Abo

EntwicklungsstrategieDie Berufskollegs in Bergisch Gladbach stehen vor großem Umbau

3 min
Folgen
Das Berufskolleg Bergisch Gladbach aus der Luft fotografiert.

Die Berufskollegs Kaufmännische Schulen (oben Mitte) und Berufsbildende Schulen (unten rechts) sollen sich auch räumlich verändern und aufs Zanders-Areal ziehen.

Der Rheinisch-Bergische Kreis legt eine erste Entwicklungsplanung für Ausrichtung, Fachkräfte, Bildungsgänge und Standorte vor.

Es ist ein Papier mit 158 Seiten – und womöglich mit Folgen weit über den Schulbereich hinaus. Denn als der Rheinisch-Bergische Kreis jetzt eine umfassende Entwicklungsplanung für die Anfang 2024 in seine Trägerschaft übernommenen Berufskollegs im Schulausschuss vorlegte, ging es nicht nur um Klassenräume und Schülerzahlen. Es ging um die Frage, wie die Region künftig ihre Fachkräfte gewinnt, welche Berufe gebraucht werden – und wie attraktiv berufliche Bildung in Zeiten von Akademisierung und Fachkräftemangel überhaupt noch ist.

„Das ist ein historischer Moment in diesem Ausschuss“, sagte dessen Vorsitzender Thorsten Schmalt (CDU), als die erste Schulentwicklungsplanung für die vor zwei Jahren vom Kreis übernommenen Berufskollegs vorgestellt wurde. Tatsächlich markiert die Vorlage einen Einschnitt: Erst seit der Übernahme der Schulträgerschaft für die Berufskollegs in Bergisch Gladbach durch den Kreis gibt es erstmals eine systematische Analyse der beruflichen Bildungslandschaft im Kreisgebiet.

Der Bereich Erziehung wächst

Der Bericht untersucht Schülerzahlen, Bildungsgänge, Pendlerströme, die Erreichbarkeit mit Bus und Bahn, den regionalen Arbeitsmarkt und den künftigen Fachkräftebedarf. Die zentrale Botschaft: Die Berufskollegs bleiben ein Schlüssel für die wirtschaftliche Zukunft der Region. Besonders technische und soziale Berufe gewinnen weiter an Bedeutung.

So rechnet die Planung in den kommenden Jahren mit stabilen bis um 200 bis 300 Personen steigende Schülerzahlen an den Berufskollegs. Vor allem Bildungsgänge wie Anlagenmechanik für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik oder Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik gelten weiter als stark nachgefragt. Auch der Bereich Erziehung wächst. Gleichzeitig sieht der Kreis zusätzlichen Bedarf etwa bei Fachinformatik, medizinischen Fachangestellten und kaufmännischen Bildungsgängen.

Standorte sollen ein klareres Profil erhalten

Zugleich wird deutlich, dass die bestehenden Bildungsgänge künftig stärker überprüft und die Standorte klarer profiliert werden müssen. Das soll in enger Kooperation mit der regionalen Wirtschaft sowie den umliegenden Regionen erfolgen. Aufgrund der strategischen Bedeutung der erstmaligen Entwicklungsplanung wurde der Bericht in einem umfassenden Beteiligungsprozess gemeinsam mit Schulen, Wirtschaft und Kommunen erarbeitet.

Ziel ist es, künftig schneller und gezielter auf wirtschaftliche Veränderungen reagieren und die Fachkräftesicherung in der Region aktiv unterstützen zu können. Deutlich wird in dem Bericht auch, wie stark sich die Bildungslandschaft verändert. Haupt- und Realschulen verlieren seit Jahren an Bedeutung, Gesamtschulen wachsen. Die Zahl der Berufskolleg-Schüler im Kreis ist zwar gegenüber früheren Spitzenwerten zurückgegangen, soll langfristig aber vergleichsweise stabil bleiben. Erst Mitte der 2030er-Jahre erwarten die Gutachter wieder höhere Zahlen durch geburtenstärkere Jahrgänge.

Die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft soll intensiviert werden

Zugleich formuliert die Planung einen klaren politischen Auftrag: Die Standorte sollen künftig stärker profiliert, Bildungsgänge besser abgestimmt und die Zusammenarbeit mit Wirtschaft, Kammern und Nachbarkommunen intensiviert werden. Auch die Attraktivität der dualen Ausbildung müsse steigen. Die Autoren sprechen offen von einem „Spannungsfeld“ zwischen Fachkräftemangel, gesellschaftlichem Wandel und sinkender Wertschätzung beruflicher Bildung.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Infrastruktur. Die Planung enthält erstmals auch eine detaillierte Raumbedarfsanalyse – und liefert damit eine Grundlage für einen möglichen „Exzellenzbaustein“ auf dem geplanten Campus für berufliche Bildung auf dem Zanders-Gelände in Bergisch Gladbach (wir berichteten). Moderne Lernorte gelten dabei ausdrücklich als Voraussetzung, um berufliche Ausbildung attraktiver zu machen und mit technologischen Entwicklungen Schritt zu halten.

Dass der Bericht weit mehr sein soll als eine reine Bestandsaufnahme, wird bereits in der Einleitung deutlich. Schulentwicklungsplanung sei „kein einmaliger Vorgang, sondern ein kontinuierlicher strategischer Prozess“, heißt es dort. Ziel sei es, die Berufskollegs „langfristig stabil, leistungsfähig und zukunftsfähig zu gestalten“.