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Bergisch GladbachNeustart für die Laurentiusstraße mit Hindernissen

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Die Straße mit ihren Markierungen für Radfahrer.

Jetzt, wo die Parkplätze auf der Laurentiusstraße weg sind, ist die Straße gut einsehbar. Autofahrer und Radler sind mit hohem Tempo unterwegs.

Ein falsches Verkehrsschild auf der neugestalteten Laurentiusstraße sorgt für Irritaionen. Händler und Anwohner wünschen sich, dass endlich Schluss ist mit dem Hin und Her. 

Die Baustellenzäune sind weg. Die Laurentiusstraße in Bergisch Gladbach ist wieder für den Verkehr freigegeben. Die Neugestaltung der 600 Meter langen Achse zwischen Innenstadt und Odenthaler Straße ist zu einem Politikum geworden, wie es wohl keine andere der Straßen im Stadtgebiet sein dürfte: Fahrradfahrer haben jetzt freie Fahrt und Fußgänger mehr Platz, dafür gibt es für Kraftfahrzeuge kaum noch einen Halt. Ein Kompromiss, der nicht alle glücklich macht.

Iris Neugebauer und Udo Birwer haben gerade einen der wenigen verbliebenen Parkplätze ergattert und sind dabei, ihre Einkäufe auszuladen. Auf die neue Verkehrssituation angesprochen, sprudelt es aus den Anwohnern förmlich heraus. „Die Zweckmäßigkeit für die hohe Ausgabe erschließt sich mir überhaupt nicht“, schimpft Birwer. „Wir hatten hier doch gar keine Schlaglöcher. Andere Straßen hätten es viel nötiger gehabt“, kritisiert Neugebauer.

Kosten für die Neugestaltung belaufen sich auf 1,5 Millionen Euro

Die Laurentiusstraße stellt den bisher ambitioniertesten Versuch der Stadtverwaltung dar, die Mobilitätswende erfahrbar zu machen. Ursprünglich solle die Verbindungsstraße, nicht gerade als Paradies für Radler bekannt, Modellcharakter haben und zur ersten Fahrradstraße in Bergisch Gladbach umgebaut werden.

Umgesetzt werden konnte am Ende nur die kleinste mögliche Variante: Die Stadt erneuerte die Asphaltschicht, strich die meisten Parkplätze zugunsten von beidseitige Radschutzstreifen und einen breiteren Gehweg mit Sitzbänken aus Holz und Fahrradbügel, die für eine bessere Aufenthaltsqualität sorgen sollen. Die Stadt beziffert die Kosten mit 1,5 Millionen Euro.

Mehrere Verkehrsschilder sind zu sehen.

Das falsche Verkehrsschild an der  Kreuzung Am Broich/Laurentiusstraße ist inzwischen mit Plastik abgeklebt.

„Hier ist sehr viel Geld ausgegeben worden. Punkt!“, sagt Gaby Breidenbach, ebenfalls Anwohnerin. Dass die Straße interessant zum Flanieren und Chillen sei, habe sie noch nicht beobachten können. Für Irritationen sorge die neue Verkehrsführung an der Kreuzung Laurentiusstraße/Am Broich, hat sie beobachtet: „Es entstehen richtig gefährliche Situationen.“

Dort haben jetzt Fahrzeuge auf der Laurentiusstraße Vorfahrt und nicht mehr wie bisher diejenigen, die aus der Straße Am Broich kommen. Berufspendler Manuel Platz kritisiert, dass die Stadt die Änderung der Vorfahrtsregelung vorab nicht publik gemacht habe. Das Schild „Verkehrsführung hat sich geändert“ sei zudem nur sehr schlecht sichtbar platziert.

Außerdem hat die Verwaltung zunächst alle Fahrer aus der Straße Am Broich mit Verkehrsschild „Rechts abbiegen“, weißer Pfeil auf blauem Grund, zu großen Umwegen gezwungen, etwa um zum Buchmühlenplatz zu kommen. Inzwischen ist das Schild mit einer Plastikplane abgeklebt. Die Anfrage dieser Zeitung bei der Stadtverwaltung, wie es zu dieser Panne kommen konnte, bleibt unbeantwortet.

Der Gogschmied steht vor seinem Laden.

Goldschmied Jörg Schwalfenberg beobachtet viele rasende Autofahrer, obwohl Tempo 30 gilt.

Goldschmied Jörg Schwalfenberg trifft man beim Ausräumen: Er mache sein Schmuckgeschäft zu, das habe aber nichts mit der Straße zu tun. „Dass hier Tempo 30 gilt, habe sich wohl noch nicht herumgesprochen“, glaubt er. In der Tat braust ein Wagen nach dem anderen vorbei, gefühlt deutlich zu schnell.

Aber auch viele Radler und E-Scooter-Fahrer nutzen die Radwege, um den Berg mit einem Affenzahn hinunter zu heizen. Auffallend ist, dass mache Radfahrer bergauf auf den Fußweg ausweichen, wie ein Jugendlicher und eine ältere Dame auf ihrem Hollandrad. Vielleicht weil sie sich sonst nicht sicher fühlen?

Schon von Berufswegen hat Jochen Kroll nichts gegen Radwege in der Stadt. Noch in diesem Jahr möchte er auf der Laurentiusstraße ein Fahrradgeschäft mit Werkstatt eröffnen. „Für mich ist die Neugestaltung wie ein Willkommensgeschenk.“ Die Straße sei richtig schön geworden.

Die Frau steht vor ihrer Theke.

Kioskbetreiberin Kalliopi Baikou sorgt sich vor jedem Liefertermin.

„Leider profitieren wir nicht von dem zusätzlichen Platz“, bedauert Iva Kuezevic, Inhaberin von dem beliebten Café Almondie, „die Stadt hat uns leider keine Aufstellfläche auf dem breiten Bürgersteig auf der anderen Straßenseite genehmigt.“

„Jetzt ist es unmöglich, einen Parkplatz in der Nähe vom  Kiosk zu finden“, sorgt sich Kalliopi Baikou so wie viele andere Ladenbesitzer um ihre Existenz. „Mal eben anhalten, reinspringen, eine Cola oder ein Brötchen kaufen, geht nicht mehr.“ Sicher könnten manche Kunden zu Fuß kommen. Aber wo soll der Getränkelieferant mit seinem großen Lkw parken.

Zwar ist ein Bereich mit Schildern als Lieferzone abgegrenzt: „Aber da parkt ein Auto. Sehen Sie, was ich meine?“ So sei das ständig. Sie stehe jedes Mal kurz vor einem Nervenzusammenbruch, wenn der Liefertermin näher rücke. „Das Ordnungsamt müsste wenigstens regelmäßig vor Ort sein, um zu kontrollieren“, meint Baikou.

Die Lieferzonen ist oft stundnlang mit illegal parkenden Autos belegt

Wie zu beobachten ist, ist auch die zweite Lieferzone unten an der Laurentiusstraße an diesem Donnerstagnachmittag mit zwei Wagen stundenlang illegal belegt. Die Autofahrer ignorieren die Schilder einfach. Handwerker, die für Anwohner unterwegs sind, Kurierfahrer und Paketdienste dürfen ebenfalls nicht mehr einfach anhalten. Oft stellen sie sich in ihrer Not einfach auf den Radweg, wie Passanten berichten.

Einige Geschäftsleute haben bereits aufgegeben wie Ralf Hötzgen. Seine „Deutsche Frittenbude“ habe er zugemacht, als klar war, dass die Parkplätze vor seiner Tür alle wegfallen würden. Sein Geschäftsmodell, gut bürgerliche Küche wie Gulasch oder Rouladen zu Imbisspreisen anzubieten, hätte dann nicht mehr funktioniert. „Dabei hatte ich einen sehr großen Zulauf“, berichtet er. Jetzt betreibt er einen neuen Imbiss mit gleichen Konzept in Köln-Holweide.

„Was mich wirklich stört, ist das Gegeneinander und die Aggression, mit der sich Radler und Autofahrer begegnen“, sagt Anton Tollenacer, seit 26 Jahren Inhaber des Blumenateliers Anton.  „Schade“, sagt der gebürtige Holländer, „das hier ist gut gemeint, aber schlecht gemacht.“ Wenn der Florist an den gescheiterten Verkehrsversuch im Januar 2023 denkt, den Autoverkehr komplett aus der Laurentiusstraße zu verdrängen, schüttelt er immer noch den Kopf.

Jetzt stünden wegen der falschen Ausschilderung an der Kreuzung zur Straße Am Broich wieder vollkommen aufgelöste Kunden vor ihm: „Die Leute sind total verunsichert.“ Blumenkäufe seien Impulskäufe, wenn da Leute in die Irre geschickt werden, kommen sie vielleicht nie wieder. „Es soll ja nicht alles wie früher bleiben. Aber was früher war, ist auch nicht alles schlecht gewesen.“