Warum die bevorstehenden Einschnitte beim ÖPNV alternativlos zu sein scheinen, aber keineswegs folgenlos. Ein Kommentar zum nächsten Sparpaket.
Kommentar zum RotstiftSparen mit Langzeitfolgen beim ÖPNV in Rhein-Berg


Wenn die Busfahrpläne ausgedünnt werden, wird das Umsteigen vom Auto auf den ÖPNV unattraktiver.
Copyright: Guido Wagner
Es ist noch gar nicht so lange her, da war der Rheinisch-Bergische Kreis in Sachen Mobilität Vorreiter. Verlässliche Takte auch außerhalb der Stoßzeiten, innovative Angebote wie Efi, Car-Sharing oder die Bergischen E-Bikes: Dahinter stand die richtige Erkenntnis, dass Menschen ihr Auto nur dann häufiger stehen lassen, wenn es verlässliche Alternativen gibt.
Und dafür braucht es einen langen Atem. Mobilitätsgewohnheiten ändern sich nicht über Nacht. Umso bitterer ist, was nun droht. Die Haushaltsnot des Kreises ist existenziell, der Sparzwang real. Viele Einschnitte mögen daher beinahe alternativlos erscheinen. Folgenlos sind sie nicht.
Manchen Menschen wird die Mobilität abgeschnitten
Gerade weniger Busfahrten abends und am Wochenende können Vertrauen gefährden, das über Jahre aufgebaut wurde. Wer nach Kino, Kneipe oder Treffen mit Freunden eine Stunde auf den Bus warten muss, greift beim nächsten Mal womöglich wieder zum Autoschlüssel. Wer gar keine Möglichkeit hat, ein Auto zu nutzen, guckt womöglich ganz in die Röhre.
Zumal die Verkehrswende andernorts längst stattfindet. Wer hätte noch in den 2000er Jahren gedacht, wie viele Menschen einmal mit Fahrrad und E-Bike durch Rhein-Berg fahren würden? Nur hat die Infrastruktur damit vielerorts nicht Schritt gehalten. Noch immer fehlen in der Fläche Radwege und überzeugende Lösungen für ein sicheres Miteinander von Auto und Fahrrad.
Sparen mag unvermeidbar sein. Doch wer beim ÖPNV zurückbaut, während beim Radverkehr die Infrastruktur hinterherhinkt, riskiert viel von dem, was über Jahre erreicht wurde. Manchen Menschen kappt man einen guten Teil ihrer Mobilität. Und bei anderen gewinnt am Ende ausgerechnet wieder das Verkehrsmittel, von dem man die Menschen zum gelegentlichen Umsteigen bewegen wollte: das eigene Auto.

