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EntkernungAusräumen der PCB-kontaminierten Grundschule Neschen unter Atemschutz

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Odenthal – Fast ein Kilometer der mit dem Schadstoff PCB belasteten Fugen muss entfernt, 18 Tonnen Mobiliar müssen zerschlagen und 880 Quadratmeter Dämmstoffe abgerissen werden.

Was seit Montag von außen nahezu unbemerkt im alten Gebäude der Grundschule Neschen geschieht, verlangt den Arbeitern der Firma Frauenrath einiges ab. Denn durch die Kontaminierung des Gebäudes darf nur in Schutzkleidung gearbeitet werden.

„Die Silikonfugen hat man als Primärquellen der PCB-Ausdünstung ausgemacht, deshalb werden diese auch in speziellen verschließbaren Fässer vor und während des Transports gelagert“, sagt Carsten Mager von der Odenthaler Bauverwaltung.

„Das PCB ist im Laufe der Jahre in das Holz der Möbel sowie in die Wandfarbe und andere offenporige Teile eingedrungen, deshalb müssen wir jetzt so arbeiten“, erklärt Polier Guido Funk und deutet auf die beiden Schleusen am Eingang des Gebäudes. Jeder, der hineinwill, muss einen blauen Schutzanzug sowie Atemschutz anziehen, erst dann geht es durch eine Tür in eine Schleuse. Erst wenn diese geschlossen ist, lässt sich die Tür zum Inneren der Grundschule öffnen.

Umgekehrt müssen alle Gegenstände, die das Haus verlassen, also die vielen Tische, Bänke, Stühle, Bücher, sogar das Schulklavier, in eine spezielle Schleuse für kontaminiertes Stückgut.

Die Vorgeschichte zum Abriss

Seit 2009 ist bekannt, dass die Heizung in der Schule Neschen defekt ist. Anfang 2014 die Nachricht, dass die Schule PCB-belastet ist, die Sanierung der maroden Heizung wird gestoppt. 2015 wird ein Arbeitskreis initiiert, der bis Mai 2016 tagt. Er soll abwägen, ob eine Sanierung oder ein Neubau Sinn macht.

Im Mai 2015 ziehen die rund 74 Schüler in Container um. Im Juni 2016 stellen CDU, SPD und BRO einen gemeinsamen Antrag, die Schule als Verbundschule zu erhalten. Im Juli 2016 formiert sich ein Bürgerbegehren gegen den Erhalt von Neschen. Im November 2016 gibt es den Bürgerentscheid zur Grundschule Neschen: die Mehrheit ist für einen Erhalt des Standortes. Im Januar 2017 fällt die Entscheidung für den Abriss, im April die für den Neubau.

Im August, zum Schuljahr 2017/2018, startet die Verbundschule Odenthal/Neschen. Im September beginnt die Entkernung des belasteten Baus. (dfk)

Von dort öffnet sich die Tür zum ehemaligen Schulhof. Dort steht ein mit Folie abgedeckter Container bereit, in ihm werden die Gegenstände zur Entsorgung transportiert. Rund 175 000 Euro wird allein diese Entfernung und Entsorgung kosten. Abriss und Neubau der Schule in Neschen werden nach jüngsten Schätzungen rund vier Millionen Euro kosten. Ab und an heult eine Sirene auf, nämlich, wenn die Männer im Eifer des Gefechts vergessen, erst die eine Tür zu schließen. Die Schleuse verriegelt sich automatisch und zeigt über das akustische Signal an, dass man einen Fehler gemacht hat. „Das dient der Sicherheit. Damit soll ausgeschlossen werden, dass die feinen Stäube in die Umwelt gelangen“, erläutert Funk.

Diese sind so fein, dass sogar Exponate wie Vogelnester, Bienenwaben oder Überbleibsel des Kunstunterrichts entsorgt werden müssen. Auch die Plakate mit den Fotos der letzten Jahrgänge, die noch in der Schule unterrichtet wurden, kommen weg. Alles wirkt ein wenig so, als sei das Gebäude überhastet verlassen worden, dabei lief 2015 der Umzug in die Container geplant und entspannt.

In der ehemaligen Eingangshalle stapeln sich die zu entsorgenden Stücke. Fein säuberlich sortiert nach Holz, Metall und anderen Materialien. In den Klassenräumen sind die Arbeiter dabei, einige Zentimeter der Wandfarbe abzufräsen, auch die hat das PCB aufgenommen und muss deshalb vor dem Abriss des Gebäudes entsorgt werden. Mitte Oktober soll damit begonnen werden, die Bagger sind für den 16. bestellt. Die Zeit drängt, bis Mitte November muss der Eingang zur Turnhalle wieder möglich sein, am 18. November soll das neue Neschener Dreigestirn dort proklamiert werden. Die Turnhalle ist der einzige Teil der Schule, der stehen bleibt.

Am Jahresende wird das Schulgebäude von der Bildfläche verschwunden sein, Anfang 2018 erfolgt die Ausschreibung für den Neubau. Geht alles nach Plan, sollte im Herbst 2019 die erste Klasse im neuen Gebäude des seit August als Verbundschule mit Odenthal bestehenden Teilstandorts begrüßt werden können.

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