis zum Schluss.
17. Produktion und positive Bilanz der Spielzeit
„Puls 354“ ist bereits die 17. Produktion des Jungen Ensembles, das Kristin Trosits und David Heitmann 2009 gründeten. Nach 15 Jahren am Theas Theater arbeitet die Gruppe seit 2025 unabhängig. Geblieben ist ihr Motto: „Was die Jugend bewegt, im Theater erfahren!“ Über zwei Spielzeiten hinweg gab es 18 Auftritte, acht allein in diesem Jahr. Alle Schulvorstellungen waren ausverkauft. Bei den Abendvorstellungen kamen zwar weniger Zuschauer als im Vorjahr, Regisseurin Kristin Trosits ist trotzdem sehr zufrieden und wertet die Spielzeit als Erfolg für das Jugendtheaterprojekt.
Heimat-Preis für das Junge Ensemble
Dieser Erfolg wurde jüngst ausgezeichnet: Beim Heimat-Preis der Stadt Bergisch Gladbach erreichte das Junge Ensemble wie berichtet den zweiten Platz und erhielt 1500 Euro. Das Geld soll auch in eine neue Produktion 2027 fließen.
So kann man beim nächsten Mal mitmachen
Wer beim nächsten Mal mitmachen möchte, kann sich bereits beim Jungen Ensemble melden. Angesprochen sind theaterinteressierte Jugendliche; bei der jüngsten Bewerbungsrunde waren sie zwischen 13 und 18 Jahre alt. Schauspielerfahrung ist nicht erforderlich, die Teilnahme kostenlos. Für 2027 sind wieder Castings im März vorgesehen. Interessierte können schon jetzt eine formlose Bewerbung per E-Mail schicken und darin erklären, warum sie Teil des Ensembles werden möchten. Kontakt: mail@kristintrosits.de.

