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Beruflicher NeustartAnna Gürster steht endlich auf der Bühne des Bergischen Löwen

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Eine Frau steht mit ausgebreiteten Armen auf einer Theaterbühne, hinter ihr rote Stuhlreihen.

„Hey, hier bin ich“, sagt diese Pose von Anna Gürster auf der Bühne: Schon als Kind träumte die Schauspielerin davon, im Bergischen Löwen vor großem Publikum zu spielen.

Einige Umwege führen die 27-Jährige nun in die Heimat Bergisch Gladbach zurück - als Mitglied der Münchener Schauspielgruppe Heigelhof Theater.

Ihr ging es eigentlich ganz gut in München. Die in Bergisch Gladbach geborene und aufgewachsene Anna Gürster (27) hatte in der bayrischen Hauptstadt noch bis Juni dieses Jahres einen gut bezahlten Job bei einer Online-Marketing-Agentur. Sie hatte eine schöne Wohnung, surfte im Sommer gerne am Eisbach, hatte einen liebgewonnenen Freundes- und Bekanntenkreis.

Die junge Frau genoss das Leben an der Isar. „Ja, ich hatte eine wirklich gute Lebensqualität“, sagt sie. Aber irgendwie war sie damit nie so richtig glücklich. Der Grund: „Letztes Jahr im Winter habe ich das realisiert: Es ist der Job. Ich musste was anderes tun.“

Ein Leben auf Reisen

Nach der Realschule in Herkenrath hatte sie damals erst einmal eine Ausbildung zur Gymnastiklehrerin am Berufskolleg in Bergisch Gladbach-Heidkamp gemacht. Dann ging sie auf Reisen. Ein Jahr Australien, am Strand von Sydney verkaufte sie Bagels, um den Aufenthalt zu finanzieren. Anschließend ging es mit einem Freund nach Neuseeland und im Frühjahr 2020 kam dann Corona und zwang sie zur Rückreise nach Bergisch Gladbach.

Nach der Pandemie zog es sie wieder weg. Unter anderem lebte sie sechs Monate mit ihrem damaligen argentinischen Freund in Buenos Aires, war dort für ein deutsches Automobilunternehmen tätig. Sie verbrachte eine Wintersaison in den österreichischen Bergen, arbeitete als Skilehrerin. „Sport hat mich eigentlich mein ganzes Leben begleitet.“

Schon als Kind stand sie auf der Bühne

Nach den vielen Ortswechseln und Reisen begann Gürster 2024 als Quereinsteigerin bei der Münchener Online-Marketing-Agentur. Das lief gut, machte ihr Spaß. Aber da war noch etwas ganz anderes. „Wir sind mit Freunden jede Woche ins Theater gegangen“, berichtet sie. Später ging sie auch alleine in die Münchener Kammerspiele, saß gerne in der ersten Reihe, beobachtete die Schauspielerinnen und Schauspieler ganz genau beim Agieren.

Gürster stand nämlich selbst schon als Kind und Jugendliche häufig auf der Bühne. Beim bergischen Laientheater „Strunger Baach“, in Schul-AGs in Herkenrath und bereits davor bei den Messdienern von St. Laurentius in Bergisch Gladbach. Als Kind ging sie mit einem Theater-Abo regelmäßig in die Aufführungen im Bergischen Löwen. Die Leidenschaft für die Bühnenkunst war immer da. „Ich habe eigentlich schon immer davon geträumt, hier im Bergischen Löwen auch mal auf der Bühne zu stehen.“

Bewerbung an der Schauspielschule

Im vergangenen Winter dann die ernsthafte Überlegung: „Ich probiere es jetzt, bewerbe mich an der Schauspielschule.“ Doch dann kamen die Zweifel: „Ich war 27, fest im Berufsleben. Es war klar, dass ich dafür mein komplettes Leben nochmal neu anfangen müsste.“ Was jetzt? Sicherheit oder Leidenschaft? Für Gürster schließt das eine das andere nicht aus. Im Gegenteil: „Sicherheit ist das zu tun, was man liebt“, sagt sie heute selbstbewusst.

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Denn sie ging zum Vorsprechen. „So werde ich es nicht irgendwann bereuen, dass ich es nicht einfach mal versucht habe.“ Trotz einiger Blackouts bei der Aufnahmeprüfung an der renommierten privaten Schauspielschule Zerboni wurde sie genommen. Allerdings am Kölner Standort der Schule. Jetzt lebt sie seit zwei Wochen in einer WG in Köln-Ehrenfeld, muss jobben, um die Schule zu finanzieren, aber sie ist glücklich und spürt: „Es war die richtige Entscheidung.“

Am 26. September 2026 steht sie mit der Münchener Schauspielgruppe Heigelhof Theater nun tatsächlich auf der Bühne des Bergischen Löwen. Sie spielt die Johnna in „Im August in Osage County“ und verspricht dem Publikum ein eskalierendes in den USA spielendes Familiendrama: „Dramatisch, spannend, schockierend, intensiv und mit schwarzem Humor.“