Souverän vom Barock zur Neuen MusikEnsemble 07 gastiert in der Gnadenkirche

Lesezeit 3 Minuten

Bergisch Gladbach – Ein Konzert in der Gnadenkirche mit dem Ensemble 07, dem Freien Kammerorchester Köln, ist immer ein besonderes musikalisches Erlebnis. Entsprechend hoch sind die Erwartungen des meist fachkundigen Publikums an die Streicher. Vor zehn Jahren fanden sich die Orchestermusiker, Instrumentalpädagogen und ambitionierten Laien zusammen, zunächst unter der Leitung von Jutta Herbold, seit 2010 leitet der Violinist Stephan Schardt die hoch ambitionierten Musiker, die sich zweimal in der Woche zu Proben zusammenfinden.

Spielerische Eleganz

Wie erwartet, ertönt gleich beim ersten Vortrag von Michele Mascittis Concerto grosso Opus 7/12 D-Dur, geschrieben 1727, der ausgereifte Klang der Streicher – in einem ausgewogenen Verhältnis von Violinen, Violen, Celli und Kontrabass, die die fein ziselierten Klanggespinste der Barockmusik in einer entspannenden Klangqualität entwickeln. Homogen eingebunden sind die kurzen Soli von Violine (Peter Stein) und Cello (Holger Faust-Peters), die sich dann im Duett mit dem Orchester vereinen.

Dies ist eine feine Einstimmung auf den Höhepunkt des Kammerkonzertes: Als Solisten haben die Musiker den ungarischen Querflötisten Gergely Bodoky eingeladen. Er spielt eine moderne Querflöte aus schwarzem Holz mit besonders samtigem Ton bis in die Höhen. Mit spielerischer Leichtigkeit und Eleganz führt er durch alle Finessen der Barockmusik, die Streicher und der Cembalist Torben Klaes runden den begeisternden Vortrag durch satten Streicher- und fein ziseliertem Cembaloklang ab bei Johann Joachim Quantz’ Konzert für Flöte, Streicher und Basso Continuo e-Moll.

Alles zum Thema Konzerte in Köln

Nach der Pause in ein neues musikalisches Zeitalter

Nach der kurzen Pause begeben sich die Musiker in ein neues musikalisches Zeitalter, mit der Ballade für Flöte, Streicher und Klavier, die der Schweizer Komponist Frank Martin 1941 geschrieben hat. Wieder geht der Solist Gergely Bodoky eine Symbiose ein mit den Streichern bei diesem Werk mit den achromatischen Tonfolgen, die sich aus einem Zusammenwirken von Zwölftonmusik und traditioneller tonaler Musik zusammensetzen, ergänzt durch die dunkle Akkorde am Flügel, gespielt von Lioba Bärthlein.

Ein ungewohnter Hörgenuss für manche Zuhörer, aber auch ein guter Einstieg in die zeitgenössische Musik. Bodoky bedankt sich für den begeisterten Applaus beim Publikum mit einer kurzen Zugabe aus Debussy „L’après-midi d’un faune“, ein Genuss.

Ein zeitgenössisches Hocherlebnis

Auch die „Symphonie d’archets“, 1948 komponiert von Jean Français, gestaltet sich als zeitgenössisches Hörerlebnis – der erste Satz mit einem Balladenthema, schelmisch, der zweite Satz mit kurzen Pizzicati, eingebettet in satten Streicherklang, aus dem sich ein Wiegenlied als Hauptthema mit Solo-Violine entwickelt. An Ballettmusik erinnert der dritte Satz, ein Scherzo im Walzertakt.

Und im letzten Satz, dem vierten, taucht man bei einer Bauerntanz-Ballade endgültig ein in die Tonsprache des frühen 20. Jahrhunderts, dem Beginn der „Neuen Musik“ – achtstimmig, mit vielen Pizzicati, schwingenden Glissandi in einem stetigen Auf und Ab wie in einem Perpetuum mobile, bis das Seitenthema auftaucht und zum fast abrupten Ende in die Stille führt. Bei der Zugabe kann das Publikum einen Teil des letzten Satzes noch einmal genießen.

Nachtmodus
KStA abonnieren