Weil Ralf Lingen, der eine der beiden Hauptrollen spielt, ins Krankenhaus musste, sprang Herbert Mohr mit nur zwei Stunden Vorlaufzeit ein.
„Großbrand“ hinter der BühneTrotz plötzlich erkranktem Schauspieler lieferte der Theaterverein Heiligenhaus ein grandioses Stück ab

In der WG der Langzeitstudenten Steffen und Paul spielten sich kuriose Dinge ab, die das begeisterte Publikum aus Heiligenhaus gebannt verfolgte.
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„Feuerwehrleute retten nicht einfach Häuser vor den Flammen, sie retten Erinnerungen, Beziehungen und Träume“, besagt ein Spruch, der von der Feuerwehr-Kameradschaft und dem Heiligenhauser Theaterverein am Wochenende hundertprozentig bestätigt wurde. Im Rahmen der Feuerwehrfeste zeigten sie die Komödie „Meine Braut, der Bauer und ich“ und löschten hinter der Bühne den aufkeimenden „Großbrand“, ehe er sich ausbreiten konnte.
Seit 122 Jahren kommen die Heiligenhauser jährlich in den Genuss, wenn Feuerwehrleute und Akteure des Theatervereins ein Stück auf die Bühne bringen, die Einnahmen kommen den beiden Vereinen zugute. Für die Bewohner des Örtchens auf der Sülzhochfläche ist das ein fester Termin im Kalender. Das zeigt auch das Interesse an der Veranstaltung mit 1000 Karten, die binnen vier Minuten ausverkauft war.
Herbert Mohr hatte nur zwei Stunden, um sich in seine Rolle einzufühlen
Zwischen Currywurst und einem kühlen Kölsch als Einstieg in einen erholsamen und vor allem lustigen Abend hatte es sich längst herumgesprochen, was sich in den letzten Stunden vor Beginn hinter den Kulissen abgespielt hatte. Ralf Lingen, der eigentlich eine der beiden Hauptrollen spielen sollte, musste ins Krankenhaus und das Ensemble schnellstmöglich eine Lösung finden.
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Im Stück flätzen Steffen und Paul auf der Couch ihrer WG zwischen leeren Pizzakartons und Bierflaschen.
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Zwei Stunden vor Beginn der Vorstellung stand sie vor ihnen: Herbert Mohr, der zwar die Rahmenhandlung um die beiden Langzeitstudenten Steffen und Paul, die chronisch pleite sind, kannte, jedoch nicht den Text. Verantwortlich sollte der Vorsitzende des Theatervereins lediglich für den Bühnenbau in diesem Jahr sein. Emsig arbeitete er sich in die Hauptrolle ein und bekam mit Jana Bresch seine exklusive Souffleuse. „Er kann es nicht auswendig, bekommt den Text mit Anweisungen ins Ohr gesprochen“, erklärte Christian Michels aus dem Ensemble den Zuschauern Plan B, ehe sich der Vorhang hob.
Mit Bravour spielte Herbert Mohr seine neue Rolle
Souffleuse Bresch verfolgte das Geschehen auf der Bühne mit einer Kamera über den Laptop. Mohr verlor keine Minute, um im Spiel anzukommen. Das Publikum beobachtete mit offenem Mund das Zusammenspiel der unerwartet neu formierten Truppe.

Geld muss für den erzürnten Vermieter her.
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Faul fläzten die Mitbewohner Steffen und Paul auf der Couch ihrer WG zwischen leeren Pizzakartons und Bierflaschen auf der Suche nach einer Idee, wie sie den erzürnten Vermieter Gerd Knappsack, gespielt von Michels, milde stimmen könnten, denn der wartete auf sein Geld. Von Bettelbriefen an die bäuerlichen Eltern über eine Tablettenstudie bis hin zu einer Verlobung war alles dabei und schnell stellte sich heraus, dass Mohr mit seiner Rolle die facettenreichste erwischt hatte – und diese mit Bravour meisterte.
Zwischen den Akten motivierten sich die Darsteller für die nächste Runde
„Die Vorbereitungen fangen erst kurz nach Karneval an, geprobt wird ab da drei Mal pro Woche. Wir als Partnerinnen sind auch eingebunden, machen bei den Vorstellungen die Bewirtung und halten die Stellung, wenn der Mann nicht zuhause ist“, so Anna als eine von rund 65 Helferinnen und Helfern, deren Mann Christopher Merkel die Hauptrolle des Bauernsohn Steffen spielte. Sie war beeindruckt darüber, wie gut das Zusammenspiel mit Mohr funktionierte: „Er muss alles gleichzeitig verarbeiten und umsetzen, das ist eine wahnsinnige Leistung.“
Zwischen den Akten motivierten sich die Darsteller für die nächste Runde, in welcher stets einer draufgesetzt wurde. „Heute war es eine andere Aufregung, weil die Besetzung verändert wurde. Wenn man aber sieht, dass sich das Proben gelohnt hat, ist das toll“, waren sich alle einig und stießen darauf an, ehe sie wieder auf die Bühne traten und dem Publikum ihre Ansicht von Gemeinschaft, Zusammengehörigkeit und Leidenschaft zu vermitteln und dafür nicht endenden Applaus entgegennahmen.
