In Bechen könnten zwei erste Klassen künftig gerade noch zustande kommen. In Olpe werden die Lerngruppen kleiner. In Dürscheid dagegen könnte zeitweise eine zusätzliche Gruppe nötig werden. Und an der Gesamtschule dürfte die Oberstufe schrumpfen. Kürtens neue Schulentwicklungsplanung zeigt, wie unterschiedlich der demografische Wandel vor Ort ankommt. Die Gemeinde muss sich auf weniger Kinder einstellen, ohne dass deshalb überall gleichzeitig Platz frei wird.
Der Rat hat die vorzeitige Fortschreibung des Plans einstimmig beschlossen. Anlass sind veränderte Bevölkerungs- und Geburtenzahlen. Statt den üblichen Fünfjahresrhythmus abzuwarten, ließ die Verwaltung die Prognosen früher überprüfen. Beauftragt wurde die Bonner Projektgruppe Bildung und Region, kurz biregio. David Rupp und Ruth Swierzy haben die Entwicklung bis zum Schuljahr 2031/32 berechnet und darüber hinaus in die Zukunft geschaut.
Die wichtigste Nachricht für Eltern: Der Plan geht vom Fortbestand der bisherigen Schulstandorte aus. Die Grundschulen bleiben nach Einschätzung der Gutachter im Rahmen ihrer bisherigen Zügigkeit, also der Zahl paralleler Klassen je Jahrgang. Doch die Schülerzahlen liegen künftig niedriger. Die Berechnung beschreibt, was bei unveränderter Schulstruktur und unter den angenommenen Bedingungen voraussichtlich geschieht.
Die Zahlen sprechen für sich
Noch hatte Kürten zuletzt einen leichten Anstieg erlebt. Im Schuljahr 2020/21 besuchten 777 Kinder die Grundschulen, 2025/26 waren es 801. Bis 2031/32 erwarten die Planer einen Rückgang auf 770. Das entspricht gegenüber dem Ausgangsjahr 2025/26 einem Minus von 3,9 Prozent. Hinter dem überschaubaren Rückgang der Gesamtzahl stecken allerdings deutlich größere Verschiebungen zwischen den Schulen.
Besonders gut lässt sich die Veränderung an den jüngsten Einwohnern ablesen. Ende 2025 lebten in Kürten 208 fünfjährige Kinder. Bei den Vierjährigen waren es 192, bei den Dreijährigen 190, bei den Zweijährigen 181. Die beiden jüngsten Jahrgänge zählten nur noch 158 beziehungsweise 151 Kinder. Solche Unterschiede erreichen die Schulen mit zeitlichem Abstand. Ein schwacher Geburtsjahrgang lässt sich nicht schon im nächsten Schuljahr an allen Klassen ablesen.
Auch deshalb ist der Plan keine gerade Linie nach unten. Für 2026/27 rechnen die Gutachter mit 218 Erstklässlern in der Gemeinde, für 2030/31 nur noch mit 174, im Jahr darauf wieder mit 186. Entscheidend sind nicht allein Geburten, sondern auch Zuzüge, Rückstellungen und die Frage, welche Schule Eltern für ihre Kinder wählen.
Im Schulverbund Kürten-Olpe bleibt es insgesamt bei etwa drei parallelen Klassen pro Jahrgang. Die Entwicklung der beiden Standorte läuft jedoch auseinander. Für Kürten erwarten die Planer eine sichere Zweizügigkeit. Die Gesamtschülerzahl steigt dort in ihrer Rechnung von 188 im Schuljahr 2025/26 auf 206 im Schuljahr 2031/32. Olpe dagegen bewegt sich in Richtung einer schwachen Einzügigkeit. Dort sinkt die Zahl im selben Zeitraum von 92 auf 84 Kinder. Die künftigen ersten Klassen könnten teilweise nur 17 bis 19 Kinder zählen.
Auch Biesfeld bleibt laut Gutachten sicher zweizügig, obwohl die Zahlen zurückgehen. Nach einem zwischenzeitlichen Anstieg auf voraussichtlich 215 Kinder im Schuljahr 2027/28 erwarten die Gutachter bis 2031/32 einen Rückgang auf 172. Zum Vergleich: 2025/26 waren es 194. Für die Schule heißt das, dass zunächst noch stärkere Jahrgänge durch die Klassen gehen, bevor sich die Entwicklung umkehrt.
In Bechen fällt der Rückgang deutlicher aus: Von 191 Kindern im Schuljahr 2025/26 geht die Prognose bis 2031/32 auf 161 zurück. Zwei Eingangsklassen bleiben nach Einschätzung der Planer möglich, die zweite wird allerdings mitunter nur knapp erreicht. Für 2027/28 erwarten sie 30 Erstklässler. Wie groß eine Schule insgesamt ist und wie viele Kinder in einem einzelnen Jahr eingeschult werden, sind zwei verschiedene Fragen.

Auch auf Einpendler kommt's an.
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Dürscheid bildet den Gegenpol. Die Schule unterrichtet jahrgangsübergreifend, Kinder verschiedener Jahrgänge lernen also zusammen. Ihre Gesamtschülerzahl wächst in der Prognose von 136 auf 147 bis 2031/32, zwischenzeitlich sogar auf 154. Das könnte einmalig eine siebte Lerngruppe erforderlich machen. Ob es dazu kommt, hängt auch vom schwankenden Anmeldeverhalten der Eltern ab.
Die sinkende Kinderzahl der Gemeinde bedeutet dort somit nicht automatisch Entlastung.
Auch die Zahl der Einpendler geht zurück
Für die Gesamtschule ist neben der Entwicklung in Kürten eine weitere Größe wichtig: Wie viele Kinder kommen aus Nachbarorten? Im Mittel der vergangenen Schuljahre wählten mehr als 40 Prozent der Kürtener Grundschulabgänger die eigene Gesamtschule. Zugleich ging die Zahl der Einpendler laut Gutachten zuletzt von mehr als 50 auf gut 30 zurück. Die Schule muss sich damit auch im Wettbewerb mit erreichbaren Gymnasien behaupten.
In der Sekundarstufe I, den Klassen fünf bis zehn, erwarten die Gutachter weiterhin knapp fünf Züge. Eine Ausnahme könnte 2027/28 werden: Dann erscheinen nur vier neue fünfte Klassen möglich. Danach halten sie fünf Eingangsklassen wieder für wahrscheinlich, sofern die Schule ihre heutigen Übergangsanteile behauptet. Insgesamt sinkt die Schülerzahl der Sekundarstufe I in der Rechnung von 774 im Schuljahr 2025/26 auf 723 bis 2031/32.
Deutlicher ist die Aussage zur Oberstufe: Ihre Zügigkeit dürfte mittelfristig von drei auf zwei absinken. Ab Mitte der 2030er-Jahre könnten schwächere Übergangsjahrgänge auch länger anhaltende Rückgänge in der Sekundarstufe I auslösen. Ob dann die Zahl paralleler Klassen dauerhaft reduziert werden muss, ist nach Einschätzung der Gutachter noch nicht gewiss.
Eine wichtige Stellschraube bleibt der Wohnungsbau. Bis 2031 berücksichtigt die Planung 284 Wohneinheiten einschließlich Lückenbebauung und Generationenwechsel im Bestand.
Wenn Häuser neu bezogen werden, können Familien zuziehen, auch ohne neues Baugebiet. Die Erwartungen wurden gegenüber dem vorherigen Plan reduziert. Baupreise, Finanzierung und Konjunktur machen solche Annahmen unsicher.
Der Beschluss selbst hat laut Kürtener Gemeindeverwaltung zunächst keine unmittelbaren finanziellen Auswirkungen auf den Haushalt. Er schafft eine Grundlage für weitere Entscheidungen. Für Kürten geht es darum, rechtzeitig zu erkennen, wo kleinere Jahrgänge ankommen und wo trotzdem zusätzliche Gruppen gebraucht werden. Ein Blick auf die Gesamtzahl allein reicht dafür nicht. (wg)


