Am Sonntag (2. August) wird im Bergischen Museum in Bensberg das Museumsfest gefeiert.-
Bergisches Museum feiertIn Bensberg lebt historisches Handwerk wieder auf

Das Außengelände des Bergischen Museums
Copyright: Guido Wagner
Fröhlich soll es werden. Munter und abwechslungsreich auch. Die Besucherinnen und Besucher sollen vieles zu sehen bekommen. Das Museumsfest im Bergischen Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe in Bergisch Gladbach-Bensberg steht immer am ersten Sonntag im Monat an. Diesmal ist es der 2. August, direkt an diesem Sonntag wird gefeiert. Viele helfende Hände auf dem Museumsgelände freuen sich auf den Zustrom der Massen. Museumsleiterin Sandra Brauer für den Teil der Hauptamtlichen und Willi Carl, Vorsitzender des Fördervereins, hoffen auf einen erfolgreichen, abwechslungsreichen Aktionstag.
Von 11 bis 17 Uhr wird es wuselig und quirlig zugehen auf dem Museumsgelände. Dass das Museumsfest überhaupt stattfinden kann, ist ein kleines Wunder. Denn früh im Frühjahr gab es eine Hiobsbotschaft. Zahlreiche Mängel an der Elektrik entdeckten Fachleute bei einer Prüfung. Das bei Schulklassen und Kindergärten beliebte Museum musste sozusagen über Nacht schließen.
Über Monate gab es keinen Zutritt, ehe kurz vor den Sommerferien die Stadt als Trägerin vermeldete: Das Außengelände öffnet wieder, und auch einige der handwerklichen Gebäude sind so weit hergerichtet, dass sie wieder betreten werden können. Nur das Türmchenshaus, genutzt als Haupthaus und bei den Besuchern beliebt wegen seiner historischen Ausstellungen zum Leben im 19. Jahrhundert im Bergischen Land oder auch zum Bergbau, musste wegen komplexen Reparaturen bis auf weiteres geschlossen bleiben.
Auch das bei Jung und Alt beliebte Schaubergwerk, mit dem Besuchende mit einem Fahrstuhl in die Tiefe fahren, darf bis auf weiteres nicht betreten werden. Gravierende Mängel im Untergrund gibt es, hier steht eine umfassende Sanierungsanalyse noch aus. Türmchenshaus und Bergwerk bleiben auch am Sonntag geschlossen.
Gerberei und Sattlerei
Zu sehen gibt es auf dem Museumsgelände dennoch vieles, die historischen Handwerksgebäude bilden das Herz des Museumsfestes. Ein kleiner Spaziergang über das Außengelände: In einem 1954 für museale Zwecke erstellten Fachwerkbau gibt es interessante Einblicke in Gerberei, Schuhmacherei und Sattlerei. Die Lederherstellung erlebte besonders in Bensberg ab 1870 eine Blüte, eng verbunden mit der Lederfabrik Offermann.
Noch um 1850 trug die Landbevölkerung hierzulande meist Holzlatschen, in Paffrath und Eikamp fertigten Holzschuhmacher die Waren. Schuhmacher, die hingegen Leder verarbeiteten und damit Schuhe fertigten, zogen zu Fuß übers Land. Sie hatten ihr Werkzeug dabei, die Kunden die Ware: das Leder.
Das Werk der Schuhmacher
Mehrere Tage lebten die Schuhmacher im Haus der Kunden und sie wurden bis zur Fertigstellung der Schuhe auch von den Auftraggebern verpflegt, waren ein Teil der Familie in dieser Zeit. Das Hammerwerk aus dem Westerhammer im Gelpetal nahe Remscheid kam 1955 aufs Museumsgelände. Mehrfach restauriert, wird heute das Wasser über eine Pumpenanlage aufs Wasserrad geführt.
Bis um die Mitte des 19. Jahrhunderts prosperierten die Hammerwerke, der Bedarf an schmiedbarem Eisen und Stahl wuchs stetig. Bis zu 200 Hammerwerke sind in dieser Zeit im Bergischen überliefert, Solingen wurde eines der Zentren. Neue Verarbeitungsmethoden im Aufkommen der Industrialisierung brachten jedoch ein jähes Ende. Heute erinnern nur noch Straßennamen wie „Hammermühle“ an das Gewerbe.
Das Vieh angebunden
Dann gibt es auf dem Museumsgelände die Kettenschmiede, die in den 1980er-Jahren aus Ente bei Wipperfeld ins Museum kam. Grobschmiede fertigten landwirtschaftliche Geräte, waren auch gefragt bei der Herstellung von Ketten, wie man sie zum Anbinden des vielfach vorhandenen Viehs nutzte. Es gibt auf dem Gelände auch die Stellmacherei, die um 1840 in Eikamp errichtet wurde.
Auch sie wurde übertragen ins Museum und stellt die Arbeitsvorrichtungen des Gewerbes dar: Hobelbänke, Drechselbank mit Fußantrieb, Montagevorrichtungen, zahllose Bohrer, Hobel und Sägen Auch die Schmiede wartet auf Besucher, im Jahre 1984 kam sie (wie so manches) durch das Engagement des Fördervereins aufs Museumsgelände. Wilhelm Fuhrbach ließ hier einst die Schmiede glühen, er fertigte Werkzeuge für die Grube Washington bei Herkenrath. Die Schmiede selbst wurde 1889 auf dem Braunsberg in Herkenrath errichtet.
Ein Bergmann erzählt
Ein kleiner Rundgang übers Außengelände wirkt wie ein Ausflug in die bergische Geschichte. Handwerker lassen am Sonntag die alten Gewerke wieder aufleben, und ein Bergmann wird die Gäste virtuell mitnehmen auf eine Reise durch den Besucherstollen.
Viele Einblicke in die Geschichte des Bensberger Erzreviers wird es geben. Kinder können sich bei Mitmachangeboten betätigen, und im Bauerngarten wird das eigene Kräutersalz hergestellt. Und unter den romantischen Obstbäumen laden, so das Museum, Getränke, Kuchen und herzhafte Speisen zum Verweilen ein.
Bergisches Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe, Burggraben 19, Bergisch Gladbach-Bensberg. Eintritt: 3 Euro, ermäßigt 1,50 Euro. Kinder im Vorschulalter haben freien Eintritt. Es gibt keine barrierefreie Toilette.
