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Bergisch GladbachStudenten gründen Schwimmschule in Refrath

4 min
Zwei junge Männer in nassen T-Shirts stehen bis zum Bauch in einem Schwimmbecken.

Außerhalb des Beckens studieren Mika Gerlach (l.) und Bendix Banken Sportmanagement in Köln

Nach der Uni geht's ins Becken: Zwei Studenten bringen Kindern in der Schwimmschule Mixi das Schwimmen bei

Ein Schwimmbad würde man hinter der Fassade dieses Wohnhauses kaum vermuten. Wer hinein möchte, muss hinunter ins Untergeschoss. Dort liegt das kleine Becken, in dem Mika Gerlach und Bendix Banken an diesem Montag arbeiten. Hellblaue Fliesen, rote und dunkle Mosaikfiguren, Schwimmnudeln und Tauchringe: Alles ist für die Kinder vorbereitet.

Okay, der ist ein cooler Schwimmlehrer, der macht auch ein Spielchen, ein Späßchen mit.
Mika Gerlach Schwimmschule Mixi

Noch kurz zuvor saßen die beiden 22-Jährigen über ihren letzten Klausuren. Sie studieren Sportmanagement an der Deutschen Sporthochschule Köln und betreiben seit Juli die Schwimmschule Mixi. Bisher unterrichteten sie mittwochs. Nun kommen Kurse am Montag und Donnerstag hinzu.

Bevor ein Kind ins Wasser darf, wird abgeklatscht. Einer nach dem anderen. Die kleine Geste markiert Anfang und Ende der Stunde und dient zwischendurch als Belohnung. Für alle Kinder, die an diesem Montag nacheinander kommen, ist es die erste Stunde bei Mixi. Nicht alle gehen bereitwillig ins Becken. Ein Junge klammert sich fest und will partout nicht hinein. Gerlach sucht vorsichtig Kontakt, lässt ihm dann wieder Zeit. Er drängt ihn nicht. In einem anderen Kurs hält sich ein Mädchen an seinem Vater fest. Gerlach greift zu einem Spielzeugschiff. Diesmal soll das Kind nicht nass werden: Das Mädchen darf ihm Wasser über den Kopf gießen.

Wenn die Kinder ihren Schwimmlehrer nass machen dürfen, entsteht Nähe

Viele Kinder müssten erst Vertrauen zu einem fremden Schwimmlehrer fassen, erklärt er später. Wenn sie ihn selbst nass machen dürften, entstehe Nähe. Vielleicht denke das Kind dann: „Okay, der ist ein cooler Schwimmlehrer, der macht auch ein Spielchen, ein Späßchen mit.“ Gerlach und Banken sprechen ruhig mit den Kindern und lachen viel mit ihnen. Zugleich setzen sie Grenzen. Als ein Junge am Beckenrand losstürmt und Tauchringe hineinwirft, bleibt Banken freundlich, aber bestimmt: Gesprungen wird erst, wenn man an der Reihe ist.

Wenig später hallt wieder Kinderlachen durch den Raum. Beim „Taxi“ zieht Banken die Kinder an seinem Arm durchs Wasser. Bei der „Waschmaschine“ lässt Gerlach Wasser über einen Jungen tröpfeln, hebt ihn hoch, taucht ihn kurz unter und holt ihn wieder heraus. Was wie ein Spiel aussieht, dient der Wassergewöhnung: Die Kinder erleben, wie sich Wasser im Gesicht anfühlt, wie ein Ohr untertaucht und wie sich ihr Körper im Becken bewegt. Beim Spielen merkten sie manchmal kaum, dass sie gerade etwas schaffen, vor dem sie als angekündigter Übung noch Angst gehabt hätten.

Sie kontaktierten Schwimmbäder und Hotels auf der Suche nach einem Becken

Dass die beiden einmal gemeinsam eine Schwimmschule betreiben würden, war nicht geplant. Sie lernten sich im Studium kennen und entdeckten in der Mensa das Jobangebot einer Schwimmschule. Beide waren früher bei der DLRG aktiv und bewarben sich als Schwimmlehrer. Im Unterricht erlebten sie nach eigenen Angaben immer wieder, dass Gruppen zu groß waren und Kinder mit unterschiedlichem Lerntempo zu wenig Aufmerksamkeit bekamen. Besonders diejenigen, die mehr Zeit benötigten, könnten dabei untergehen.

Für eine eigene Schwimmschule brauchten sie allerdings ein Becken. Anfragen bei Schwimmbädern und Hotels blieben erfolglos. Über einen Kurs, in dem einer der beiden bereits unterrichtete, fanden sie schließlich das Bad in Refrath. Es gefiel ihnen auch deshalb, weil dort kein ständiges Kommen und Gehen herrscht und Eltern ihre Kinder aus einem Nebenraum beobachten können.

Inzwischen führen die beiden schon eine Warteliste

Gerlach wohnt in Köln-Nippes, Banken im Stadtteil Weiden. Der Name „Mixi“ verbindet Mika mit dem Ende von Bendix; dazu kam ein „i“. Was klein begann, wächst schneller als erwartet: Die Kurse am Montag, Mittwoch und Donnerstag waren nach Angaben der Gründer rasch belegt. Inzwischen führen auch sie eine Warteliste. Eltern aus verschiedenen Teilen des Kreises kommen nach Refrath. Mehrere berichten, dass sie schon länger einen Schwimmkurs für ihr Kind gesucht hätten.

Anfangs boten Gerlach und Banken vor allem Zweiergruppen an, inzwischen unterrichten sie auch vier Kinder zugleich. Viel größer sollen die Gruppen nicht werden. Vier seien häufig schon „so ein bisschen die Grenze an Aufmerksamkeit und Zeit, die ein Kind braucht“, sagt Banken. Weitere Lehrkräfte könnten irgendwann hinzukommen. Dafür müssten sie aber verstehen, wie die beiden mit Kindern arbeiten wollen. Neben den Stunden im Becken beantworten die Studenten Nachrichten, organisieren Buchungen und arbeiten an ihrer Internetseite. Nach dem Studium an der Deutschen Sporthochschule wollen sie die Schwimmschule weiterführen und ausbauen. Künftig möchten sie auch offiziell Schwimmabzeichen abnehmen können.