Bei der Unterzeichnung des Dachnutzungsvertrages ging es auch um die aktuelle Energiepolitik.
EnergieDie VHS Overath & Rösrath wird ihren eigenen Strom nutzen

Freuen sich über die neue PV-Anlage fürs VHS-Haus in Untereschbach: (v.l.) Manfred Allmayer (städtisches Immobilienmanagement), Beigeordneter Thorsten Steinwartz, Bürgermeister Michael Eyer, Jörg Moser und Jörg Bublies (Energiegenossenschaft).
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Die Aktivitäten der Energiegenossenschaft für Overath nehmen Fahrt auf, denn der nächste Dachnutzungsvertrag für ein städtisches Gebäude ist bei einem Pressetermin unterzeichnet worden. Auf dem Dach der Volkshochschule (VHS) Overath & Rösrath wird schon bald eine neue PV-Anlage glänzen, wie bei der Overather Feuerwache (wir berichteten).
Angefangen hatte das Projekt 2025 beim Overather Stadtfest, wie Jörg Moser, Vorstandsmitglied der Energiegenossenschaft, erklärte. Dabei sei der Zweckverband der VHS an den Stand der Genossenschaft gekommen und habe den Wunsch einer PV-Anlage geäußert. In Absprache mit VHS-Leiterin Miriam Erkens sei eine Analyse mit Hilfe des Rheinisch-Bergischen Kreises vorgenommen worden. Sie zeige, welche Stelle und Größe für die Anlage am sinnvollsten sei. Die Analyse habe ergeben, dass nur ein Teil des Dachs für Module in Frage komme, da Bäume manche Bereiche beschatten. Mit dem Amt für Immobilienmanagement, das für das Gebäude zuständig ist, und der VHS sei daraufhin die Position der Anlage eruiert worden, damit klar ist, wo welche Geräte verbaut werden.
Mehr Mitglieder wären hilfreich
Finanziert werde die circa 43.000-Euro-Anlage mit Mitgliedsanteilen der Genossenschaft und Nachrangdarlehen einzelner Mitglieder. In diesem Zusammenhang erklärte Moser, dass bei einem Runden Tisch verschiedener regionaler Genossenschaften bemerkt wurde, dass die Energiegenossenschaft für Overath viele Projekte am Laufen habe, dafür aber wenig Geld da sei. Genau umgekehrt verhalte es sicht bei anderen Genossenschaften. Wie man voneinander profitieren könne, daran arbeite man gerade. In jedem Fall, so Jörg Bublies, Vorstandsmitglied der Energiegenossenschaft, wären mehr Mitglieder hilfreich, um Projekte finanziell stemmen zu können.
Die Anlage soll aus 44 Modulen mit einem Speicher für 15 Kilowattstunden bestehen und 18.000 Kilowattstunden pro Jahr bringen. Das entspräche einer CO²-Einsparung von 10.730 Kilogramm pro Jahr. Genossenschaft und VHS erhoffen sich, dass ein Eigenverbrauchsanteil von etwa 70 Prozent erreicht wird. Wenn der Eigenverbrauch zu niedrig wäre, so Moser, würde sich das Projekt nicht rentieren, schließlich werde die Einspeisung ins Netz aktuell nicht gut vergütet. „Solche Projekte müssen sich innerhalb der Lebensdauer einer Anlage, etwa 20 Jahre, amortisieren“, erläuterte er. Da die Wirtschaftlichkeit durch den geringen Eigenverbrauchsanteil zunächst in Frage stand, habe man eine Wallbox mit zwei Ladepunkten eingeplant. Mitarbeiter der VHS hätten bereits E-Autos und könnten so den eigenproduzierten Strom verbrauchen.
Kommende Woche geht's los
Mit dem unterzeichneten Dachnutzungsvertrag könne bereits kommende Woche mit den Arbeiten begonnen werden, so dass die Anlage schon in sechs Wochen fertig sein könnte. Das sei gut, denn aktuell gebe es einen Boom in der Branche, so dass es schwieriger werde Termine zu bekommen. Beauftragt wurde wieder die Firma Hamacher Solar aus Overath.
Bürgermeister Michael Eyer betonte, dass die Ausstattung der städtischen Bestandsgebäude mit PV-Anlagen sinnvoll sei und es „ist ökologisch sinnvoll, sich an solchen Projekten zu beteiligen“. Erneuerbare Energien seien schließlich eine saubere Sache. „Bei allen Gebäuden, die neu entstehen, machen wir ja sowieso PV-Anlagen auf das Dach, auch weil wir es müssen. Aber gerade für Bestandsgebäude ist das Dachnutzungsmodell sinnvoll und es ist gut, dass wir eine solche Kooperation haben“, fand auch der Erste Beigeordnete Thorsten Steinwartz.
Unzufriedenheit bei der Klimapolitik
Moser wandte sich bei der Gelegenheit an Eyer und Steinwartz als CDU-Mitglieder. Unsere Energieministerin mache aktuell alles, was gegen die Bemühungen und Werte der Genossenschaft gehe, meinte Moser und deutete damit auf Katharina Reiche hin, die für den Ausbau von Gaskraftwerken geworben und eine Kürzung der Einspeisevergütung für kleinere PV-Anlagen geworben hatte. Vielleicht könnten sie sich an ihre Parteikollegen im Bundestag wenden und sich für eine Klimapolitik aussprechen, die ohne Gaskraftwerke auskomme. „Was wir brauchen, sind erneuerbare Energien“, so Moser. Die Energiegenossenschaft für Overath schließe sich deshalb einer Demonstration am 18. April in Köln auf dem Heumarkt an, für den Erhalt der erneuerbaren Energien.
Für die VHS, so erläuterte Erkens, käme die PV-Anlage zur richtigen Zeit. „Wir hatten gerade das Qualitätsmanagement im Haus und wurden rezertifiziert. Dabei bekommt man auch für Nachhaltigkeit Punkte.“ Daher sei man proaktiv dahinter und würde auch Fördermöglichkeiten ausschöpfen, wo es möglich sei.
