Das Handwerk im Rheinisch-Bergischen Kreis hält sich in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld vergleichsweise robust. Der neue Konjunkturbericht der Handwerkskammer zu Köln weist für Rhein-Berg im Herbst 2026 einen Geschäftsklimaindex von 106,8 Punkten aus. Damit liegt der Kreis über der Marke von 100 Punkten, die eine überwiegend positive Grundstimmung signalisiert. Zugleich zeigen die Detailzahlen, dass die Betriebe unter Druck stehen: Umsätze, Auftragseingänge und Investitionen sind im Saldo zurückgegangen.
Rhein-Berg im oberen Mittelfeld der Region
Im Vergleich der sieben Regionen im Kammerbezirk liegt Rhein-Berg damit im oberen Mittelfeld. Leverkusen erreicht 107,7 Punkte, der Rhein-Erft-Kreis 107,6. Hinter Rhein-Berg folgen Köln mit 105,2 Punkten, der Rhein-Sieg-Kreis mit 102,7 und der Oberbergische Kreis mit genau 100 Punkten. Deutlich abgeschlagen ist Bonn mit 95,3 Punkten. Dort führt die Sperrung der Nordbrücke nach Einschätzung der Kammer zu erheblichen Belastungen für die Betriebe.
Doch auch der vergleichsweise gute Rhein-Berg-Wert täuscht nicht darüber hinweg, dass die Lage angespannt bleibt. Im gesamten Kammerbezirk bezeichnet nur gut jeder dritte Betrieb seine aktuelle Geschäftslage als gut. 46 Prozent bewerten sie als befriedigend, 19 Prozent als schlecht. Kammerpräsident Thomas Radermacher fasst das Ergebnis in einem Bild zusammen, das Radio Berg zitiert: „Das Licht ist eigentlich, dass die Betriebe grundsätzlich positive Stimmung haben. Der Schatten ist: Fachkräftemangel, überbordende Bürokratie und hohe Energiepreise. Das setzt den Betrieben schon zu und macht ihnen Sorgen.“
Investitionen brechen ein, Beschäftigung bleibt stabil
Für den Rheinisch-Bergischen Kreis fällt das Bild ebenfalls keineswegs ungetrübt aus. Beim Umsatz weist die regionale Auswertung einen Saldo von minus 5,8 Punkten aus, beim Auftragseingang sind es minus 4,5 Punkte.
Besonders deutlich fällt der Rückgang bei den Investitionen im rheinisch-bergischen Handwerk aus – mit minus 15,6 Punkten aus. Lediglich die Beschäftigung liegt mit einem Saldo von null stabil. Die Betriebe halten also ihre Belegschaften, sind bei neuen Investitionen aber zurückhaltend.
Verhaltene Aussichten im gesamten Kammerbezirk
Auch die Aussichten im gesamten Kammerbezirk bleiben verhalten. Nur 17 Prozent der befragten Betriebe rechnen für das kommende Halbjahr mit einer besseren Geschäftslage. 58 Prozent erwarten keine Veränderung, 24 Prozent eine Verschlechterung. Gleichzeitig melden 35 Prozent sinkende Umsätze, lediglich 24 Prozent verzeichnen Zuwächse. Beim Auftragseingang stehen 36 Prozent mit Rückgängen 22 Prozent mit Steigerungen gegenüber. Die durchschnittliche Auftragsreichweite ist binnen eines Jahres um etwa eine halbe Woche auf 5,5 Wochen gesunken.
Hinzu kommen die hohen Kosten. Mehr als die Hälfte der Betriebe – 53 Prozent – hat ihre Verkaufspreise erhöht. Die Kammer verweist auf Kosten für Vorleistungen, Energie und Sozialabgaben. Bei der Beschäftigung zeigt sich das Handwerk dagegen stabil: 63 Prozent melden einen unveränderten Personalbestand. Gleichzeitig sucht fast jeder dritte Betrieb Mitarbeiter; 29 Prozent haben offene Stellen.
Gewerke entwickeln sich unterschiedlich
Je nach Handwerk unterscheiden sich die Aussichten erheblich. Auf dem Bau stabilisiert sich die Lage. 38 Prozent der Betriebe im Bauhauptgewerbe beurteilen ihre Situation als gut, 50 Prozent als befriedigend. Bei Elektrikern, Installateuren und Heizungsbauern sowie Tischlern fällt die Einschätzung vergleichsweise positiv aus. Verhaltener äußern sich etwa Fliesenleger und Raumausstatter.
Besonders gut läuft es derzeit bei Hörakustikern, Augenoptikern, Zahntechnikern und anderen Gesundheitshandwerken. Die Hälfte der befragten Betriebe dieser Gruppe beurteilt ihre Geschäftslage als gut. Deutlich schlechter sieht es bei Friseuren, Kosmetikern, Fotografen, Schneidern und Schuhmachern aus. Ihr Geschäftsklima ist binnen eines Jahres um 18 Zähler auf 99,4 Punkte gefallen und damit erstmals seit der Pandemie wieder unter die 100-Punkte-Marke gerutscht. Auch Bäcker, Konditoren und Fleischer bleiben trotz einer leichten Erholung unter Druck.
Für die Handwerkskammer ist die insgesamt noch robuste Stimmung deshalb kein Grund zur Entwarnung. Bleiben wirksame Reformen und Investitionen in die Infrastruktur aus, warnt sie, gerate das Handwerk als stabiler Arbeitgeber in der Region weiter unter Druck. (wg)

