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Mordprozess gegen KürtenerGericht wartet auf Auswertung von DNA-Spuren

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Die Göttin Justitia im Gegenlicht auf dem Gerechtigkeitsbrunnen in Frankfurt am Main.

Ein Kürtener steht in einem Mordprozess in Paderborn vor Gericht. Die Göttin Justitia im Gegenlicht auf dem Gerechtigkeitsbrunnen in Frankfurt am Main.

Ein 57 Jahre alter Mann aus Kürten steht wegen Mordes vor dem Paderborner Schwurgericht 

Eigentlich hätte der Jahresbeginn auch den Endspurt markieren sollen im Mordprozess gegen einen 57-Jährigen aus Kürten. Aber die Aufklärung dieses Cold Case von 2003 stellt sich schwieriger dar, als es zu Beginn den Anschein hatte. Seit November steht der 57 Jahre alte Kürtener in Paderborn vor dem Schwurgericht, der dringend verdächtig ist, den 29-jährigen Tino W. im November 2003 in dessen Wohnung in Bad Driburg (Kreis Höxter) getötet zu haben.

Der damalige Nachbar soll den Kellner umgebracht haben, Habgier und Hass auf Homosexuelle nennt die Anklage als Tatmotive – und damit zwei Mordmerkmale. Wichtigste Indizien gegen den 57-Jährigen: DNA-Spuren und diverse, jedoch eher vage Zeugenaussagen, unter anderem auch eine des Angeklagten selbst, die durch die Beweisaufnahme in dem Prozess widerlegt scheint.

Mordmerkmal nicht belegt

Das Mordmerkmal des niederen Beweggrundes aus Schwulenfeindlichkeit hat sich bisher nicht belegen lassen. Beweisaufnahmen sind in Prozessen immer wieder ein Quell der Überraschung, selten sind es erfreuliche. So musste das Schwurgericht bereits vor vier Wochen erkennen, dass von den seinerzeit genommenen 128 DNA-Spurenproben nach 22 Jahren immer noch 95 gar nicht untersucht wurden – jetzt am achten Prozesstag teilte Vorsitzender Richter Eric Schülke mit, mittlerweile seien etwa ein Viertel der fehlenden Proben ausgewertet, ein Ergebnis aber noch nicht übermittelt worden.

Die bisher einzige substanzielle DNA-Spur, die dem Angeklagten zweifelsfrei zuzuordnen ist, wurde am Ärmel des Jogginganzuges gefunden, mit dem Tino W. zum Zeitpunkt seines Todes bekleidet war. Weitere Zeugen sollen aussagenVorsorglich hat das Schwurgericht weitere Prozesstermine bis Ende April angesetzt.

Anträge der Verteidiger

So bleibt auch Zeit, den weiteren Anträgen der Verteidigung nachzukommen: Die Anwälte Jann Henrik Popkes und Tim Hoffmann wollen weitere Zeugen hören – und zwar Personen aus dem Umfeld von Tino W., die eine Person gesehen haben könnten, die der auf einem Phantombild der Polizei ähnelt. Jenes Bild war seinerzeit nach Angaben einer Nachbarin erstellt worden, denen man aber nach einer Befragung der Frau im Laufe des Prozesses nur noch wenig Glauben schenkte. Diese Zeugen sollen zu den kommenden Terminen im Januar geladen werden.

Derweil beschäftigte sich das Gericht noch einmal mit dem Alibi eines früheren Tatverdächtigen. Jener war vor dem Tode Tino W.s mit diesem liiert gewesen und war anwesend, als die Polizei in der Wohnung die Leiche fand. Einen Tatverdacht gegen ihn leitete die Kriminalpolizei früh in den Ermittlungen aus Aussagen des jetzt angeklagten Ex-Nachbarn her, ließ diesen aber bald wieder fallen.

Mittlerweile ist der Zeuge verstorben. Seine damalige Chefin konnte sich im Zeugenstand zweifelsfrei erinnern, dass ihr Mitarbeiter zum möglichen Tatzeitpunkt an seinem Arbeitsplatz war. Fortgesetzt wird der Prozess am kommenden Mittwoch, der Angeklagte will sich beim letzten Verhandlungstermin im Januar zu seiner Person äußern.