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Open Source 2026Wie 50 Jugendliche in Refrath das Smartphone vergaßen

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Mehrere Mädchen und Jungen hocken auf einer Wiese und strecken tänzerisch die Arme in die Höhe.

Es geht auch ohne Handy: Theaterperformance auf der Wiese

Kreativitätsschule Bergisch Gladbach veranstaltet das fünftägiges Projekt: „Wir sind dann mal offline“.

Ein Tag im Hochsommer. Die Sonne brennt auf die Wiese An der Wallburg in Refrath, Bergisch Gladbach. Kinder spielen. Die Wiese wird zur Bühne. Zuerst Carl Orff: Aus dem Lautsprecher dröhnt „O Fortuna“, düster, gewaltig, Schicksal in Tönen.

Auf dem Rasen spielt die Theatergruppe eine moderne Mini-Tragödie: der Schmerz über das verlorene Mobiltelefon. Sie krümmen die Rücken, zucken, ziehen die Gesichter zusammen, werfen sich klagend auf den Boden – so sieht es 2026 aus, wenn die digitale Nabelschnur reißt. Die Eröffnungsszene der Abschlusspräsentation des Fünftageprojekts „Open Source 2026 – Wir sind dann mal offline“, veranstaltet von der Kreativitätsschule Bergisch Gladbach e.V.

Das Experiment läuft seit der Coronazeit

Das Experiment ist einfach und läuft seit Corona jedes Jahr: 50 junge Menschen aus unterschiedlichen sozialen Milieus, ermöglicht durch den Kultur-Rucksack NRW und das Kulturbüro Bergisch Gladbach, auf eine Wiese setzen, ihnen Naturmaterialien, Tanzschuhe, Mikrofon, Ideen fürs Theaterspielen und professionelle Begleitung geben. Sechs Coaches aus der lokalen Kunstszene leiteten die Workshops.

Das Ziel: Bildungsgerechtigkeit, Kultur für alle – und die Wiederentdeckung der analogen Wirklichkeit. André Eigenbrod von der Kreativitätsschule sagt, Studien zeigten, ein solcher Workshop wirke besser als viele Schulstunden, zumindest für Kreativität und Miteinander. Er bringt es so auf den Punkt: „Open Source“ bedeutet offene Quelle. Diese Quelle sei in diesen Tagen eine Quelle der Kraft gewesen. Kraft, die nicht aus dem Akku kommt, sondern aus der Gemeinschaft.

Klare Dramaturgie auf der Wiese

Was auf der Wiese geschah, folgte einer klaren Dramaturgie. Jeder Morgen begann mit dem gemeinsamen Ritual, dem Warming-up. Sie entwickelten den Secret Handshake. Individuelle Begrüßungen mit Klatschen, Verbeugen, Drehen, Springen. Täglich neue Varianten. Schranken fielen, Beziehungsgeflechte entstanden.

Als die Vorführung der Performance-Gruppe unter der Leitung von Miriam Burger in die Tanzvorstellung überging, wechselte die Musik: Rap und Pop statt Orff. Die Tanzgruppe unter der Regie von Daniel Richartz verband Tanz und Akrobatik: Hebefiguren, Breakdance-Moves. Präzise. Kraftvoll. Professionell.

Digitales und Analoges in Harmonie

„Als es während der Woche regnete, tanzte die Tanzgruppe im Regen einfach weiter“, erzählte Projektleiterin Almut Wiedenmann begeistert. Mit Elementen des Breakdance, kraftvollen Sprüngen und choreographierter Energie arbeiteten sich die Jugendlichen durch Hitze und Regen.

An einem Baumstamm hängt ein Poster mit Farbkleksen udn darüber eine menschliche Maske aus Ton.

Kunst am Baum in der Krea Refrath

Danach zeigte der Workshop Musik (Leitung: Jasper „JazzP“ Beckmann), wie Digitales und Analoges harmonieren können. Die Kinder nahmen Geräusche im Wald auf, das Knacken von Ästen, das Rauschen des Windes, Stimmen – und machten daraus per App ein Hörspiel mit Interviews und Soundcollagen. Das Digitale diente hier als Werkzeug, nicht als Selbstzweck. Alles zusammen geplant und in Szene gesetzt vom künstlerischen Leiter Christoph Wolff.

Eine Freiluftgalerie der Kunstworkshops

Nach den Vorführungen verlagerte sich das Geschehen unter das blätterreiche und kühlende Dach der umliegenden Bäume. Dort war die Freiluftgalerie der zwei Kunstworkshops entstanden. Unter der Anleitung von Markus Parnow und Gregor Zootzky machten die Teilnehmer die Natur zur Leinwand. Sie modellierten Baumstämme mit Ton, Steinen und Zweigen. Mit selbst erzeugten Farben und Pinseln schufen sie wilde, abstrakte Landschaften, in denen fantasievolle Tiere oder Köpfe auftauchten.

Später, als die Kinder mit ihren Eltern durch die Freiluftgalerie spazierten und die Sonne durch das Blätterdach blinzelte, war von der anfänglichen Orff’schen Smartphone-Tragödie nichts mehr zu spüren. Die Sätze, die von den Lippen der Zehn- bis Vierzehnjährigen am Ende der Performance kamen, klangen jedoch nach: „Das Handy lenkt mich von der Welt ab“, sagte ein Junge. Ein Mädchen ergänzte schlicht: „Ich will mein Handy gar nicht wiederhaben, ich habe hier so tolle Freunde gefunden.“

Das Projekt „Open Source 2026“ hat gezeigt: Wenn man Kindern die Bildschirme wegnimmt und ihnen stattdessen Raum, Zeit und Aufgaben gibt, vermissen sie die virtuelle Welt nicht. Sie tauschen das Wischen auf dem Glas gegen das Formen von Ton, das Tippen auf Tasten gegen den Tanz im Sommerregen. Eine Erkenntnis, die über diesen Freitagnachmittag in Refrath weit hinausreicht.