Die Steinenbrücker Schiffermädchen stechen am Sonntag vor Rosenmontag mit ihrem neuen Wagen in See.
KarnevalswagenEin Förderturm aus Overath-Steinenbrück geht in Bergisch Gladbach auf Jungfernfahrt

Vorm Vorbild: 1978 wurde das Bergwerk auf dem Lüderich stillgelegt, auf dem neuen Karnevalswagen der Schiffermädchen lebt die Bergbauhistorie nun neu auf.
Copyright: Guido Wagner
Kann ein stählerner Bergwerksförderturm schwimmen? Wohl eher nicht. Es sei denn, er ist halb Bergwerkskoloss, halb Schiff. Und so wird an diesem Wochenende auch der Förderturm vom ehemaligen Hauptschacht am Lüderich in See stechen. Oder zumindest das, was die Steinenbrücker Schiffermädchen daraus auf ihrem komplett neu aufgebauten Karnevalswagen gemacht haben: ein faszinierendes Bauwerk, das an diesem Sonntag, ab 13.11 Uhr seine Jungfernfahrt durchs Meer der Jecken beim Karnevalszug durch die Bergisch Gladbacher Stadtmitte antritt.
„Der Förderturm auf dem Lüderich ist so etwas wie unser Hafen – und das Wahrzeichen von Steinenbrück sowieso“, erklärt Tanzoffizier Christian Sauermann, der den Neubau des Karnevalswagens geplant und mit einem engagierten Team organisiert hat. Die Verbindung der Schiffermädchen zum Förderturm auf dem Berg ist umso enger geworden, seitdem der Vorsitzende Norbert Peters mit seiner Familie den dortigen Golfplatz samt Abenteuer-Minigolfanlage gepachtet hat und im ehemaligen Maschinenhaus ein neues Restaurant namens „Bergwerk“ eröffnet hat.

Zur Vorstellung des Wagens kam auch das Dreigestirn aus Bergisch Gladbach, wo der Wagen am Sonntag vor Rosenmontag Premiere hat.
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Mehr als 2200 Arbeitsstunden hat das Bauteam seit Juli 2025 in den Wagenbau investiert. Der fahrende Unterbau stammt von einem Karnevalswagen, den die Steinenbrücker Schiffermädchen einst als Burg an die Bensberger Carnevals Company (BCC) verkauft und nun zurückerstanden haben. „Wir haben den Wagen komplett neu aufgebaut“, sagt Norbert Peters.
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Schlosser Ralf Burgmer unterstützte beim Metallbau, um den Förderturm nachzubilden. An seinem Fuß rangieren nun Förderwagen, die mit dem Bergwerkssignet von Eisen und Schlegel markiert sind. „Unbefugten ist das Betreten der Bergwerksanlagen u. Halden bergaufsichtlich verboten“ steht auf einem originalen Warnschild, das ebenso an dem Festwagen-Förderturm montiert wurde wie eine Ansicht des Barbarakreuzes auf der Wagen-Vorderseite.

Zwei Loren, Förderwagen, in denen Erz transportiert wurde, sind am Fuße des Förderturms nachgebildet.
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Während der Förderturm auf Felsdekor „errichtet“ ist, das sich bis zum Drehschemel des Wagenunterbaus fortsetzt, scheint das Schiff, das den zweiten Teil des Wagens bildet, im Meer zu „schwimmen“. Blaues Wasser umspült die Planken des Schiffsrumpfs.
„Ich würde ja auch gerne auf den Förderturm vorne“, sagt Norbert Peters, der seit klein auf ein Faible für die Bergwerkshistorie in seinem Heimatort hat, „aber der Vorstand kommt natürlich hinten auf die Kommandobrücke des Schiffs“, sagt er augenzwinkernd und klettert auf die obere Etage des Hecks.
Am Rosenmontag schippert die „MS Laberlal“ durch Steinenbrück
Direkt darunter hat das Förderturm-Schiff eine Toilette eingebaut – und viel Platz fürs Wurfmaterial. Das beeindruckt auch das Bergisch Gladbacher Dreigestirn, das es sich angesichts der bevorstehenden Jungfernfahrt beim Gladbacher Zoch nicht nehmen ließ, zur Vorstellung des Wagens auf den Lüderich zu kommen.
Nach der Premiere in der Bergisch Gladbacher Stadtmitte wollen die Schiffermädchen an Rosenmontag mit dem neuen Gefährt, das „MS Laberlal“ getauft werden soll, natürlich in ihrem Heimatzoch durch Steinenbrück schippern. „Wir sind gespannt, wie der Wagen ankommt“, sagt Peters und freut sich über den großen Einsatz seiner Aktiven.

