Wo sonst Wasser steht, liegen breite Uferstreifen frei. Besonders eindrucksvoll und noch besser als das vergangene Woche an dieser Stelle zur Illustration der Niederschläge im September veröffentlichte Foto zeigt sich der niedrige Wasserstand derzeit am Überlauftrichter der Großen Dhünn-Talsperre: Das Bauwerk, das bei entsprechend hohem Pegel überschüssiges Wasser aufnehmen kann, steht mittlerweile weitgehend auf dem Trockenen. Leser Ingo Hennecke aus Kürten hat die ungewöhnliche Szenerie im Bild festgehalten.
Das Foto macht sichtbar, was die aktuellen Zahlen des Wupperverbands bestätigen. Am Dienstag war die Große Dhünn-Talsperre nur noch zu 34 Prozent gefüllt. In der Hauptsperre befanden sich damit nur noch rund 24,8 Millionen Kubikmeter Wasser. Die gesamte Anlage einschließlich Vorsperren kann rund 81 Millionen Kubikmeter fassen. Sie ist damit die zweitgrößte reine Trinkwassertalsperre Deutschlands, nach der Rappbodetalsperre im Harz.
Anhaltende Trockenheit als Ursache
Grund für den niedrigen Pegel ist die anhaltende Trockenheit. Schon 2025 war ein trockenes Jahr, anschließend brachten mehrere Winter- und Frühjahrsmonate deutlich zu wenig Niederschlag. Der Wupperverband hatte deshalb bereits im März begonnen, den Wasservorrat vorsorglich zu schonen. Damals enthielt allein die Hauptsperre noch rund 44 Millionen Kubikmeter und war damit zu 62 Prozent gefüllt. Seit Mitte März wurde die Wasserabgabe an die Dhünn reduziert, seit April greifen auch die Wasserversorger verstärkt auf andere Rohwasserquellen zurück.
Auch der weitere Jahresverlauf brachte keine nachhaltige Entspannung. An der Referenzmessstelle Bever-Talsperre summierte sich der Niederschlag im Wasserwirtschaftsjahr bis Mitte Oktober auf rund 902 Millimeter. Im langjährigen Durchschnitt wären es rund 1295 Millimeter.
Die Große Dhünn-Talsperre ist vor allem Trinkwasserspeicher für die Region. Darüber hinaus dient sie dem Hochwasserschutz und gibt in Trockenperioden Wasser an die Dhünn ab, damit dort eine Mindestwasserführung erhalten bleibt. Wie sehr ihr eigener Wasservorrat inzwischen geschrumpft ist, lässt sich derzeit mit bloßem Auge erkennen. Henneckes Foto zeigt es eindrücklich: Zwischen Wasserfläche und Waldrand ziehen sich breite trockene Zonen entlang des Ufers – und selbst der Überlauftrichter steht längst nicht mehr im Wasser. (hvo)

