Ute Unrau geht nach 26 Jahren an der Spitze von Bergisch Gladbachs Ordnungsbehörde in Ruhestand – Sie hat das Amt maßgeblich geprägt.
Ute Unrau sagt AdeNach 44 Jahren endet ihr Dienst auf der Kirmes

Nach 44 Jahren bei der Stadt Bergisch Gladbach geht Ordnungsamtsleiterin Ute Unrau nach der Kirmes in Ruhestand.
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Einen passenderen Ort für ihren Abschied hätte Ute Unrau wohl kaum finden können. Wenn an diesem Dienstagabend das Feuerwerk über der Laurentiuskirmes erlischt, geht nicht nur das viertägige Volksfest in der Bergisch Gladbacher Stadtmitte zu Ende. Für die Leiterin der Allgemeinen Ordnungsbehörde endet nach 44 Jahren auch die Dienstzeit bei der Stadt.

Nie nur vom Schreibtisch aus hat Ute Unrau ihr Amt ausgefüllt.
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Die Kirmes hat Ute Unrau dabei weit über den Beruf hinaus begleitet. Seit mehr als einem Vierteljahrhundert ist sie auf Seiten der Stadt bei den großen Volksfesten zu Pfingsten und Laurentius dabei. Und auf der Kirmes lernte sie auch ihren späteren Ehemann, Kirmesorganisator Burkhardt Unrau, zunächst beruflich und dann privat kennen. 2011 wurde schließlich dort geheiratet, wo sich für beide vieles verbindet: auf dem legendären Autoscooter „Route 66“ mitten auf dem Konrad-Adenauer-Platz.

Hochzeit auf dem Autoscooter: Die Kirmes verband sie nicht nur beruflich, sondern irgendwann auch privat mit Kirmesorganisator Burkhardt Unrau.
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Damals hieß sie noch Ute Döpper. Und wer wissen möchte, wie sie ihre Arbeit verstand, findet in einem Porträt dieser Zeitung aus dem Jahr 2008 sehr anschauliche Beispiele. Neben der Leitung der Ordnungsbehörde organisierte sie auch die Wochenmärkte in Gladbach, Bensberg und Refrath. Rund 80 Marktstände mussten nicht nur Woche für Woche ihren Platz finden, sondern bei Kirmes, Weihnachtsmarkt oder anderen Veranstaltungen auch schon einmal komplett umziehen.

Kompetenz und Durchsetzungskraft zeigte Ute Unrau (M.) auch auf dem Wochenmarkt (hier 2008, als sie noch den Namen Döpper trug).
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Feilschen um die besten Standplätze gab es bei Ute Döpper nicht. Wer neu auf den Markt kam, fing außen an und durfte sich langsam nach innen vorarbeiten. Wenn zwei Händler wegen weniger Zentimeter Standfläche oder zu lauter Rufe aneinandergerieten, suchte sie pragmatische Lösungen. Zwischen zwei potenziellen Streithähnen platzierte sie auch schon einmal einen kleinen Verkaufsstand als Puffer.
Von Erdbeerschälchen bis Kirmes: Die Aufgaben als Ordnungsamtschefin waren vielseitig
Selbst Kundenbeschwerden landeten auf ihrem Schreibtisch. Kam jemand mit einem Erdbeerschälchen vorbei, dessen untere Früchte deutlich schlechter aussahen als die oberen, wurde vermittelt – möglichst so, dass am Ende der Erdbeerkuchen ebenso gerettet war wie die Ehre des Händlers.

30 Jahre Kirmes vor dem Bergischen Löwen:Ute Döpper und Burkhardt Unrau halten 2010 ein Plakat in den Händen.
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Noch temperamentvoller konnte es bei der Kirmes werden. „Schausteller sind noch schwieriger“, sagte Ute Döpper damals mit einem Lächeln über ihre Erfahrungen mit den Marktbeschickern. Gerade beim Aufbau sei der Adrenalinspiegel hoch, da müsse man schon einmal dazwischengehen. Dass die eher zierliche Behördenleiterin dafür keine imposante Statur brauchte, erklärte sie schon damals trocken: Ihr Vorgänger sei ein großer, stattlicher Mann gewesen. Muskeln müsse man aber nicht spielen lassen.
Ute Unrau agierte nie nur vom Schreibtisch aus, sondern war sehr oft selbst vor Ort
„Es funktioniert hervorragend“, sagte sie über ihren Umgang mit den Schaustellern, „die trauen sich nicht bei einer Frau.“ Solche Situationen dürften ihren Arbeitsalltag mindestens so geprägt haben wie Akten und Vorschriften.

Seit 2011 auch privat liiert: Ute Unrau und Burkhardt Unrau.
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Am 1. August 1982 hatte Ute Unrau ihre Laufbahn bei der Stadt begonnen. Nach ihrer Ausbildung arbeitete sie unter anderem im Personalamt, in der Projektgruppe Altlasten, im Haupt- und Organisationsamt sowie im Dezentralen Controlling. Im Februar 2000 übernahm sie die Leitung der Allgemeinen Ordnungsbehörde. 26 Jahre lang blieb sie an deren Spitze.
Häufig auch mit Polizei, Zoll und Steuerfahndung gemeinsam im Einsatz
In dieser Zeit hat sich die Arbeit erheblich verändert. „Kirmes und Knöllchen“ gehören zwar weiterhin dazu, beschreiben das Aufgabenspektrum aber längst nicht mehr annähernd. Gewerbe- und Gaststättenkontrollen, gemeinsame Einsätze mit Polizei, Zoll und Steuerfahndung, Maßnahmen gegen Schwarzarbeit und illegale Gewerbe, Ruhestörungen, Wochenmärkte, Fundbüro, Landeshundegesetz, Rattenbefall, Wildtierschäden und ordnungsbehördliche Bestattungen gehören ebenso dazu wie die Genehmigung und Kontrolle von Weihnachtsmärkten, Stadtfesten und anderen Veranstaltungen.

Ein Herz für die Kirmes: 30 Jahre Schaustellerverein mit (v.r.) Ute Unrau (Leiterin Ordnungsamt), Frank Stein (Bürgermeister) und Burkhardt Unrau (Geschäftsführer Schaustellerverein) im Jahr 2024.
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Besonders anspruchsvoll sind Einsätze, bei denen psychisch erkrankte Menschen untergebracht werden müssen, weil von ihnen eine Gefahr für sich oder andere ausgeht. Allein 2025 musste die Ordnungsbehörde in 310 solcher Fälle tätig werden – durchschnittlich fast an jedem Arbeitstag.
Ein besonderes Anliegen war Ute Unrau der Aufbau des Stadtordnungsdienstes
Auch auf den Straßen ist die Behörde während Unraus Amtszeit deutlich sichtbarer geworden. Ein besonderes Anliegen war ihr der Aufbau des Stadtordnungsdienstes. Bei Karneval, Kirmes, Weihnachtsmärkten und anderen Großveranstaltungen arbeiten dessen Mitarbeiter heute eng mit Polizei und Veranstaltern zusammen.

Stets um Ordnung, aber auch ein gutes Verhältnis mit den Schaustellern bemüht: Ute Unrau und Burkhardt Unrau.
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Wie sehr sich die Anforderungen verändert haben, zeigte sich zuletzt im Karneval. Zufahrtssperren, Glasverbote, Jugendschutz, Sicherheitskonzepte und eine mobile Einsatzleitstelle gehören inzwischen selbstverständlich zu den Vorbereitungen. Schon vor der vergangenen Session hatte Unrau angekündigt, dass sie ihren letzten Karneval als Leiterin der Behörde begleiten werde.
Ob bei Kirmes oder der Kontrolle des Glasverbots vorm Karnevalszug – Ute Unrau war dabei
Dabei war sie nie nur eine Chefin hinter dem Schreibtisch. Ob beim Aufbau der Kirmes, bei Marktverlegungen oder der Kontrolle des Glasverbots vor einem Karnevalszug – Ute Unrau war immer wieder selbst draußen dabei.

Auch die Corona-Zeit wurde überstanden: (v.l.) Burkhardt Unrau, Frank Stein, Ute Unrau, Marco Euler und Ferdinand Linzenich.
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„Eine funktionierende Ordnungsbehörde lebt nicht von Verboten, sondern davon, dass Menschen respektvoll miteinander umgehen“, sagt sie heute über ihr Verständnis der Aufgabe. Wo das nicht gelinge, müsse eingegriffen werden – „immer mit dem Ziel, Sicherheit und Lebensqualität für alle zu erhalten“.
Besonders dankbar bin ich für die Zusammenarbeit mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Ohne ihren Einsatz hätten wir die stetig wachsenden Aufgaben der vergangenen Jahre nicht bewältigen können.
Dass die Aufgaben stetig gewachsen sind, verschweigt die scheidende Behördenleiterin ebenso wenig wie personelle Engpässe. Entscheidend sei stets das Team gewesen. „Besonders dankbar bin ich für die Zusammenarbeit mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Ohne ihren Einsatz hätten wir die stetig wachsenden Aufgaben der vergangenen Jahre nicht bewältigen können.“

Einen privaten „Konrad-Adenauer-Platz“ mit Kirmes haben Ute und Burkhardt Unrau (hinten, Mitte) auch an ihrem Haus in Hebborn.
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Nach 44 Jahren fällt ihre Bilanz entsprechend persönlich aus: „Ich durfte mein gesamtes Berufsleben für die Stadt arbeiten, in der ich zuhause bin.“ Diese Verbundenheit habe sie immer motiviert. Die Arbeit sei anspruchsvoll, abwechslungsreich und häufig herausfordernd gewesen – vor allem aber „sinnstiftend“.
Außergewöhnliche Verwaltungslaufbahn endet nicht im Rathaus, sondern auf dem Rummel
Und so endet diese ungewöhnlich lange Verwaltungslaufbahn nicht still hinter einer Bürotür im Rathaus, sondern mitten im Trubel. Zwischen Marktständen, Riesenrad und Autoscooter – dort, wo Ute Unrau über Jahrzehnte nicht nur dienstlich unterwegs war, sondern wo sich für sie Berufliches und Privates auf besondere Weise verbunden haben.
Wenn am Dienstagabend das Feuerwerk der Kirmes in den Himmel steigt, ist daher gleich in mehrfacher Hinsicht Feierabend: für die Kirmes in diesem Jahr – und für Ute Unrau nach 44 Jahren bei der Stadt.
